Die Prognosen für den Sommer 2025 lassen erneut extreme Temperaturen erwarten – mit potenziell tödlichen Folgen für eine besonders gefährdete Bevölkerungsgruppe: Obdachlose. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) warnt eindringlich davor, dass anhaltende Hitzeperioden ein ernstes Gesundheitsrisiko für Menschen ohne festen Wohnsitz darstellen – in Einzelfällen mit tödlichem Ausgang.
Hitze trifft die Schwächsten besonders hart
„Obdachlose Menschen können sich nicht einfach in klimatisierte Räume zurückziehen oder ausreichend mit Wasser versorgen“, erklärte Sabine Bösing, Geschäftsführerin der BAG W, gegenüber der Rheinischen Post. Viele Betroffene leben auf der Straße, ohne Zugang zu Schatten, Schutzräumen oder medizinischer Betreuung. Hitzeerschöpfung, Dehydrierung und Kreislaufzusammenbrüche seien realistische Szenarien – insbesondere für ältere, kranke oder alkoholabhängige Menschen.
Kommunen sollen aktiv werden – nicht nur im Winter
Zwar seien viele Städte und Gemeinden auf den Winterschutz für Obdachlose vorbereitet – mit Notunterkünften, Wärmestuben und Kältenotdiensten. Beim Hitzeschutz aber gebe es deutlichen Nachholbedarf. Die BAG W fordert daher konkrete, niedrigschwellige Maßnahmen, wie etwa:
-
Trinkwasserstellen an zentralen öffentlichen Orten
-
Mobile Wasserverteilung durch Hilfsorganisationen
-
Schattenspender in stark frequentierten Innenstadtbereichen
-
Öffnung öffentlicher Einrichtungen wie Bibliotheken, Bahnhöfe oder Gemeindehäuser als Rückzugsräume
-
Sensibilisierung des Rettungsdienstes und der Polizei für hitzebedingte Notfälle unter Wohnungslosen
Hitzeschutz als kommunale Pflichtaufgabe?
Die BAG W plädiert dafür, Hitzeschutz als Bestandteil kommunaler Gesundheits- und Sozialpolitik zu verankern – analog zum bestehenden Kälteschutz. Insbesondere in Großstädten mit hoher Wohnungsnot sei die Zahl obdachloser Menschen nach wie vor hoch, während gleichzeitig die Sommermonate immer heißer und länger werden. Der Klimawandel verschärft die soziale Ungleichheit – auch im Hinblick auf den Zugang zu Schutz und Versorgung.
Fazit: Hitze darf nicht zur Todesfalle werden
Der kommende Sommer wird nicht nur zur Bewährungsprobe für das Gesundheitssystem, sondern auch für den gesellschaftlichen Umgang mit marginalisierten Gruppen. Obdachlose Menschen zählen zu den unsichtbaren Opfern der Klimakrise. Es liegt an Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft, ihnen durch gezielte Maßnahmen mehr Schutz und Würde zu ermöglichen – nicht erst, wenn es zu spät ist.