Die vorsorgliche Entfernung der Hörner bei Nashörnern kann ein wirksames Mittel gegen Wilderei sein. Laut einer aktuellen Studie, die im Fachjournal Science veröffentlicht wurde, sinkt die Zahl der gewilderten Tiere nachweislich, wenn ihre Hörner entfernt wurden. Die Maßnahme gilt zudem als vergleichsweise kostengünstig und lässt sich in großem Stil umsetzen.
Weniger Anreiz für Wilderer
Das Horn des Nashorns besteht aus Keratin – dem gleichen Material wie menschliche Fingernägel – und wächst nach. Dennoch bietet ein enthorntes Nashorn für Wilderer kurzfristig keinen wirtschaftlichen Anreiz mehr. Die Tiere werden damit weniger attraktiv für kriminelle Netzwerke, die auf den lukrativen Schwarzmarkt mit Nashornprodukten setzen.
Kein Wundermittel
Trotzdem hat die Methode Grenzen: Die Hörner wachsen nach, was regelmäßige Nachschnitte notwendig macht. Zudem könnte es laut der Forscherinnen und Forscher zu einem sogenannten Verdrängungseffekt kommen – Wilderer könnten in andere Regionen ausweichen, wo Tiere nicht enthornt wurden.
Ökologisch und ethisch umstritten
Nicht zuletzt ist auch der Eingriff selbst umstritten. Obwohl er unter Narkose durchgeführt wird und für die Tiere weitgehend schmerzfrei ist, greifen Tierschützer und Ökologen die Praxis teilweise kritisch auf: Die Hörner dienen nicht nur zur Verteidigung, sondern auch zur Kommunikation unter Artgenossen und zur Reviermarkierung.
Bedrohte Arten unter Druck
Die Wilderei bedroht alle fünf weltweit noch existierenden Nashornarten – insbesondere in Afrika und Asien. In einigen Regionen hat der Handel mit Horn zu dramatischen Rückgängen der Bestände geführt. Besonders stark betroffen sind das Breitmaulnashorn und das Spitzmaulnashorn.
Die Studie kommt dennoch zu einem klaren Fazit: Entnornung allein ist kein Allheilmittel, aber ein pragmatischer Bestandteil einer umfassenden Schutzstrategie – vor allem in Kombination mit intensiver Überwachung, Bildungsarbeit und internationalem Druck auf Märkte, die weiterhin mit Nashornprodukten handeln.