Die Antonov Salis GmbH mit Sitz in der Industriestraße 22, 04435 Schkeuditz, befindet sich in einem Insolvenzeröffnungsverfahren. Das Amtsgericht Leipzig führt das Verfahren unter dem Aktenzeichen 405 IN 1814/26. Im Handelsregister ist die Gesellschaft unter HRB 32726 eingetragen und wird durch den Geschäftsführer Yury Marinin vertreten.
Mit Beschluss vom 4. September 2026 ordnete das Insolvenzgericht um 10.10 Uhr die vorläufige Insolvenzverwaltung über das Vermögen des Unternehmens an. Die Bekanntmachung wurde anschließend berichtigt beziehungsweise ergänzt.
Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Dr. Stephan Thiemann von der Kanzlei PLUTA bestellt. Er soll die wirtschaftliche Situation des Unternehmens untersuchen, die Geschäftsführung überwachen und das noch vorhandene Vermögen im Interesse der Gläubiger sichern.
Verfügungen der Antonov Salis GmbH über ihr Vermögen sind nur noch mit Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters wirksam. Forderungen und Bankguthaben darf Dr. Thiemann auf ein für die Insolvenzmasse eingerichtetes Sonderkonto einziehen. Schuldner des Unternehmens dürfen grundsätzlich nur noch an den vorläufigen Insolvenzverwalter zahlen, sofern dieser einer Zahlung an die Gesellschaft nicht ausdrücklich zustimmt.
Bereits eingeleitete Zwangsvollstreckungsmaßnahmen werden vorläufig eingestellt. Neue Vollstreckungen sind grundsätzlich untersagt. Ausgenommen sind insbesondere Verfahren zur Abgabe einer Vermögensauskunft sowie bestimmte Maßnahmen, die unbewegliche Vermögensgegenstände betreffen.
Antonov Salis GmbH wurde für NATO-Schwerlasttransporte gegründet
Die Antonov Salis GmbH wurde im Juli 2016 gegründet. Ihr Unternehmensgegenstand war von Beginn an eng auf besonders schwere und großvolumige Lufttransporte mit Antonov-Flugzeugen ausgerichtet.
Die Gesellschaft sollte Chartertransporte und reguläre Luftfrachttransporte organisieren, vertraglich abwickeln, unterstützen und verkaufen. Im Mittelpunkt stand dabei die Beteiligung am internationalen Lufttransportprogramm SALIS. Die Abkürzung steht heute für „Strategic Airlift International Solution“.
Das Programm wurde von NATO- und EU-Staaten genutzt, die für den Transport besonders großer oder schwerer Güter keine ausreichenden eigenen Flugzeuge zur Verfügung hatten. Dafür kamen vor allem Transportmaschinen des Typs Antonov An-124-100 „Ruslan“ zum Einsatz. Diese Flugzeuge können unter anderem Fahrzeuge, Hubschrauber, militärisches Großgerät, technische Anlagen sowie Hilfs- und Versorgungsgüter transportieren.
Die NATO Support and Procurement Agency, kurz NSPA, schloss im Dezember 2016 jeweils einen Vertrag mit der Antonov Salis GmbH und der damaligen Ruslan Salis GmbH. Über diese Verträge erhielten die teilnehmenden Staaten gesicherten Zugriff auf entsprechende Schwerlasttransportkapazitäten. Die Vereinbarungen liefen vom 1. Januar 2017 bis zum 31. Dezember 2018.
Die Antonov Salis GmbH war damit in diesem Zeitraum keine gewöhnliche Spedition. Ihre wesentliche Tätigkeit bestand darin, strategische Lufttransporte für staatliche und militärische Auftraggeber zu organisieren und die dafür benötigten Antonov-Flugzeuge bereitzustellen beziehungsweise deren Einsatz zu koordinieren.
Geschäftstätigkeit ging weit über reine Transportvermittlung hinaus
Der im Handelsregister eingetragene Unternehmensgegenstand ermöglichte der Gesellschaft zusätzlich umfangreiche technische Tätigkeiten im Flugzeugbereich. Dazu gehörten insbesondere:
- Entwicklung, Projektierung und Design von Antonov-Flugzeugen,
- Herstellung und Modernisierung von Flugzeugen,
- Umrüstung, Instandsetzung, Reparatur, Service und Wartung,
- Demontage und Entsorgung von Flugzeugen,
- An- und Verkauf von Flugzeugbauteilen und Ersatzteilen,
- Handel mit Maschinen und Anlagen zur Flugzeugproduktion,
- technische Arbeiten an eigenen, gemieteten oder anderweitig eingesetzten Transportflugzeugen,
- Dienstleistungen für nationale und internationale Luftfahrtunternehmen.
Auch der Erwerb, die Anmietung oder die Pacht von Immobilien war zulässig, sofern dies der Geschäftstätigkeit diente.
Nach öffentlich zugänglichen Informationen lag der tatsächlich nachweisbare geschäftliche Schwerpunkt jedoch vor allem auf der Organisation und vertraglichen Abwicklung von Schwerlasttransporten für das SALIS-Programm. Dafür standen Flugzeuge der ukrainischen Antonov-Flotte zur Verfügung. Hinweise darauf, dass die Antonov Salis GmbH selbst in größerem Umfang Flugzeuge in Schkeuditz hergestellt oder eigenständig eine umfassende Flugzeugproduktion betrieben hat, sind nicht ersichtlich.
NATO-Auftrag endete bereits 2018
Für die Einordnung des Insolvenzverfahrens ist eine wichtige Unterscheidung notwendig: Die jetzt betroffene Antonov Salis GmbH ist nicht identisch mit der Antonov Logistics Salis GmbH.
Der Vertrag der Antonov Salis GmbH mit der NATO-Agentur NSPA endete am 31. Dezember 2018. Seit Januar 2019 wurde die laufende SALIS-Leistung von der rechtlich eigenständigen Antonov Logistics Salis GmbH erbracht. Diese Gesellschaft ist beim Amtsgericht Leipzig unter HRB 35295 eingetragen und hat damit eine andere Handelsregisternummer als die jetzt vom Insolvenzantrag betroffene Gesellschaft.
Die Antonov Logistics Salis GmbH übernahm seit 2019 die Bereitstellung strategischer Lufttransportkapazitäten für die teilnehmenden NATO- und EU-Staaten. Der 2021 abgeschlossene Anschlussvertrag sieht entsprechende Leistungen bis Ende 2026 vor. Dazu werden insbesondere Antonov-Maschinen des Typs An-124-100 am Flughafen Leipzig/Halle bereitgehalten.
Die Insolvenz der Antonov Salis GmbH bedeutet daher nicht automatisch, dass der aktuelle SALIS-Lufttransportdienst der NATO eingestellt wurde oder dass die am Flughafen Leipzig/Halle stationierten Antonov-Flugzeuge nicht mehr eingesetzt werden können. Dafür wäre die wirtschaftliche und rechtliche Situation der Antonov Logistics Salis GmbH gesondert zu betrachten.
Aktuelle Tätigkeit der insolventen Gesellschaft bleibt unklar
Nach dem Ende ihres eigenen NATO-Vertrages im Dezember 2018 blieb die Antonov Salis GmbH weiterhin im Handelsregister eingetragen. Im Oktober 2020 wurde Yury Marinin zum einzelvertretungsberechtigten Geschäftsführer bestellt.
Welche operativen Geschäfte die Gesellschaft danach tatsächlich noch in größerem Umfang ausgeführt hat, lässt sich anhand der öffentlich zugänglichen Angaben nicht eindeutig feststellen. Insbesondere ist nicht belegt, dass sie nach 2018 weiterhin selbst Vertragspartnerin des laufenden SALIS-Programms war. Diese Funktion ging auf die Antonov Logistics Salis GmbH über.
Möglich sind weiterhin Geschäfte im Bereich der Luftfahrttechnik, des Handels mit Flugzeugteilen, der Wartung oder sonstiger Unterstützungsleistungen. Belastbare öffentliche Nachweise für einen dauerhaft fortgeführten größeren Geschäftsbetrieb der Antonov Salis GmbH liegen hierzu jedoch nicht vor.
Der umfangreiche Unternehmensgegenstand beschreibt lediglich, welche Tätigkeiten die Gesellschaft rechtlich ausüben durfte. Er beweist nicht, dass sämtliche genannten Bereiche – etwa Flugzeugherstellung, Modernisierung, Ersatzteilhandel oder Demontage – tatsächlich ausgeführt wurden.
Insolvenzverfahren noch nicht eröffnet
Bei dem Beschluss des Amtsgerichts Leipzig handelt es sich zunächst um eine Sicherungsmaßnahme im Insolvenzeröffnungsverfahren. Das eigentliche Insolvenzverfahren über das Vermögen der Antonov Salis GmbH ist damit noch nicht eröffnet.
Der vorläufige Insolvenzverwalter muss nun insbesondere feststellen, ob ein Insolvenzgrund vorliegt, ob genügend Vermögen zur Deckung der Verfahrenskosten vorhanden ist und ob Möglichkeiten für eine Fortführung oder Sanierung bestehen.
Aus der gerichtlichen Bekanntmachung geht nicht hervor, ob die Antonov Salis GmbH selbst den Insolvenzantrag gestellt hat oder ob der Antrag von einem Gläubiger stammt. Auch der konkrete Insolvenzgrund – beispielsweise Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung – wird darin nicht genannt.
Erst nach Abschluss der Prüfung entscheidet das Amtsgericht Leipzig, ob das Insolvenzverfahren eröffnet, der Antrag mangels Masse abgewiesen oder eine andere Entscheidung getroffen wird. Bis dahin bleibt die wirtschaftliche Zukunft der Gesellschaft offen.