Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland – dennoch wird das individuelle Risiko von vielen Menschen offenbar stark unterschätzt. Laut einer aktuellen Untersuchung des Robert Koch-Instituts (RKI) hat rund jeder fünfte Erwachsene im Alter von 35 bis 69 Jahren ein erhöhtes bis hohes Risiko, innerhalb der nächsten zehn Jahre erstmals einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden.
Besorgniserregend ist dabei, dass etwa die Hälfte der potenziell Betroffenen ihr eigenes Risiko als gering oder nicht vorhanden einschätzt. Diese Fehleinschätzung kann schwerwiegende Folgen haben, denn sie verhindert oft, dass rechtzeitig ärztliche Hilfe gesucht oder der Lebensstil angepasst wird.
Zu den häufigsten Risikofaktoren zählen chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Adipositas (krankhaftes Übergewicht). Hinzu kommen verhaltensbezogene Faktoren wie Rauchen, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung sowie übermäßiger Alkoholkonsum. In Kombination erhöhen diese Faktoren die Wahrscheinlichkeit eines schwerwiegenden Herz-Kreislauf-Ereignisses deutlich – oft, ohne dass Betroffene akute Symptome wahrnehmen.
Die Untersuchung zeigt auch: Das fehlende Risikobewusstsein ist kein Randphänomen, sondern ein weit verbreitetes Problem in der Gesundheitsvorsorge. Prävention setzt jedoch voraus, dass Menschen ihr individuelles Risiko kennen und ernst nehmen. Gesundheitsorganisationen fordern daher verstärkte Aufklärungskampagnen, niederschwellige Angebote zur Früherkennung und eine bessere Verzahnung zwischen Hausarztpraxis und Präventionsarbeit.
Darüber hinaus betonen Fachleute die Bedeutung eines gesunden Lebensstils, um das Risiko zu senken: Ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, Rauchverzicht und ein bewusster Umgang mit Stress gehören zu den wirksamsten Maßnahmen, um Herz und Kreislauf langfristig zu schützen.
Fazit:
Trotz medizinischer Fortschritte und verfügbarer Vorsorgeangebote bleibt das Bewusstsein für Herz-Kreislauf-Risiken in Deutschland vielerorts lückenhaft. Die aktuelle RKI-Studie zeigt deutlich: Viele unterschätzen die Gefahr – und lassen wertvolle Zeit verstreichen, in der Vorbeugung möglich wäre. Es braucht daher mehr Informationen, gezielte Ansprachen und eine Kultur der Gesundheitsverantwortung, um Herzinfarkt und Schlaganfall wirksam vorzubeugen.