Der Vorsitzende der US-Notenbank (Federal Reserve), Jerome Powell, hat am Mittwoch seine bislang deutlichste Warnung zu den wirtschaftlichen Risiken der umfassenden Zollpolitik von Ex-Präsident Donald Trump ausgesprochen. In einer Rede vor dem Economic Club of Chicago erklärte Powell, dass die Maßnahmen die US-Wirtschaft in eine bedrohliche Lage bringen könnten – mit wachsender Arbeitslosigkeit, steigender Inflation und schwächerem Wachstum gleichzeitig.
„Wir betreten hier wirtschaftspolitisches Neuland“, sagte Powell. „Die derzeit angekündigten Zollerhöhungen übersteigen alle bisherigen Erwartungen – sowohl in ihrem Ausmaß als auch in ihrer Unberechenbarkeit.“
Während Powell sprach, brachen die US-Börsen ein: Der Dow Jones verlor 700 Punkte (-1,7 %), der S&P 500 sank um 2,5 %, der technologielastige Nasdaq sogar um 3,5 %. Hintergrund ist die Unsicherheit über die weiteren wirtschaftlichen Auswirkungen der Trump-Zölle, insbesondere nach der befristeten Einführung sogenannter „Reziprozitätszölle“ am 9. April, die Trump jedoch bis Juli ausgesetzt hat.
Fed in der Zwickmühle: Inflation oder Rezession – oder beides?
Die Federal Reserve verfolgt traditionell zwei Hauptziele: Preisstabilität und maximale Beschäftigung. Doch laut Powell geraten beide Ziele durch die Zollpolitik zunehmend in Konflikt. „Wir könnten in eine Lage geraten, in der unsere beiden Mandate miteinander in Spannung stehen“, sagte er.
Schon jetzt sieht sich die Fed mit der Gefahr einer sogenannten Stagflation konfrontiert – einer seltenen Kombination aus wirtschaftlicher Stagnation und hoher Inflation. Diese trat zuletzt in den 1970er- und frühen 1980er-Jahren auf, als die Zentralbank unter Paul Volcker radikale Zinserhöhungen durchführte, um die Inflation einzudämmen – auf Kosten von Wachstum und Beschäftigung.
Auch Austan Goolsbee, Präsident der Federal Reserve Bank of Chicago, verglich Trumps Zölle mit einem negativen Angebotsschock: „Preise steigen, Jobs gehen verloren, das Wachstum sinkt – das ist der Albtraum für jede Zentralbank.“
Trump-Zölle treffen Verbraucher direkt
Entgegen Trumps Behauptung, andere Länder würden die Zölle zahlen, stellte Powell klar: „Ein Großteil der Kosten wird letztlich von der US-Öffentlichkeit getragen.“ Schon jetzt würden sich höhere Importpreise bemerkbar machen – etwa bei Autos, Elektronik und Konsumgütern. Auch mit weiteren Preissteigerungen sei zu rechnen, sollten zusätzliche Zölle – beispielsweise auf Medikamente, Halbleiter oder Bauholz – in Kraft treten.
Insgesamt hat Trump unter anderem folgende Maßnahmen erlassen:
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25 % Zoll auf Stahl und Aluminium
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25 % auf bestimmte Importe aus Kanada und Mexiko
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145 % Strafzoll auf Importe aus China
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25 % auf Autos, weitere Zölle auf Autoteile geplant
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10 % Basiszoll auf alle US-Importe
Fed bleibt vorerst zurückhaltend
Trotz der wachsenden Risiken sieht Powell derzeit keinen unmittelbaren Handlungsbedarf: „Unsere beste Strategie im Moment ist es, abzuwarten, wie die Daten sich entwickeln.“ Eine Zinssenkung, um das Wachstum kurzfristig zu stützen, sei angesichts der immer noch leicht über dem Ziel liegenden Inflation nicht gerechtfertigt.
Auch andere führende Mitglieder der Fed – darunter Beth Hammack von der Federal Reserve Bank of Cleveland – betonen die Bedeutung datengestützter Entscheidungen. „Die Risiken durch steigende Inflation und einen schwächelnden Arbeitsmarkt müssen in Balance gehalten werden“, so Hammack. „In Zeiten begrenzter Klarheit ist Geduld ein wertvolles Werkzeug.“
Fazit
Die Warnungen der US-Notenbank zeigen: Die wirtschaftspolitischen Entscheidungen des früheren Präsidenten haben das Potenzial, die amerikanische Wirtschaft in eine Phase tiefer Unsicherheit zu stürzen. Zwar ist die Konjunktur derzeit noch stabil, doch das Risiko eines Rückgangs wächst – und mit ihm die Sorge vor einem wirtschaftlichen Rückschlag, wie es ihn seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben hat.