Eine Bundesgrandjury hat die Wisconsin-Richterin Hannah Dugan am 13. Mai wegen Behinderung einer Bundesbehörde und Verbergens einer Person zur Verhinderung einer Festnahme angeklagt. Der Fall dreht sich um den Vorwurf, Dugan habe versucht, einen undokumentierten Einwanderer vor der Verhaftung durch die Bundesbehörden zu schützen.
Hintergrund des Falls
Der Fall begann am 18. April im Milwaukee County Courthouse, als die Bundesbehörden den 30-jährigen Eduardo Flores-Ruiz verhaften wollten. Dugan soll ihn gemeinsam mit seiner Anwältin durch eine Seitentür aus ihrem Gerichtssaal geschleust haben, nachdem sie erfahren hatte, dass Einwanderungsbeamte auf dem Flur auf ihn warteten.
Die Anklage wirft Dugan vor, die Beamten fälschlicherweise darauf hingewiesen zu haben, dass ein richterlicher Haftbefehl erforderlich sei, nicht nur ein Verwaltungsbefehl. Anschließend soll sie die Beamten in das Büro des leitenden Richters Carl Ashley geschickt haben, während sie Flores-Ruiz ohne offizielle Verhandlung durch eine nicht-öffentliche Tür hinausschleuste.
Reaktionen und Konsequenzen
Die Festnahme von Richterin Dugan am 25. April sorgte für großes Aufsehen. Während sie im Gerichtsgebäude in Handschellen abgeführt wurde, protestierten zahlreiche Menschen gegen die Festnahme. Kritiker werfen der Trump-Administration vor, den Fall zu politisieren und die Justiz anzugreifen.
Milwaukee County Chief Judge Carl Ashley äußerte sich besorgt über die Art der Verhaftung und stellte infrage, ob die Vorgehensweise verhältnismäßig war. Die Bundesbehörden hingegen betonen, dass Festnahmen in öffentlichen Gebäuden üblich seien, da die Verdächtigen dort leicht zu finden und unbewaffnet seien.
Anklage und mögliche Strafen
Die beiden Anklagepunkte – Behinderung einer Bundesbehörde und Verbergen einer Person – können eine Haftstrafe von bis zu sechs Jahren und eine Geldstrafe von 350.000 Dollar nach sich ziehen. Dugan, die seit 2016 als Richterin tätig ist, beteuert ihre Unschuld und erwartet eine vollständige Entlastung vor Gericht.
Am 15. Mai soll Dugan offiziell auf die Anklagepunkte antworten. Die öffentliche Diskussion um den Fall zeigt die wachsende Kluft zwischen der Justiz und der Einwanderungspolitik der Bundesregierung.