Interviewer: Frau Bontschev, viele Immobilienkäuferinnen und -käufer sehen sich aktuell mit deutlich höheren Zinsen für ihre Anschlussfinanzierung konfrontiert. Warum ist es so wichtig, sich frühzeitig damit auseinanderzusetzen?
RA’in Bontschev: Weil es um Planungssicherheit geht – und um bares Geld. Wer seine Finanzierung vor zehn oder fünfzehn Jahren abgeschlossen hat, profitierte oft von sehr günstigen Zinsen. Jetzt, zum Zeitpunkt der Anschlussfinanzierung, sind die Konditionen meist deutlich schlechter. Wer nicht rechtzeitig reagiert, riskiert höhere monatliche Raten oder eine längere Rückzahlungsdauer. Für viele Haushalte kann das schnell zur finanziellen Belastung werden.
Interviewer: Die BaFin weist in einer aktuellen Information darauf hin, dass manche Betroffene sogar Absagen auf Kreditanfragen erhalten haben. Wie schätzen Sie das ein?
RA’in Bontschev: Das ist keine Seltenheit mehr. Wenn sich zum Beispiel das Einkommen verändert hat oder die Bonität nicht mehr ausreicht, sind Banken bei der Anschlussfinanzierung deutlich zurückhaltender. Deshalb ist es so wichtig, sich frühzeitig zu informieren, verschiedene Angebote einzuholen und nicht auf den letzten Drücker zu handeln. Je früher man aktiv wird, desto größer sind die Handlungsspielräume.
Interviewer: Welche rechtlichen Risiken gibt es in diesem Zusammenhang?
RA’in Bontschev: Ein typischer Fehler ist, das sogenannte Prolongationsangebot der Bank – also das neue Zinsangebot – einfach zu unterschreiben, ohne zu prüfen, ob es wirklich marktgerecht ist. Auch bei Umschuldungen können rechtliche Fragen auftauchen: zum Beispiel zu Vorfälligkeitsentschädigungen, Grundschuldabtretungen oder Vertragslaufzeiten. Es gibt viele Feinheiten, bei denen juristischer Rat helfen kann, unnötige Kosten zu vermeiden.
Interviewer: Welche Empfehlungen geben Sie konkret?
RA’in Bontschev: Spätestens zwei Jahre vor Ablauf der Zinsbindung sollte man sich aktiv mit dem Thema beschäftigen. Dazu gehört, die eigene finanzielle Lage ehrlich zu analysieren, sich über die Zinsentwicklung zu informieren, Beratungstermine zu vereinbaren und verschiedene Kreditangebote zu vergleichen. Auch ein Forward-Darlehen kann sinnvoll sein, um sich frühzeitig Zinsen zu sichern. Wer unsicher ist, sollte nicht zögern, sich professionelle Unterstützung zu holen – das schützt vor teuren Fehlern.
Interviewer: Vielen Dank für das Gespräch.