Die Zerstörung tropischer Urwälder hat im Jahr 2024 einen neuen Höchststand erreicht – und damit den höchsten Verlust seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2002. Das geht aus einer aktuellen Analyse der renommierten Forschungsorganisation World Resources Institute (WRI) und der University of Maryland hervor. Demnach wurden im vergangenen Jahr weltweit rund 6,7 Millionen Hektar tropischer Primärwälder vernichtet – eine Fläche fast doppelt so groß wie die Schweiz.
Besonders drastisch: Die Waldverluste entsprechen rechnerisch einer Fläche von 18 Fußballfeldern – pro Minute. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das einen Anstieg von rund 80 Prozent – ein dramatischer Sprung, der Experten zutiefst besorgt.
Brände, Klimawandel und politische Instabilität als Hauptursachen
Als zentrale Ursachen nennen die Forscher unter anderem die Zunahme großflächiger Brände, die durch den menschengemachten Klimawandel weiter verstärkt werden. Hitzeperioden, Dürren und ausbleibende Regenzeiten begünstigen das Ausbreiten von Feuern – auch in Regionen, die früher als feuerresistent galten. Viele der Brände seien jedoch nicht natürlichen Ursprungs, sondern werden absichtlich gelegt, um Land für landwirtschaftliche Nutzung – etwa für den Anbau von Soja oder Ölpalmen – freizumachen.
Die Studie verweist zudem auf die zunehmende politische Instabilität in einigen tropischen Ländern, die den Schutz der Wälder weiter erschwert. Korruption, unkontrollierter Bergbau, illegale Abholzung und schwache Umweltgesetze tragen dazu bei, dass selbst Schutzgebiete zunehmend unter Druck geraten. Besonders betroffen seien Regionen in Brasilien, der Demokratischen Republik Kongo und Indonesien – allesamt Länder mit bedeutenden tropischen Regenwäldern.
Tropischer Urwald: Ein Schlüssel für das globale Klima
Die Vernichtung tropischer Primärwälder ist nicht nur ein regionales Problem – sie hat gravierende globale Folgen. Diese Wälder zählen zu den wichtigsten CO₂-Speichern der Erde, spielen eine zentrale Rolle im Wasserkreislauf und bieten Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten. Wird Urwald gerodet oder verbrannt, gelangt das im Holz gespeicherte CO₂ in die Atmosphäre – was die globale Erwärmung weiter beschleunigt.
Gleichzeitig geht mit der Abholzung auch ein dramatischer Verlust an Biodiversität einher. Viele der betroffenen Regenwaldregionen gehören zu den artenreichsten Ökosystemen der Erde – ihr Verlust ist unwiederbringlich.
Forderungen nach politischem Handeln
Die Autoren der Studie rufen Regierungen weltweit zum schnellen Handeln auf. Es brauche stärkere internationale Kooperation, den Ausbau nachhaltiger Lieferketten und ein entschiedenes Vorgehen gegen illegale Entwaldung. Auch Konsumenten in Industrieländern könnten zur Entlastung beitragen, indem sie Produkte mit nachgewiesener Herkunft aus nachhaltigem Anbau bevorzugen – etwa bei Tropenholz, Soja oder Palmöl.
Internationale Initiativen wie die „Forest and Climate Leaders’ Partnership“, die im Rahmen der UN-Klimakonferenzen ins Leben gerufen wurde, sollen helfen, den Schutz der Wälder zu stärken. Doch bislang bleiben viele Versprechen auf dem Papier.
Fazit
Die Zerstörung der tropischen Regenwälder schreitet ungebremst voran – schneller denn je in den letzten zwei Jahrzehnten. Die aktuellen Zahlen zeigen eindringlich: Der Kampf gegen den Klimawandel und für den Erhalt der Artenvielfalt ist untrennbar mit dem Schutz dieser Wälder verbunden. Ohne entschlossene Maßnahmen droht ein Kipppunkt, von dem es kein Zurück mehr gibt.