Verbraucherzentrale Sachsen warnt vor irreführender Werbung für Nahrungsergänzungsmittel
Sie wirken harmlos – tropfenweise sogar hilfreich: Nahrungsergänzungsmittel, die Wohlbefinden, Energie oder Heilung versprechen, gehören längst zum festen Sortiment zahlloser Online-Shops. Doch hinter glänzenden Etiketten und gesund klingenden Namen wie Cardirin verbirgt sich oft mehr Marketing als medizinischer Nutzen – manchmal sogar handfester Betrug. Die Verbraucherzentrale Sachsen schlägt Alarm: Mit falschen Heilsversprechen, erfundenen Arztzitaten und schwer erreichbaren Auslandsfirmen locken Anbieter ahnungslose Käufer in die Kostenfalle.
Cardirin – Tropfen mit zweifelhaftem Ruf
Im aktuellen Fall geht es um die vermeintlich „blutdrucksenkenden“ Cardirin-Tropfen. Das Produkt wird online aggressiv beworben – mit angeblichen Zitaten von Dr. Eckart von Hirschhausen, populärer Arzt, Autor und TV-Gesicht. Doch der Haken: Hirschhausen hat nie für das Produkt geworben. Die Zitate sind gefälscht, die Bilder und Videos manipuliert – ein klarer Fall von Identitätsmissbrauch.
„Das ist kein Einzelfall“, berichtet Anett Wagner, Rechtsberaterin bei der Verbraucherzentrale in Meißen. „In mehreren Fällen haben sich Verbraucher*innen bei uns gemeldet, die den Tropfen gekauft haben – im Vertrauen auf die scheinbare Empfehlung einer bekannten Persönlichkeit.“
Verbotene Gesundheitsversprechen – und das aus gutem Grund
Das große Problem dabei: Nahrungsergänzungsmittel dürfen laut Gesetz keine krankheitsbezogenen Wirkversprechen enthalten. Sie sind rechtlich keine Arzneimittel – und dürfen deshalb auch nicht mit Aussagen wie „hilft gegen Bluthochdruck“ beworben werden. Dennoch tun es viele Anbieter – bewusst.
„Cardirin ist ein Nahrungsergänzungsmittel mit Pflanzenextrakten und Vitaminen“, erklärt Dr. Birgit Brendel von der Verbraucherzentrale Sachsen. „Aber es wurde nicht als Medikament zugelassen. Damit fehlt jede wissenschaftliche Prüfung auf Wirksamkeit bei Bluthochdruck – oder bei irgendeiner anderen Krankheit.“
Teuer, intransparent und kaum rückgängig zu machen
Auch die Geschäftsabwicklung gestaltet sich problematisch. Die Anbieter hinter Cardirin agieren oft aus dem Ausland – eine gängige Strategie, um rechtlicher Verfolgung zu entgehen. Bestellt wird meist per Nachnahme, vier Packungen schlagen mit 236 Euro zu Buche.
„Viele bekommen keine vollständigen Vertragsunterlagen, oft gibt es nur eine allgemeine Hotline oder eine vage E-Mail-Adresse – was eine Rückgabe extrem erschwert“, so Wagner. Rückerstattungen gelingen nur selten, meist mit viel Geduld und juristischer Unterstützung.
Was tun bei einer Bestellung? Tipps für Betroffene
Die Verbraucherzentrale rät:
- Widerrufen Sie den Kauf schriftlich (per E-Mail oder Einschreiben) – das ist bei ungeöffneten Packungen grundsätzlich möglich.
- Verweigern Sie die Annahme, falls das Paket noch nicht zugestellt wurde.
- Sichern Sie alle Unterlagen und Belege, auch Screenshots von der Werbung.
- Melden Sie betrügerische Werbung bei der Verbraucherzentrale oder dem Projekt „Faktencheck Gesundheitswerbung“.
Gesundheit ist keine Glaubensfrage – sondern Wissenschaft
Die Verbraucherzentrale empfiehlt bei Gesundheitsfragen stets den Blick auf seriöse Informationsquellen – und warnt vor schnellen Heilsversprechen. „Wenn ein Produkt über Nacht Bluthochdruck heilen soll, steckt selten ein medizinischer Durchbruch dahinter – meist aber ein gutes Geschäftsmodell“, betont Brendel.
Auf der Seite www.klartext-nahrungsergaenzung.de finden sich aktuelle Warnungen, Produktbewertungen und Informationen über bedenkliche Inhaltsstoffe, rechtliche Grauzonen und falsche Gesundheitsversprechen.
Fazit:
Ein Klick zu viel kann teuer werden. Und nicht alles, was sich nach Gesundheit anhört, ist am Ende gut für Körper, Konto – oder Vertrauen. Bleiben Sie skeptisch – besonders, wenn Promis plötzlich Tropfen empfehlen, von denen sie selbst noch nie gehört haben.