Dark Mode Light Mode

Letzter Vorhang für eine Filmlegende – Deutsche Film- und Medienbewertung wird geschlossen

MemoryCatcher (CC0), Pixabay

Eine Ära des deutschen Films geht zu Ende: Die traditionsreiche Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) in Wiesbaden stellt zum Jahresende 2025 ihren Betrieb ein. Damit verschwindet eine Institution, die über sieben Jahrzehnte hinweg den kulturellen Stellenwert des Films in Deutschland mitgeprägt hat. Die Entscheidung wurde gemeinsam vom hessischen Ministerium für Kultur und der FBW selbst bekannt gegeben – und markiert das Ende einer besonderen Kapitelüberschrift in der Geschichte des deutschen Kinos.

Gegründet im Jahr 1951, war die FBW lange Zeit eine anerkannte Instanz in der Beurteilung von Filmkunst. Ihre Auszeichnungen – die Prädikate „wertvoll“ und „besonders wertvoll“ – galten als Qualitätsmerkmal, das Filmemacherinnen und Filmemachern zusätzliche Aufmerksamkeit und Anerkennung verschaffte. Unabhängige Jurys bewerteten Produktionen nicht nur nach handwerklichen Kriterien, sondern auch nach inhaltlicher Tiefe, künstlerischer Gestaltung und gesellschaftlicher Relevanz.

Doch die Zeiten haben sich geändert: Die Nachfrage nach solchen Prädikaten ist spürbar gesunken – und damit auch die Grundlage für das Finanzierungsmodell der Einrichtung. In einer zunehmend digitalen Medienwelt, in der Streaming-Plattformen, algorithmische Bewertungen und Nutzerbewertungen dominieren, verlieren traditionelle Gütesiegel offenbar an Bedeutung. Das führte letztlich zur Entscheidung, den Betrieb der FBW einzustellen.

Kulturpolitisch ist der Schritt nicht ohne Wehmut zu betrachten. Die FBW war nicht nur eine Bewertungsstelle, sondern auch ein Ort des Diskurses über Filmkunst und gesellschaftliche Verantwortung im Medium Kino. Ihre Schließung wirft Fragen auf: Wer bestimmt in Zukunft, was „wertvoll“ ist – und auf welcher Grundlage?

Mit dem Aus der FBW geht nicht nur eine Institution verloren, sondern auch ein Stück gelebter Filmkultur. Es bleibt zu hoffen, dass neue Formen der Qualitätsdebatte und Filmförderung entstehen, die an das anknüpfen, was die FBW über Jahrzehnte geleistet hat: Filme nicht nur zu bewerten, sondern sie in ihrer kulturellen Bedeutung sichtbar zu machen.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Familiendrama im Schwarzwald: Polizist erschießt Ex-Partnerin und sich selbst

Next Post

Wackeliges WLAN: Viele Deutsche frustriert – doch kaum jemand will mehr zahlen