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Neue Betrugsmasche auf Instagram: Erpresser nutzen falsche Urheberrechtsbeschwerden

kalhh (CC0), Pixabay

Eine besonders perfide Betrugsmasche trifft derzeit Nutzer und Content-Creator auf Instagram. Statt Passwörter mit klassischen Phishing-Mails zu stehlen, setzen die Täter an einem ganz anderen Punkt an: Sie reichen offenbar falsche Urheberrechtsbeschwerden gegen Instagram-Beiträge ein und verlangen anschließend Geld dafür, diese wieder zurückzunehmen.

Für Betroffene kann das erhebliche Folgen haben. Wiederholte Copyright-Meldungen können dazu führen, dass Inhalte verschwinden oder Accounts vorübergehend gesperrt werden. Wer mit Instagram sein Geld verdient, riskiert dadurch nicht nur seine Reichweite, sondern möglicherweise auch Werbeeinnahmen und Kooperationen.

Erst die Beschwerde – dann kommt die Geldforderung

Das Vorgehen folgt einem einfachen Prinzip.

Zunächst wird ein Instagram-Beitrag wegen einer angeblichen Urheberrechtsverletzung gemeldet. Die Person hinter der Meldung behauptet dabei, Rechteinhaber zu sein oder für einen solchen zu handeln.

Nach der Beschwerde nehmen die mutmaßlichen Erpresser Kontakt mit den betroffenen Account-Betreibern auf. Teilweise sollen diese Gespräche anschließend auf den Messenger Telegram verlagert werden.

Dann folgt die entscheidende Forderung: Geld gegen Rücknahme der Copyright-Beschwerde.

Die Täter nutzen damit ausgerechnet ein System, das eigentlich dem Schutz geistigen Eigentums dienen soll, als Druckmittel gegen Account-Inhaber.

Creator mit 1,5 Millionen Followern betroffen

Wie problematisch die Masche werden kann, zeigt der Fall des Instagram-Accounts „Lost in Time History“, der historische Bilder veröffentlicht und mehr als 1,5 Millionen Follower hat.

Dessen Betreiber berichtete, allein 2026 bereits Dutzende seiner Ansicht nach offensichtlich falsche Copyright-Beschwerden erhalten zu haben. Nach seinen Angaben verlangten die Absender anschließend üblicherweise einige Hundert Dollar für die Rücknahme der Beschwerden.

Schließlich zahlte der Betreiber nach eigener Darstellung 50 US-Dollar in Kryptowährung, nachdem sein Account vorübergehend deaktiviert worden war. Er habe die Zahlung als letzten Ausweg betrachtet, weil ein reguläres Einspruchsverfahren Wochen dauern könne.

Doch die Zahlung brachte keine dauerhafte Ruhe.

Kurz danach trafen den Account erneut Copyright-Beschwerden.

Damit zeigt der Fall auch, warum Lösegeldzahlungen besonders problematisch sind: Selbst wenn eine einzelne Beschwerde zurückgenommen wird, gibt es keine Garantie, dass die Täter anschließend aufhören.

Tausende Euro Einnahmen können auf dem Spiel stehen

Für große Instagram-Accounts geht es dabei um weit mehr als die vorübergehende Nichterreichbarkeit eines Profils.

Der Betreiber von „Lost in Time History“ erklärte, frühere Sperren hätten ihn bereits Tausende an entgangenen Einnahmen gekostet. Nach wiederholten Copyright-Meldungen sei sein Account zudem demonetarisiert worden, sodass er mit erfolgreichen Beiträgen kein Geld mehr verdienen konnte.

Auch ein weiterer Creator berichtete von wirtschaftlichen Schäden. Abin Tom Sebastian, Betreiber des Accounts „Morbid Kuriosity“, erklärte, wichtige Markenkooperationen seien verloren gegangen, weil Unternehmen während der Probleme mit seinem Account andere Creator ausgewählt hätten.

Für Influencer, Medienangebote und Unternehmen kann eine Accountsperre damit schnell zu einem echten Geschäftsrisiko werden.

Warum die Masche funktionieren kann

Das Problem liegt offenbar auch im Umgang mit eingehenden Copyright-Meldungen.

Dem Bericht zufolge wird die Echtheit einer Beschwerde bei deren Einreichung nicht grundsätzlich überprüft. Wiederholte Meldungen können deshalb dazu führen, dass ein Konto zeitweise deaktiviert wird.

Instagram selbst weist darauf hin, dass eigentlich nur Rechteinhaber oder von ihnen autorisierte Vertreter Urheberrechtsverletzungen melden dürfen.

Die mutmaßlichen Täter setzen jedoch genau darauf, dass zwischen einer Beschwerde und ihrer endgültigen Klärung Zeit vergeht.

Für einen privaten Account mag eine vorübergehende Sperre hauptsächlich ärgerlich sein. Für jemanden, dessen Einkommen von Instagram abhängt, kann jeder Tag ohne Account finanzielle Verluste bedeuten.

Das verschafft den Erpressern ein wirkungsvolles Druckmittel.

Bis zu 900 Dollar für die Rücknahme einer Beschwerde

Die BBC nahm nach eigenen Angaben Kontakt mit drei Personen auf, die Copyright-Beschwerden gegen Instagram-Nutzer eingereicht hatten, obwohl sie selbst nicht die Rechteinhaber waren.

Die Personen bestritten teilweise, Accounts zu erpressen, und erklärten, legitime Beschwerden im Auftrag anderer einzureichen.

Allerdings lagen der BBC Nachrichten vor, in denen für die Rücknahme einer Beschwerde 900 US-Dollar verlangt wurden. Eine der betreffenden Personen bezeichnete das Geld dem Bericht zufolge als Bezahlung für ihre Dienstleistung und bestätigte, den Betrag selbst zu behalten.

Das verdeutlicht, wie schwer für Betroffene teilweise zu unterscheiden sein kann, ob tatsächlich eine berechtigte Copyright-Forderung oder ein Erpressungsversuch vorliegt.

KI könnte die Betrugsmasche skalieren

Neu ist Copyright-Betrug im Internet nicht.

Bereits früher erhielten beispielsweise Webseitenbetreiber Schreiben oder E-Mails, in denen jemand behauptete, die Rechte an einem verwendeten Foto zu besitzen, und Geld verlangte, um rechtliche Schritte zu vermeiden.

Nach Einschätzung des im Bericht zitierten Urheberrechtsexperten Andres Guadamuz von der University of Sussex könnte künstliche Intelligenz jedoch dazu beitragen, solche Angriffe in wesentlich größerem Umfang durchzuführen.

Automatisierung macht es möglich, große Mengen von Accounts oder Beiträgen zu untersuchen und entsprechende Vorgänge massenhaft anzustoßen. Gleichzeitig müssen Plattformen mit Milliarden Nutzern zwischen echten Urheberrechtsverletzungen und missbräuchlichen Meldungen unterscheiden.

Damit könnte aus einer vergleichsweise manuellen Erpressungsmasche zunehmend ein skalierbares Geschäftsmodell für Kriminelle werden.

Meta reagiert nach den Beschwerden

Meta erklärte gegenüber der BBC, dass die Systeme des Unternehmens eigentlich verhindern sollen, dass Nutzer von solchen Vorgängen betroffen werden.

Nach einer Überprüfung der von der BBC vorgelegten Fälle seien betroffene Inhalte wiederhergestellt und zusätzliche Schutzmaßnahmen für die entsprechenden Accounts eingerichtet worden. Das Unternehmen erklärte außerdem, gegen betrügerisches Verhalten auf seinen Plattformen vorzugehen.

Betroffene Creator kritisieren allerdings insbesondere die Dauer von Einspruchsverfahren und Schwierigkeiten, bei Problemen schnell Unterstützung zu erhalten.

Was Instagram-Nutzer jetzt beachten sollten

Wer nach einer Copyright-Beschwerde plötzlich von einer unbekannten Person kontaktiert und zur Zahlung aufgefordert wird, sollte äußerst vorsichtig reagieren.

Eine Zahlung garantiert nicht, dass ein Account anschließend dauerhaft in Ruhe gelassen wird. Der dokumentierte Fall zeigt vielmehr, dass nach einer Zahlung weitere Beschwerden folgen können.

Betroffene sollten deshalb sämtliche Nachrichten, E-Mail-Adressen, Nutzernamen und Zahlungsforderungen sichern und das offizielle Einspruchsverfahren der Plattform nutzen. Bei Erpressungsforderungen können die gesicherten Informationen außerdem für eine Anzeige bei den zuständigen Behörden relevant sein.

Besonders wichtig: Nicht auf private Zahlungsvereinbarungen eingehen, nur weil mit weiteren Copyright-Meldungen oder einer Accountsperre gedroht wird.

Fazit: Das Meldesystem selbst wird zur Waffe

Die Masche unterscheidet sich deutlich von gewöhnlichem Instagram-Phishing. Die Betrüger müssen weder ein Passwort stehlen noch ihre Opfer auf eine gefälschte Login-Seite locken.

Stattdessen versuchen sie, das Copyright-Meldesystem der Plattform gegen die Nutzer selbst einzusetzen.

Für reichweitenstarke Accounts entsteht dadurch ein besonders wirksames Druckmittel: Wird das Profil gesperrt, können innerhalb kurzer Zeit Einnahmen, Reichweite und Geschäftspartner verloren gehen.

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