Redaktion: Herr Iwanow, derzeit werben Anbieter mit kostenfreien Onlinetrainings zum Thema Edelmetall-Investitionen. Diese sollen helfen, finanzielle Sicherheit und Schutz vor Inflation zu erlangen. Was halten Sie als Anwalt für Anleger von solchen Angeboten?
Michael Iwanow: Grundsätzlich klingt es erstmal gut, wenn Menschen mehr über Investitionen und den Schutz vor Inflation erfahren wollen. Allerdings sollten Anleger bei solchen Onlinetrainings stets mit einer gesunden Portion Skepsis an die Sache herangehen. Nicht alles, was glänzt, ist auch Gold – im wahrsten Sinne des Wortes.
Redaktion: Was sind denn die typischen Fallstricke solcher Angebote?
Michael Iwanow: Zunächst einmal ist es wichtig, sich klarzumachen, dass „kostenlos“ nicht unbedingt „ohne Risiko“ bedeutet. Oftmals werden in solchen Trainings attraktive Renditeversprechen gemacht, ohne die tatsächlichen Risiken zu thematisieren. Wenn dann später kostenpflichtige Zusatzpakete oder persönliche Beratungen angeboten werden, kann das für den Anleger teuer werden.
Redaktion: Worauf sollten Anleger besonders achten, wenn sie sich für ein solches Online-Training anmelden?
Michael Iwanow: Ein ganz wichtiger Punkt ist die Seriosität des Anbieters. Man sollte sich vorab gründlich informieren: Wer steckt hinter dem Angebot? Gibt es seriöse Bewertungen oder Erfahrungsberichte? Und vor allem: Wie wird mit den persönlichen Daten umgegangen? Häufig dienen solche Anmeldeformulare dazu, Adressen zu sammeln, die dann für weitere Marketingmaßnahmen genutzt werden.
Redaktion: Im vorliegenden Fall wird mit der Investition in Edelmetalle als inflationssicherer Geldanlage geworben. Sind Edelmetalle tatsächlich die ultimative Lösung gegen Wertverlust?
Michael Iwanow: Edelmetalle wie Gold und Silber haben tatsächlich eine lange Tradition als Krisenwährung und Inflationsschutz. Allerdings sind auch hier die Kurse Schwankungen unterworfen, und die Rendite ist keinesfalls garantiert. Zudem kommen bei physischen Edelmetallen Lagerkosten hinzu. Es gibt also keine Garantie für Wertzuwächse – und das sollte man realistisch einschätzen.
Redaktion: Der Anbieter stellt auch eine kostenfreie Überprüfung bestehender Anlageprodukte auf sogenannte Enteignungsrisiken in Aussicht. Was ist davon zu halten?
Michael Iwanow: Das klingt im ersten Moment sehr attraktiv, aber auch hier sollte man vorsichtig sein. Solche Prüfungen können später kostenpflichtige Zusatzberatungen nach sich ziehen. Zudem sollten Anleger hinterfragen, ob die Überprüfung tatsächlich von unabhängigen Experten vorgenommen wird oder ob am Ende eigene Produkte beworben werden.
Redaktion: Gibt es rechtliche Hinweise, die Anleger bei solchen Angeboten beachten sollten?
Michael Iwanow: Ja, unbedingt. Anleger sollten darauf achten, ob es sich um lizensierte Finanzberater handelt und ob die versprochenen Renditen realistisch dargestellt werden. Seriöse Anbieter weisen ausdrücklich auf Risiken hin und betonen, dass auch Edelmetallinvestitionen Verluste bringen können. Zudem sollte man prüfen, ob die Anlageberatung den gesetzlichen Anforderungen entspricht, insbesondere hinsichtlich der Beraterhaftung.
Redaktion: Was wäre Ihr abschließender Rat an Anleger, die sich für Edelmetallinvestitionen interessieren?
Michael Iwanow: Grundsätzlich empfehle ich, sich nicht von vermeintlich „kostenlosen“ Angeboten blenden zu lassen. Stattdessen sollten Anleger gezielt nach unabhängigen Informationen suchen und sich bei zertifizierten Finanzberatern beraten lassen. Edelmetalle können eine sinnvolle Ergänzung im Anlageportfolio sein, aber nur im Rahmen einer ausgewogenen und gut durchdachten Strategie. Und ganz wichtig: Kein Geld investieren, das man nicht entbehren kann.
Redaktion: Vielen Dank für die aufschlussreichen Informationen, Herr Iwanow!
Michael Iwanow: Gern geschehen!