In Hamburg beginnt am Donnerstag die groß angelegte zivil-militärische Übung „Red Storm Charlie“. Bis Samstag trainiert die Bundeswehr gemeinsam mit Behörden, Hilfsorganisationen und Unternehmen verschiedene Szenarien für einen möglichen Spannungs- oder Verteidigungsfall.
Für die Bevölkerung wird die Übung teilweise sichtbar und hörbar sein. Mehr als 70 teils gepanzerte Militärfahrzeuge sollen im Stadtgebiet unterwegs sein. Außerdem sind Hubschrauberflüge vorgesehen. Viele Fahrzeugbewegungen sollen zwar nachts stattfinden, dennoch wird die Übung auch tagsüber im Hamburger Stadtbild auffallen.
Insgesamt beteiligen sich rund 500 Soldatinnen und Soldaten sowie etwa 60 Organisationen an „Red Storm Charlie“.
Drohnenangriff auf einen Konvoi wird simuliert
Die Großübung läuft vom 24. bis 26. September 2026 und beginnt am Donnerstagnachmittag mit einem anspruchsvollen Szenario.
Geplant ist ein simulierter Drohnenangriff auf einen Konvoi. Gleichzeitig soll der Umgang mit einer Gruppe Demonstrierender trainiert werden.
In den folgenden Übungsszenarien geht es außerdem um Stromausfälle, einen Chemieunfall und die gleichzeitige Versorgung einer größeren Zahl von Verletzten.
Damit sollen nicht nur militärische Abläufe trainiert werden. Ein wesentlicher Bestandteil der Übung ist das Zusammenspiel zwischen Bundeswehr und zivilen Organisationen.
Polizei, Feuerwehr und THW machen mit
Neben den rund 500 Bundeswehrangehörigen beteiligen sich zahlreiche zivile Akteure.
Zu den insgesamt etwa 60 teilnehmenden Organisationen gehören unter anderem Polizei, Feuerwehr und Technisches Hilfswerk (THW). Auch der Hamburg Airport und die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) sind beteiligt.
Gerade diese Zusammenarbeit steht im Zentrum der Übung.
Trainiert werden soll, wie Truppen und Material über Hamburg in Richtung Osten transportiert werden könnten und welche Unterstützung ziviler Stellen dafür notwendig wäre.
Die dabei erprobten Abläufe sollen für einen möglichen Spannungs- oder Verteidigungsfall verbessert werden.
Hamburg als Drehscheibe für Truppen und Material
Die Übung verdeutlicht damit auch die logistische Bedeutung Hamburgs.
Es geht nicht ausschließlich darum, wie militärische Einheiten innerhalb der Stadt agieren. Vielmehr soll praktisch erprobt werden, wie Hamburg als Verkehrsknotenpunkt für den Weitertransport von Personal und Material genutzt werden könnte.
Dabei entstehen zahlreiche Schnittstellen zwischen militärischen und zivilen Strukturen.
Genau diese Abläufe sollen während „Red Storm Charlie“ getestet werden: Wer übernimmt welche Aufgaben? Wie funktioniert die Kommunikation zwischen den beteiligten Stellen? Und welche zivile Infrastruktur wird benötigt, wenn innerhalb kurzer Zeit größere Mengen an Material und Personal bewegt werden müssen?
Mehr als 70 Militärfahrzeuge im Stadtgebiet
Für Hamburgerinnen und Hamburger dürfte vor allem der sichtbare Teil der Übung auffallen.
Mehr als 70 militärische Fahrzeuge, darunter auch gepanzerte Fahrzeuge, sollen während der drei Übungstage in der Stadt unterwegs sein.
Ein Teil der Fahrten findet nachts statt. Hinzu kommen Hubschrauberflüge.
Damit müssen sich die Menschen in verschiedenen Teilen Hamburgs zwischen Donnerstag und Samstag auf ungewöhnlich starke militärische Präsenz einstellen.
Bereits die dritte Übung dieser Art
„Red Storm Charlie“ ist keine einmalige Veranstaltung.
Hamburg ist bereits das dritte Jahr in Folge Schauplatz einer solchen Übung. In den beiden Vorjahren fanden die Übungen unter den Namen „Red Storm Alpha“ und „Red Storm Bravo“ statt.
Auch 2027 soll die Übungsreihe fortgesetzt werden.
Damit entwickelt sich das gemeinsame Training von Bundeswehr, Behörden, Hilfsorganisationen und Unternehmen zu einem wiederkehrenden Format.
Kritik an „Red Storm Charlie“
Die Übung stößt allerdings nicht nur auf Zustimmung.
Kritikerinnen und Kritiker sehen darin eine zunehmende beziehungsweise „schleichende Militarisierung“ der Gesellschaft. Gegen „Red Storm Charlie“ sind deshalb auch Protestveranstaltungen angekündigt.
Das Bündnis „Kein NATO-Hafen“ hat für Samstag zu einer Demonstration unter dem Motto „Nein zum Kriegsmanöver Red Storm Charlie! Ja zu sozialem Fortschritt!“ aufgerufen.
Unterstützt wird das Bündnis den Angaben zufolge unter anderem von Initiativen der Friedensbewegung, Jugendverbänden und Gewerkschaften.
Demonstration führt durch die Hamburger Innenstadt
Der Protestmarsch soll am Samstag um 14 Uhr am Jungfernstieg beginnen.
Von dort soll die Demonstration durch die Hamburger Innenstadt bis zu den Landungsbrücken führen.
Bereits am Donnerstagnachmittag ist am Jungfernstieg außerdem ein Konzert für den Frieden angekündigt.
Damit wird die dreitägige Militärübung von öffentlichen Protesten begleitet. Während Bundeswehr und beteiligte Organisationen die Zusammenarbeit für mögliche Krisen- und Verteidigungsszenarien trainieren, wenden sich die Kritiker gegen die stärkere Präsenz militärischer Strukturen im zivilen Umfeld.
Drei Tage Ausnahmebetrieb
Bis Samstag werden in Hamburg damit ungewöhnliche Bilder zum Stadtgeschehen gehören: Militärkonvois, gepanzerte Fahrzeuge und Hubschrauber treffen auf Einsatzkräfte und zivile Organisationen.
Im Mittelpunkt von „Red Storm Charlie“ steht dabei nicht ein einzelnes Szenario. Trainiert werden unterschiedliche Situationen – vom simulierten Drohnenangriff über einen Chemieunfall und Stromausfälle bis hin zur Versorgung zahlreicher Verletzter.
Vor allem aber soll erprobt werden, wie militärische und zivile Stellen zusammenarbeiten, wenn Hamburg als Drehscheibe für den Transport von Truppen und Material genutzt werden müsste.
Während Bundeswehr und beteiligte Organisationen darin eine Vorbereitung auf einen möglichen Spannungs- oder Verteidigungsfall sehen, begleiten Kritiker die Übung mit Protesten gegen eine aus ihrer Sicht zunehmende Militarisierung.
Bis Samstag werden damit in Hamburg nicht nur militärische Abläufe trainiert. „Red Storm Charlie“ macht zugleich eine gesellschaftliche Debatte sichtbar, die weit über die eigentlichen drei Übungstage hinausgeht.