Die Festnahme des 48-Jährigen war offenbar nur der Anfang. Während die Ermittler sein Wohnmobil durchsuchten, stießen sie auf Unterlagen, die dem Fall eine völlig neue Dimension geben. Nach Angaben von Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul finden sich darin gut 160 potenzielle Anschlagsziele.
Eine Zahl, die alarmiert. Denn dem Mann wird nicht lediglich vorgeworfen, sich theoretisch mit Sabotage beschäftigt zu haben. Er soll bereits in der vergangenen Woche mehrere Anschläge auf Stromnetze in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen verübt haben.
Erst in dieser Woche gelang es der Polizei, den Verdächtigen zu fassen.
Sieben geheime Lager – an drei Orten werden Ermittler fündig
Nach seiner Festnahme folgte die nächste überraschende Wendung. Der 48-Jährige soll dem Haftrichter sieben weitere Orte genannt haben, die er als Lager genutzt hatte.
Die Ermittler machten sich auf die Suche – und wurden an drei dieser Stellen tatsächlich fündig.
Was dort im Einzelnen entdeckt und sichergestellt wurde, geht aus den bislang vorliegenden Angaben nicht hervor. Gerade diese Funde könnten für die Ermittlungen jedoch entscheidend werden. Die Polizei dürfte nun untersuchen, ob sich daraus Verbindungen zu bereits begangenen Taten oder Hinweise auf mögliche weitere Vorbereitungen ergeben.
Was steckt hinter der Liste?
Im Zentrum steht jetzt vor allem die Liste aus dem Wohnmobil.
Mehr als 160 notierte Orte bedeuten allerdings noch nicht, dass ebenso viele Anschläge konkret geplant waren. Die Ermittler müssen nun Eintrag für Eintrag überprüfen: Warum interessierte sich der Mann für diese Orte? Hatte er sie bereits ausgekundschaftet? Gibt es weitere Aufzeichnungen oder Materialien? Und wie konkret waren mögliche Vorbereitungen?
Genau diese Fragen dürften die Ermittlungen in den kommenden Tagen bestimmen.
Stromnetze als empfindliches Ziel
Der Fall ist auch deshalb brisant, weil sich die bisherigen Vorwürfe gegen einen besonders sensiblen Bereich richten. Stromnetze gehören zur kritischen Infrastruktur. Sabotage kann deshalb nicht nur einzelne Anlagen beschädigen, sondern im schlimmsten Fall zahlreiche Haushalte, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen beeinträchtigen.
Sollten sich unter den mehr als 160 notierten Orten weitere Einrichtungen der Energieversorgung befinden, dürfte deshalb auch die Frage nach deren Schutz eine wichtige Rolle spielen.
War der Verdächtige allein?
Mit der Entdeckung der Lagerorte und der umfangreichen Aufzeichnungen rückt zudem eine weitere Frage in den Mittelpunkt: Hat der 48-Jährige tatsächlich allein gehandelt?
Aus den bisher bekannten Angaben ergibt sich kein Nachweis für mögliche Mittäter. Gerade deshalb dürfte die Polizei nun Kontakte, Kommunikationswege und sichergestellte Unterlagen genau auswerten.
Die Ermittler stehen damit möglicherweise erst am Anfang der Aufarbeitung. Aus einem Fall mehrerer mutmaßlicher Sabotageakte ist eine Untersuchung geworden, bei der plötzlich mehr als 160 potenzielle Ziele und sieben zusätzliche Lagerorte im Raum stehen.