Mit dem Tod von Papst Franziskus richtet sich der Blick der katholischen Welt auf das nächste Konklave – jenes geheime Treffen der Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle, das über den künftigen Papst entscheidet. Rund 1,4 Milliarden Katholikinnen und Katholiken weltweit warten gespannt. Doch diesmal ist das Rennen offener und unvorhersehbarer als je zuvor.
Rund 80 % der wahlberechtigten Kardinäle wurden von Franziskus selbst ernannt. Dennoch ist das Kollegium nicht eindeutig progressiv oder konservativ geprägt – und zum ersten Mal in der Geschichte stammt weniger als die Hälfte der wahlberechtigten Kardinäle aus Europa. Das öffnet die Tür für eine historische Wahl: einen Papst aus Afrika, Asien oder Amerika.
Kardinal Pietro Parolin (70, Italien)
Als ehemaliger vatikanischer Staatssekretär gilt Parolin als enger Vertrauter von Franziskus. Er ist erfahren in Diplomatie und Kirchenverwaltung – jedoch auch bekannt für konservative Äußerungen, etwa zur gleichgeschlechtlichen Ehe. Als Italiener hat er Tradition auf seiner Seite, doch die Zeit für einen europäischen Papst scheint vorbei.
Kardinal Luis Antonio Tagle (67, Philippinen)
Der „asiatische Franziskus“ steht für Mitgefühl, soziale Gerechtigkeit und Nähe zum Volk. Er sprach sich für mehr Barmherzigkeit gegenüber homosexuellen Menschen, Geschiedenen und Alleinerziehenden aus – bei gleichzeitiger Ablehnung von Abtreibung und Euthanasie. Tagle wäre der erste asiatische Papst.
Kardinal Fridolin Ambongo (65, DR Kongo)
Ein starker Kandidat aus Afrika: konservativ in moralischen Fragen, zugleich ein engagierter Verfechter religiöser Vielfalt. Als Erzbischof von Kinshasa erlebt er den Glauben im Kontext von Verfolgung und Armut – Erfahrungen, die seine Stimme weltweit bedeutend machen.
Kardinal Peter Turkson (76, Ghana)
Bereits 2013 gehandelt, wäre er der erste afrikanische Papst seit über 1.500 Jahren. Turkson gilt als konservativ, hat sich aber gegen die Kriminalisierung von Homosexualität in Afrika ausgesprochen. Seine Offenheit und Weltgewandtheit machen ihn zu einem global anschlussfähigen Kandidaten.
Kardinal Peter Erdo (72, Ungarn)
Ein Kompromisskandidat mit starken europäischen Verbindungen, aber auch gut vernetzt in Afrika. Seine konservative Haltung zu Migration und Familie könnte ihm Sympathien bei traditionellen Kräften sichern.
Ob es ein Progressiver oder Konservativer wird, ein Europäer oder jemand vom globalen Süden – das nächste Konklave wird ein historisches. Und wie ein altes Sprichwort sagt: „Wer als Papst ins Konklave geht, kommt als Kardinal wieder heraus.“ Sicher ist: Die Entscheidung wird weitreichende Folgen für die Zukunft der katholischen Kirche haben.