Der Hackerangriff auf die Berliner Verwaltung nimmt immer größere Dimensionen an. Nach einem Erpressungsversuch sind Millionen Dateien aus der Verwaltung im Darknet veröffentlicht worden. Die Angreifer sollen mehrere Terabyte Daten erbeutet haben.
Besonders brisant: Unter den veröffentlichten Informationen sollen sich auch Zugangsdaten von Behördenmitarbeitern befinden. Noch wird untersucht, welche Bürgerinnen und Bürger, Beschäftigten sowie Unternehmen konkret betroffen sind.
Nach bisherigen Erkenntnissen könnten unter anderem Kontaktdaten, Verträge, E-Mail-Adressen und weitere sensible Informationen in die Hände der Angreifer gelangt sein.
Nach dem Datendiebstahl beginnt die nächste Gefahr
Das eigentliche Risiko endet nicht mit der Veröffentlichung der Daten. Gestohlene persönliche Informationen können von Kriminellen für weitere Angriffe verwendet werden.
Denkbar sind insbesondere Phishing-Mails, Identitätsdiebstahl und gezielte Betrugsversuche.
Dabei können echte persönliche Daten einen Betrugsversuch besonders glaubwürdig machen. Kennt ein Täter beispielsweise Namen, E-Mail-Adresse oder Vertragsinformationen seines Opfers, lassen sich gefälschte Nachrichten wesentlich individueller gestalten.
Eine angebliche Nachricht einer Behörde kann dadurch auf den ersten Blick täuschend echt erscheinen.
Vorsicht vor angeblichen Behörden-Mails
Besondere Aufmerksamkeit ist deshalb bei unerwarteten E-Mails und SMS geboten.
Misstrauisch machen sollten vor allem Zahlungsaufforderungen, Links zu Login-Seiten sowie Nachrichten mit angeblich dringenden Fristen. Unbekannte Anhänge sollten ebenfalls nicht vorschnell geöffnet werden.
Das gilt auch dann, wenn eine Nachricht persönliche Informationen enthält. Dass ein Absender den richtigen Namen oder andere Daten kennt, beweist nach einem solchen Datenleck nicht, dass die Nachricht tatsächlich von einer Behörde stammt.
Passwörter überprüfen
Wer befürchtet, betroffen zu sein, sollte insbesondere mehrfach verwendete Passwörter überprüfen und gegebenenfalls ändern.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen dabei E-Mail-Konten, Online-Banking, Kundenkonten sowie Gesundheits- und Versicherungsportale.
Zusätzlichen Schutz bietet eine Zwei-Faktor-Authentifizierung. Selbst wenn Kriminelle ein Passwort erbeutet haben, benötigen sie dann für eine Anmeldung noch einen zweiten Faktor.
Auch Konten und Kreditkarten beobachten
Die Folgen eines großen Datenlecks müssen nicht unmittelbar sichtbar werden.
Gestohlene Informationen können auch Wochen oder Monate später für Betrugsversuche eingesetzt werden. Betroffene sollten deshalb ihre Bankkonten, Kreditkarten und Online-Bezahldienste aufmerksam beobachten und unbekannte Abbuchungen schnell überprüfen.
Auch ein Blick auf die eigenen Bonitätsdaten kann sinnvoll sein. Mit gestohlenen personenbezogenen Informationen können Kriminelle versuchen, Verträge abzuschließen oder Konten unter fremdem Namen zu eröffnen.
Das ganze Ausmaß ist noch nicht bekannt
Wie groß der Schaden tatsächlich ist, lässt sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen.
Die Behörden untersuchen weiterhin, welche Daten konkret abgeflossen sind und welche Personen betroffen sein könnten.
Deshalb wäre es falsch, aus der großen Zahl veröffentlichter Dateien abzuleiten, dass automatisch sämtliche Berlinerinnen und Berliner betroffen sind.
Die Dimension des Vorfalls zeigt jedoch, welches Risiko erfolgreiche Cyberangriffe auf öffentliche Verwaltungen darstellen können. Behörden verarbeiten neben internen Dokumenten große Mengen personenbezogener Informationen.
Die zweite Angriffswelle könnte erst noch kommen
Für möglicherweise Betroffene beginnt deshalb nach dem eigentlichen Hackerangriff eine besonders kritische Phase.
Die entscheidende Frage lautet nun: Was geschieht mit den gestohlenen Daten?
Phishing, gefälschte Behördenkontakte und Identitätsmissbrauch können noch lange nach dem ursprünglichen Cyberangriff auftreten.
Bis genauer bekannt ist, welche Datenbestände betroffen sind, sollten Bürger, Beschäftigte und Unternehmen ungewöhnliche Nachrichten, Anrufe und Zahlungsaufforderungen besonders kritisch prüfen.
Denn der gefährlichste Teil eines großen Datenlecks kann erst danach beginnen: wenn echte persönliche Informationen zur Grundlage für den nächsten Betrugsversuch werden.