Die deutschen Sparkassen wollen auch in Zukunft auf Präsenz vor Ort setzen – und ihr bundesweit einmalig dichtes Netz an Filialen möglichst erhalten, vielleicht sogar weiter ausbauen. Das erklärte Ulrich Reuter, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), gegenüber der Presse. „Wir haben das dichteste Filialnetz aller Banken und Verbünde in Deutschland“, betonte Reuter. Ob dieses Netz auch künftig in dieser Form bestehen bleibe, hänge jedoch maßgeblich von der Nachfrage der Kunden ab.
Aktuell betreiben die Sparkassen mehr als 10.000 Filialen in ganz Deutschland – ein Netz, das selbst im europäischen Vergleich außergewöhnlich ist. Die Sparkassen verstehen ihre Standorte dabei nicht nur als reine Servicepunkte für Bankgeschäfte, sondern als Teil ihres gesellschaftlichen Auftrags: finanzielle Grundversorgung, Nähe zum Bürger und Stärkung der Regionen – gerade auch in ländlichen Räumen.
Kundenverhalten als Gradmesser
Reuter machte deutlich, dass die Zukunft der Filialen stark vom Verhalten der Kunden abhänge. „Solange der persönliche Kontakt gewünscht ist, wird es auch Filialen geben“, so der DSGV-Präsident. In vielen Regionen, besonders außerhalb der Ballungszentren, seien Filialen nach wie vor zentrale Anlaufstellen – nicht nur für Bankgeschäfte, sondern auch für Beratung in finanziellen Fragen wie Altersvorsorge, Baufinanzierung oder Unternehmensgründung.
Gleichzeitig sei aber auch klar, dass sich das Kundenverhalten verändere: Immer mehr Bankgeschäfte werden digital abgewickelt – bequem per App oder Online-Banking von zu Hause aus. Dennoch wolle man nicht den Fehler machen, allein auf Digitalisierung zu setzen und die persönliche Beratung aufzugeben, so Reuter.
Kostendruck bleibt Herausforderung
Das dichte Filialnetz bringt allerdings auch Herausforderungen mit sich – vor allem in finanzieller Hinsicht. Jede Filiale bedeutet Personal-, Miet- und Betriebskosten. In Zeiten rückläufiger Zinsmargen, wachsender Regulierung und zunehmender Konkurrenz aus dem digitalen Raum geraten klassische Filialbanken zunehmend unter wirtschaftlichen Druck.
Bereits in den vergangenen Jahren haben viele Banken ihre Filialnetze ausgedünnt – auch bei den Sparkassen kam es regional zu Schließungen oder Zusammenlegungen von Standorten. Der Unterschied: Während andere Institute konsequent auf Zentralisierung setzen, verfolgen die Sparkassen einen regional ausgerichteten Ansatz. Die dezentrale Struktur sei ein Alleinstellungsmerkmal und ein strategischer Vorteil, so Reuter.
Zwischen Tradition und Transformation
Das Festhalten an der Fläche wird deshalb nicht als rückständig, sondern als bewusste strategische Entscheidung verstanden. „Wir stehen für Stabilität, Verlässlichkeit und Nähe – gerade in einer Zeit, in der viele Menschen das Gefühl haben, dass sich alles zu schnell verändert“, sagte Reuter. Er kündigte an, dass die Sparkassen verstärkt daran arbeiten, digitale Angebote mit persönlichem Service vor Ort zu verbinden – etwa durch moderne Filialkonzepte, mobile Berater oder Videoberatung.
Der Sparkassenverband setzt darauf, dass sich dieses Modell auch wirtschaftlich rechnet – vorausgesetzt, die Kunden nutzen das Angebot weiterhin aktiv. Ein vollständiger Rückzug aus der Fläche sei jedenfalls nicht geplant. Im Gegenteil: Wenn es wirtschaftlich darstellbar sei und der Bedarf bestehe, sei auch ein Ausbau des Filialnetzes nicht ausgeschlossen.
Fazit
Während viele Wettbewerber auf Filialabbau und Digitalisierung setzen, bekennen sich die deutschen Sparkassen zur Präsenz vor Ort. Damit gehen sie einen eigenständigen Weg – zwischen Wirtschaftlichkeit und Gemeinwohlauftrag. Ob das Modell langfristig trägt, wird sich auch daran entscheiden, wie viele Kunden den persönlichen Kontakt weiterhin schätzen und aktiv nutzen.