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Sachsen-Anhalt wählt heute: Bitte wählen gehen – jede Stimme entscheidet über die künftige Regierung

Heute, am 6. September 2026, wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Rund 1,7 Millionen Wahlberechtigte können darüber entscheiden, wie sich das Parlament künftig zusammensetzt und wer das Land regieren wird. Die Wahllokale sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet.

Die Wahl verspricht außergewöhnlich spannend zu werden. Nach der letzten ARD-Vorwahlumfrage liegt die AfD mit 42 Prozent deutlich an erster Stelle. Die CDU erreicht 22 Prozent, die Linke elf Prozent, die SPD acht Prozent und die Grünen sechs Prozent. Das BSW kommt auf vier Prozent, die FDP auf drei Prozent.

Wichtig ist allerdings: Das sind Umfragewerte und keine Wahlergebnisse. Gerade Sachsen-Anhalt hat 2021 gezeigt, wie deutlich sich Umfragen und tatsächliches Ergebnis unterscheiden können. Damals wurde teilweise ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und AfD erwartet; tatsächlich gewann die CDU mit 37,1 Prozent deutlich vor der AfD mit 20,8 Prozent.

Warum die Fünf-Prozent-Hürde heute besonders wichtig ist

Über die künftigen Mehrheiten entscheidet nicht allein, welche Partei die meisten Stimmen erhält.

Besonders wichtig wird sein, ob Grüne und BSW den Einzug in den Landtag schaffen. Auch die FDP liegt nach den letzten Umfragen unter fünf Prozent.

Scheitern mehrere Parteien an der Fünf-Prozent-Hürde, werden deren Stimmen bei der Sitzverteilung grundsätzlich nicht berücksichtigt. Dadurch steigt der Sitzanteil der Parteien, die in den Landtag einziehen.

Deshalb könnte theoretisch sogar eine Partei mit weniger als 50 Prozent der Stimmen eine absolute Mehrheit der Landtagssitze erreichen. Nach den bisherigen Umfragen ist eine solche Mehrheit für die AfD allerdings nicht das wahrscheinlichste Szenario.

Welche Regierungsmodelle sind möglich?

Sollte das tatsächliche Wahlergebnis ungefähr den Umfragen entsprechen, wird die Regierungsbildung ausgesprochen schwierig.

Die derzeitige Koalition aus CDU, SPD und FDP dürfte ihre Mehrheit verlieren. CDU und SPD kommen in der letzten ARD-Umfrage zusammen lediglich auf 30 Prozent. Die FDP würde mit drei Prozent sogar aus dem Landtag ausscheiden.

Auch ein Bündnis aus CDU, SPD und Grünen würde nach diesen Zahlen keine Mehrheit erreichen.

Damit könnten nach der Wahl ungewöhnliche Lösungen notwendig werden.

AfD: Stärkste Partei bedeutet nicht automatisch Regierungsübernahme

Sollte die AfD tatsächlich stärkste Kraft werden, bedeutet dies zunächst nicht automatisch, dass sie auch die Regierung stellt.

Entscheidend sind die Mehrheitsverhältnisse im neuen Landtag.

Die übrigen etablierten Parteien schließen eine Koalition mit der AfD aus. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund erklärte seinerseits unmittelbar vor der Wahl, er wolle nur dann Ministerpräsident werden, wenn seine Partei eine absolute Mehrheit erreicht und allein regieren kann.

Damit könnte eine Situation entstehen, in der die mit Abstand stärkste Partei keine Regierung bilden kann.

Könnte die CDU trotz Platz zwei weiterregieren?

Ja. Auch das ist möglich.

Sollte die AfD keine absolute Mehrheit erhalten und keinen Koalitionspartner finden, könnten andere Parteien versuchen, eine Regierung ohne die AfD zu bilden.

Nach den letzten Umfragewerten reicht es allerdings für die klassischen Bündnisse kaum.

Eine Möglichkeit wäre deshalb eine Minderheitsregierung, beispielsweise unter Führung der CDU. Diese hätte keine eigene Mehrheit und müsste sich für Gesetze und andere Entscheidungen immer wieder Unterstützung im Landtag suchen.

Dabei könnte insbesondere die Linke eine wichtige Rolle spielen.

CDU und Linke vor einem politischen Dilemma

Genau hier beginnt allerdings ein großes Problem.

Die CDU schließt eine Koalition sowohl mit der AfD als auch mit der Linken aus. Ministerpräsident Sven Schulze erklärte, er wolle sich weder von der Linken noch von der AfD abhängig machen.

Die Linke wiederum signalisiert grundsätzlich Gesprächsbereitschaft, will eine CDU-geführte Regierung aber nicht bedingungslos unterstützen.

Damit könnte nach der Wahl eine schwierige Frage entstehen: Kann eine CDU-geführte Minderheitsregierung zustande kommen, die zumindest bei einzelnen Entscheidungen Unterstützung von anderen Parteien erhält?

Ein solches Modell wäre für Sachsen-Anhalt übrigens nicht völlig neu.

Das „Magdeburger Modell“ gab es schon einmal

Von 1994 an regierte in Sachsen-Anhalt bereits eine Minderheitsregierung.

Damals bildeten SPD und Grüne unter Ministerpräsident Reinhard Höppner zunächst eine Minderheitsregierung, die von der damaligen PDS toleriert wurde. Nach dem Ausscheiden der Grünen aus dem Landtag wurde das Modell ab 1998 mit einer reinen SPD-Minderheitsregierung fortgeführt.

Es hielt bis 2002.

Ein Minderheitsmodell wäre deshalb zwar ungewöhnlich, aber keineswegs beispiellos.

Und was passiert mit dem BSW?

Auch das BSW könnte eine wichtige Rolle bekommen – allerdings nur, wenn es die Fünf-Prozent-Hürde überwindet.

Nach der letzten ARD-Umfrage liegt die Partei mit vier Prozent knapp darunter.

Das BSW hat sich für einen „überparteilichen Ministerpräsidenten“ und wechselnde Mehrheiten ausgesprochen. Anders als andere Parteien schließt es dabei eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht grundsätzlich aus.

Ob dieses Szenario überhaupt relevant wird, entscheidet deshalb zunächst allein die Frage, ob das BSW in den Landtag einzieht.

Was geschieht, wenn sich niemand einigen kann?

Auch dann entsteht nicht sofort ein politisches Vakuum.

Die Landesverfassung schreibt keine feste Frist vor, innerhalb derer ein neuer Ministerpräsident gewählt werden muss. Die bisherige Landesregierung könnte deshalb zunächst geschäftsführend im Amt bleiben, während die Parteien nach einer Lösung suchen.

Bei der Wahl des Ministerpräsidenten gibt es ebenfalls eine Besonderheit: In den ersten Wahlgängen ist eine absolute Mehrheit erforderlich. Im dritten Wahlgang reicht die Mehrheit der abgegebenen Stimmen.

Damit könnten Enthaltungen einzelner Parteien plötzlich entscheidend werden.

Heute entscheidet nicht die Umfrage, sondern der Wähler

So außergewöhnlich die Zahlen der vergangenen Wochen auch aussehen: Heute zählen keine Umfragen mehr.

Die Umfragewerte von 42 Prozent für die AfD, 22 Prozent für die CDU oder acht Prozent für die SPD sind lediglich Momentaufnahmen aus der Zeit vor der Wahl. Sie sagen nicht voraus, wie die Menschen tatsächlich abstimmen werden.

Gerade weil mehrere Parteien an der Fünf-Prozent-Hürde liegen und schon wenige Prozentpunkte die Mehrheitsverhältnisse erheblich verändern können, kann die Wahlbeteiligung einen großen Unterschied machen.

Deshalb: Bitte wählen gehen.

Unabhängig davon, welche Partei man unterstützt: Wer wählen geht, entscheidet selbst mit, wie Sachsen-Anhalt in den kommenden Jahren regiert wird. Wer seine Stimme nicht abgibt, überlässt diese Entscheidung anderen.

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