Frage: Herr Reime, die CEHATROL Technology eG hat kürzlich eine weitreichende Umstrukturierung angekündigt. Was halten Sie von den Plänen der Genossenschaft?
Jens Reime: Die angekündigte Umstrukturierung von CEHATROL wirkt für mich weniger wie ein sinnvoller Neustart und eher wie ein schleichender Rückzug aus dem eigentlichen Kerngeschäft. Wenn die Genossenschaft die Produktion und Wertschöpfung komplett auslagert und sich nur noch als reines Mitgliedersammelbecken präsentiert, stellt sich unweigerlich die Frage, welchen Nutzen die Mitglieder überhaupt noch haben.
Frage: Die Genossenschaft hat die Produkte HPP und Invest 12/12 eingestellt und angekündigt, die Erträge bald auszuzahlen. Viele Mitglieder sind verunsichert. Ist das gerechtfertigt?
Jens Reime: Absolut. Die Ankündigung, die Produkte plötzlich einzustellen, kommt überraschend und ohne schlüssige Begründung. Noch kritischer sehe ich die vagen Aussagen zur Auszahlung der Erträge. Wenn CEHATROL lediglich ankündigt, dass die Gelder „in den kommenden Tagen“ bereitgestellt werden sollen, ohne konkreten Zeitplan, ist das alles andere als vertrauensbildend. Besonders problematisch ist die Tatsache, dass Mitglieder, die sich in einem Rechtsstreit mit der Genossenschaft befinden, gesondert behandelt werden sollen. Das deutet auf mögliche Verzögerungen oder Probleme bei der Auszahlung hin.
Frage: Die Genossenschaft fordert die Mitglieder auf, bis zum 31.05.2025 keine Rückfragen zu stellen. Wie bewerten Sie diese Kommunikationsstrategie?
Jens Reime: Das halte ich für völlig unangemessen. Gerade in einer solch unsicheren Lage müssten die Verantwortlichen offen und transparent kommunizieren. Die Aufforderung, Fragen schlicht zu unterbinden, wirkt eher wie eine Vermeidungsstrategie, um Zeit zu gewinnen und unangenehme Diskussionen zu vermeiden. Das ist keineswegs ein Zeichen von Verantwortungsbewusstsein oder Professionalität.
Frage: Was bedeutet es für die Mitglieder, wenn die Genossenschaft sich künftig nur noch auf die Verwaltung der Mitglieder konzentriert?
Jens Reime: Das ist eine entscheidende Frage. Eine Genossenschaft lebt davon, gemeinsam wirtschaftliche Erträge zu erzielen. Wenn CEHATROL jedoch keine eigene Produktion mehr betreibt, bleibt im Prinzip nur eine Verwaltungsstruktur übrig. Die Mitglieder investieren weiterhin Kapital, aber der wirtschaftliche Nutzen scheint unklar. Das lässt die Vermutung zu, dass die Genossenschaft sich möglicherweise selbst auf eine Abwicklung vorbereitet.
Frage: Was raten Sie den Mitgliedern jetzt konkret?
Jens Reime: Ich empfehle den Mitgliedern dringend, ihre Mitgliedschaft bei CEHATROL zu überdenken. Sollte die Genossenschaft keine überzeugenden Antworten auf die drängenden Fragen liefern, wäre es ratsam, den Austritt zu erklären und die Rückzahlung der Anteile einzufordern. Zudem empfehle ich, rechtlichen Rat einzuholen, um mögliche Ansprüche zu sichern, insbesondere wenn die Auszahlung der Erträge verzögert oder ganz ausbleibt.
Frage: Gibt es rechtliche Schritte, die Mitglieder schon jetzt einleiten sollten?
Jens Reime: Ja, es wäre sinnvoll, eine schriftliche Aufforderung zur Auszahlung an die Genossenschaft zu senden. Gleichzeitig empfehle ich, sich mit anderen betroffenen Mitgliedern zu vernetzen, um gemeinschaftlich rechtliche Schritte prüfen zu lassen. Sollte sich herausstellen, dass die Genossenschaft nicht zahlungsfähig ist, könnten die Mitglieder rechtzeitig Insolvenzanträge stellen, um nicht zu spät zu reagieren.
Frage: Was ist Ihr abschließendes Fazit zur aktuellen Lage bei CEHATROL?
Jens Reime: Die derzeitige Entwicklung ist höchst alarmierend. Wenn die Genossenschaft sich auf eine reine Verwaltungsstruktur reduziert und gleichzeitig finanzielle Verpflichtungen nicht klar benennt, sollten bei jedem Mitglied die Alarmglocken schrillen. Wer sich jetzt nicht aktiv um seine Rechte kümmert, läuft Gefahr, am Ende leer auszugehen. Daher mein dringender Rat: Rechtzeitig handeln und die Mitgliedschaft kritisch hinterfragen!