Die wpd Windpark Gressow Beteiligungs GmbH hat ihren Jahresabschluss für 2025 veröffentlicht. Die Zahlen geben einen Einblick in eine noch vergleichsweise kleine Gesellschaft innerhalb des Bremer wpd-Konzerns. Auffällig sind vor allem drei Entwicklungen: Das Kapital wurde vollständig eingefordert, erstmals stehen Finanzanlagen in der Bilanz – und gleichzeitig schreibt die Gesellschaft weiterhin rote Zahlen.
Zum 31. Dezember 2025 weist die Gesellschaft eine Bilanzsumme von 19.122,48 Euro aus. Gegenüber den 10.090,58 Euro des Vorjahres hat sich die Bilanzsumme damit beinahe verdoppelt.
Der direkte Vergleich hat allerdings einen Haken: 2024 war für die Gesellschaft kein vollständiges Geschäftsjahr. Der Vorjahresabschluss umfasst lediglich den Zeitraum vom 15. Februar bis zum 31. Dezember 2024. Die Gesellschaft weist deshalb selbst darauf hin, dass die Zahlen nur eingeschränkt miteinander vergleichbar sind.
Interessant wird es beim Blick auf die Vermögensseite.
Während Ende 2024 noch keine Finanzanlagen ausgewiesen wurden, stehen dort zum Jahresende 2025 5.000 Euro. Im Anhang heißt es, dass Beteiligungen grundsätzlich zu Anschaffungskosten angesetzt werden. Soweit erforderlich, werde ein niedrigerer beizulegender Wert berücksichtigt.
Damit wird sichtbar, wofür eine Beteiligungsgesellschaft dieser Art grundsätzlich vorgesehen ist: Sie hält Beteiligungen. Welche konkrete Beteiligung hinter den 5.000 Euro steht und welchen wirtschaftlichen Wert oder welches Ertragspotenzial diese besitzt, lässt sich aus dem veröffentlichten Abschluss allerdings nicht näher ablesen.
Daneben verfügt die Gesellschaft über 14.122,48 Euro an liquiden Mitteln. Im Vorjahr waren es 10.090,58 Euro.
Damit besteht das auf der Aktivseite ausgewiesene Vermögen praktisch vollständig aus zwei Positionen: 5.000 Euro Finanzanlagen und gut 14.100 Euro Bank- beziehungsweise Kassenbestand.
Auf der Passivseite fällt insbesondere die Entwicklung des Kapitals auf.
Das gezeichnete Kapital beträgt 25.000 Euro. Ende 2024 waren davon allerdings noch 12.500 Euro als nicht eingeforderte ausstehende Einlagen ausgewiesen. Deshalb belief sich das eingeforderte Kapital damals lediglich auf 12.500 Euro.
2025 sieht das anders aus.
Die nicht eingeforderten Einlagen stehen nun bei null Euro. Das bedeutet bilanziell: Das gesamte gezeichnete Kapital von 25.000 Euro ist inzwischen eingefordert.
Das erklärt auch, warum das Eigenkapital trotz eines erneuten Jahresverlustes deutlich gestiegen ist. Es erhöhte sich von 8.900,58 Euro auf 17.719,43 Euro.
Auf den ersten Blick könnte dieser Anstieg den Eindruck erwecken, die wirtschaftliche Situation habe sich durch Gewinne verbessert. Genau das zeigen die Zahlen jedoch nicht.
Denn auch 2025 schreibt die wpd Windpark Gressow Beteiligungs GmbH rote Zahlen.
Der Jahresfehlbetrag beträgt 3.681,15 Euro.
Schon für das Rumpfgeschäftsjahr 2024 war ein Fehlbetrag von 3.599,42 Euro ausgewiesen worden. Dieser Betrag erscheint 2025 entsprechend als Verlustvortrag.
Rechnet man Verlustvortrag und neuen Jahresfehlbetrag zusammen, ergeben sich mittlerweile aufgelaufene Verluste von 7.280,57 Euro.
Dem steht das vollständig eingeforderte Kapital von 25.000 Euro gegenüber. Daraus ergibt sich das zum Jahresende ausgewiesene Eigenkapital von 17.719,43 Euro.
Anders ausgedrückt: Ein erheblicher Teil des ursprünglichen Stammkapitals ist bilanziell durch die bisherigen Verluste bereits aufgezehrt worden. Von den 25.000 Euro verbleiben nach Berücksichtigung der aufgelaufenen Fehlbeträge rund 17.700 Euro Eigenkapital.
Das ist ein wichtiger Unterschied zum bloßen Blick auf die Bilanzsumme. Diese ist zwar kräftig gestiegen – der Anstieg ist aber nicht das Ergebnis eines ausgewiesenen Jahresgewinns.
Vielmehr fällt die vollständige Einforderung des Stammkapitals ins Gewicht.
Auch die Größenordnung des Jahresverlustes verdient Aufmerksamkeit. Der Fehlbetrag von 3.681,15 Euro entspricht rechnerisch knapp 15 Prozent des gezeichneten Kapitals von 25.000 Euro.
Allerdings wäre es voreilig, daraus auf wirtschaftliche Schwierigkeiten des eigentlichen Windparkprojektes zu schließen.
Bei einer Beteiligungsgesellschaft können insbesondere in frühen Projekt- oder Beteiligungsphasen laufende Kosten entstehen, während entsprechende Beteiligungserträge noch nicht oder noch nicht in größerem Umfang anfallen. Ob das hier tatsächlich die Erklärung ist, geht aus dem veröffentlichten Jahresabschluss jedoch nicht hervor.
Gerade deshalb ist interessant, dass der vorliegende Abschluss keine näheren Angaben über Umsätze oder Beteiligungserträge enthält.
Aus den veröffentlichten Zahlen lässt sich somit nicht erkennen, ob die Gesellschaft bereits operative beziehungsweise Beteiligungserträge erzielt hat, wie hoch mögliche laufende Verwaltungskosten waren oder wann mit nennenswerten Einnahmen aus der Beteiligung gerechnet wird.
Klar ist lediglich das Ergebnis: Unter dem Strich steht für 2025 ein Minus von 3.681,15 Euro.
Die Rückstellungen der Gesellschaft erhöhten sich leicht. Sie lagen Ende 2025 bei 1.403,05 Euro, nach 1.190 Euro im Vorjahr. Nach Angaben im Anhang sollen die Rückstellungen alle erkennbaren Risiken und ungewissen Verpflichtungen berücksichtigen und mit dem notwendigen Erfüllungsbetrag angesetzt werden.
Bemerkenswert ist zugleich, wie übersichtlich die Bilanz insgesamt bleibt.
Auf der Aktivseite stehen lediglich die Finanzanlagen und die liquiden Mittel. Auf der Passivseite dominieren Eigenkapital und Rückstellungen. Größere Bankkredite oder sonstige umfangreiche Verbindlichkeiten werden in der vorgelegten Bilanz nicht ausgewiesen.
Das unterscheidet die Beteiligungsgesellschaft beispielsweise von einer klassischen Betreibergesellschaft eines fertiggestellten Windparks, bei der häufig erhebliche Sachanlagen und entsprechende Finanzierungen in der Bilanz auftauchen können.
Bei der wpd Windpark Gressow Beteiligungs GmbH stehen dagegen 5.000 Euro Finanzanlagen im Mittelpunkt.
Die Gesellschaft selbst ist eine kleine Kapitalgesellschaft im Sinne des § 267 HGB. Ihr Sitz befindet sich in Bremen, zuständiges Registergericht ist das Amtsgericht Bremen. Dort wird sie unter HRB 40054 HB geführt.
Zudem gehört die Gesellschaft zum Konzern der wpd GmbH mit Sitz in Bremen. Nach den Angaben im Anhang wird sie in deren Konzernabschluss einbezogen.
Geschäftsführer war im Geschäftsjahr Björn Nullmeyer, der im Abschluss als Kaufmann bezeichnet wird.
Unterzeichnet wurde der Jahresabschluss am 13. Januar 2026. Festgestellt wurde er am 27. März 2026. Die Veröffentlichung datiert vom 4. September 2026.
Besonders interessant wird deshalb der nächste Jahresabschluss.
Denn 2025 scheint die Gesellschaft einen weiteren Schritt in ihrer Entwicklung gemacht zu haben: Das Stammkapital ist vollständig eingefordert und erstmals wird eine Beteiligung von 5.000 Euro bilanziert.
Nun dürfte entscheidend sein, ob aus dieser Beteiligung künftig Einnahmen entstehen.
Sollte die Gesellschaft dagegen weiterhin Jahr für Jahr Fehlbeträge in einer ähnlichen Größenordnung ausweisen, würde das vorhandene Eigenkapital weiter abschmelzen. Ein einzelnes Verlustjahr sagt bei einer solchen Beteiligungsgesellschaft noch vergleichsweise wenig aus. Mehrere aufeinanderfolgende Jahre ohne entsprechende Erträge würden dagegen zunehmend erklärungsbedürftig.
Bislang stehen zwei Verlustjahre in den Büchern: 3.599,42 Euro für das Rumpfgeschäftsjahr 2024 und weitere 3.681,15 Euro für 2025.
Zusammen sind das 7.280,57 Euro.
Gleichzeitig verfügt die Gesellschaft Ende 2025 noch über liquide Mittel von mehr als 14.000 Euro und ein positives Eigenkapital von knapp 17.720 Euro. Eine bilanzielle Überschuldung lässt sich aus diesen Zahlen daher nicht erkennen.
Für eine wirkliche wirtschaftliche Bewertung fehlen jedoch entscheidende Informationen.
Vor allem müsste bekannt sein, welche Beteiligung hinter den 5.000 Euro Finanzanlagen steht, welches konkrete Windenergieprojekt damit verbunden ist, in welchem Entwicklungsstadium sich dieses Projekt befindet und wann daraus Ausschüttungen oder andere Erträge erwartet werden.
Erst dann ließe sich einschätzen, ob die bisherigen Verluste lediglich typische Anlauf- und Verwaltungskosten einer jungen Beteiligungsgesellschaft darstellen oder ob sich daraus eine längerfristige wirtschaftliche Belastung entwickelt.
Der Jahresabschluss 2025 erzählt deshalb weniger die Geschichte eines bereits laufenden Windparkgeschäfts als die einer Gesellschaft, die offenbar noch in einer frühen Beteiligungsphase steckt.
Die entscheidende Zahl der kommenden Jahre dürfte somit nicht allein die Bilanzsumme sein.
Entscheidend wird sein, ob auf die bislang verbuchten Verluste irgendwann Erträge aus der Beteiligung folgen – und ob diese ausreichen, um die aufgelaufenen Fehlbeträge wieder aufzuholen.