Ein lange Zeit gefährliches Kapitel des österreichischen Kreditmarktes nähert sich langsam seinem Ende. Der Bestand an Fremdwährungskrediten privater Haushalte ist im zweiten Quartal 2026 erstmals unter die Marke von fünf Milliarden Euro gefallen. Zum 30. Juni waren nach Angaben der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) noch 4,92 Milliarden Euro ausständig. Wechselkursbereinigt entspricht das gegenüber dem Vorquartal einem Rückgang von 2,9 Prozent.
Damit machen Fremdwährungskredite nur noch 2,7 Prozent aller Kredite österreichischer Privathaushalte aus. Vor 20 Jahren sah die Situation vollkommen anders aus: Auf dem Höhepunkt des Booms 2006 war beinahe jeder dritte Kredit-Euro privater Haushalte in einer fremden Währung aufgenommen worden – der Anteil lag bei 32 Prozent.
Die Entwicklung seit der Finanzkrise ist entsprechend drastisch. Nachdem die FMA im Herbst 2008 einen de-facto-Stopp für die Neuvergabe von Fremdwährungskrediten an private Haushalte verhängt hatte, sank das ausstehende Volumen wechselkursbereinigt um mittlerweile 44,5 Milliarden Euro beziehungsweise 92 Prozent.
Wie schnell der Restbestand inzwischen abgebaut wird, zeigt bereits der Vergleich mit den vorhergehenden Quartalen. Ende 2024 waren noch 6,13 Milliarden Euro ausständig. Ende 2025 waren es rund 5,23 Milliarden Euro, und zum Ende des ersten Quartals 2026 meldete die FMA noch 5,09 Milliarden Euro.
Innerhalb von eineinhalb Jahren ist der nominelle Restbestand damit von 6,13 auf 4,92 Milliarden Euro gesunken – um rund 1,21 Milliarden Euro beziehungsweise knapp 20 Prozent. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die FMA ihre jeweiligen Quartalsveränderungen wechselkursbereinigt ausweist; ein einfacher Vergleich der nominellen Stichtagsbestände ist deshalb nicht identisch mit der aufsichtsrechtlichen Berechnung der Abbaurate.
Besonders bemerkenswert ist, dass das verbliebene Risiko fast vollständig an einer einzigen Währung hängt: 99,2 Prozent der noch bestehenden Fremdwährungskredite lauten auf Schweizer Franken. Der kleine Rest entfällt nahezu vollständig auf japanische Yen.
Und gerade der Schweizer Franken zeigt, warum diese Finanzierungsform für Privathaushalte so riskant werden konnte.
Nach Angaben der FMA stand der Wechselkurs zum Ende des zweiten Quartals bei 0,9224 Schweizer Franken je Euro. Seit 2008 habe der Franken gegenüber dem Euro um rund 79 Prozent aufgewertet.
Für Kreditnehmer ist eine solche Entwicklung problematisch. Wer beispielsweise einen Kredit in Schweizer Franken aufgenommen hat, sein Einkommen aber in Euro erhält, trägt zusätzlich zum normalen Kreditrisiko ein Wechselkursrisiko. Wird der Franken stärker, verteuert sich die in Euro umgerechnete Restschuld – selbst wenn sich die eigentliche Kreditsumme in Franken nicht verändert.
Genau deshalb bezeichnet die FMA Fremdwährungskredite für private Haushalte bis heute ausgesprochen kritisch. Auf ihrer Informationsseite spricht die Behörde von einem „hochspekulativen Finanzprodukt“, das für private Haushalte nicht oder nur sehr eingeschränkt geeignet sei. Als wesentliche Gefahren nennt sie unter anderem Wechselkurs-, Zinsänderungs- und – bei entsprechenden Konstruktionen – Tilgungsträgerrisiken.
Die Vergangenheit erklärt die deutliche Wortwahl. Während der internationalen Finanzkrise 2008 war das enorme österreichische Fremdwährungskreditvolumen nicht mehr lediglich ein Problem einzelner Kreditnehmer. Nach Einschätzung der Aufsicht entwickelte es sich zu einem Risiko für den gesamten heimischen Bankensektor.
Darauf reagierte die FMA im Oktober 2008 mit dem bis heute wirkenden de-facto-Neuvergabestopp für private Haushalte. Banken wurden zugleich verpflichtet, bestehende Fremdwährungskredite besonders zu überwachen und bei erhöhten Risiken das Gespräch mit ihren Kunden zu suchen.
Die Strategie zeigt zahlenmäßig Wirkung: Aus einem Volumen von annähernd 50 Milliarden Euro ist inzwischen ein Restbestand von weniger als fünf Milliarden geworden.
Doch ausgerechnet jetzt beginnt für einen Teil der verbliebenen Kreditnehmer möglicherweise die entscheidende Phase.
Nach Schätzungen der FMA werden viele der noch bestehenden Fremdwährungskredite zwischen 2029 und 2033 endfällig. Bei einem endfälligen Kredit wird die Kreditsumme nicht wie bei einem klassischen Ratenkredit kontinuierlich vollständig zurückgeführt. Häufig wurde parallel ein sogenannter Tilgungsträger aufgebaut, beispielsweise über ein Anlageprodukt, mit dessen angespartem Kapital am Ende die Kreditschuld beglichen werden sollte.
Das schafft ein zusätzliches Risiko: Reicht der Tilgungsträger bei Fälligkeit nicht aus, bleibt eine Finanzierungslücke. Kommt gleichzeitig ein ungünstiger Wechselkurs hinzu, kann diese Lücke größer ausfallen als ursprünglich erwartet.
Deshalb fordert die FMA die Kreditinstitute weiterhin dazu auf, mindestens einmal jährlich aktiv das Gespräch mit den betroffenen Kreditnehmerinnen und Kreditnehmern zu suchen. Die Aufsicht rät den Betroffenen ausdrücklich, solche Gesprächsangebote wahrzunehmen.
Der Rückgang unter fünf Milliarden Euro ist daher zwar ein bedeutender Meilenstein für den österreichischen Finanzmarkt – für den einzelnen Kreditnehmer sagt die Gesamtstatistik aber wenig darüber aus, ob sein persönliches Problem gelöst ist.
Ein Fremdwährungskredit wird schließlich nicht automatisch ungefährlich, nur weil immer weniger andere Haushalte einen solchen Vertrag besitzen.
Gerade die Zahlen zum Schweizer Franken verdeutlichen das. Anfang 2008 konnten viele Kreditnehmer noch davon ausgehen, durch niedrigere Zinsen und einen vermeintlich günstigen Wechselkurs gegenüber einer Eurofinanzierung zu profitieren. Die massive Aufwertung des Franken hat diese Rechnung für zahlreiche Verträge verändert. Die FMA warnt deshalb seit Jahren vor dem spekulativen Charakter solcher Finanzierungen.
Gleichzeitig muss man die aktuelle Entwicklung fair einordnen: Das systemische Risiko ist heute erheblich kleiner als während der Finanzkrise. Ein Rückgang des wechselkursbereinigten Kreditvolumens um 92 Prozent seit dem Neuvergabestopp ist ein massiver Abbau.
Aus ehemals 32 Prozent Anteil am privaten Kreditmarkt sind nur noch 2,7 Prozent geworden.
Doch die letzten Milliarden könnten aus Sicht der betroffenen Haushalte besonders sensibel sein. Denn mit den Jahren 2029 bis 2033 rückt die Fälligkeit eines großen Teils der verbliebenen Verträge näher. Dann entscheidet sich bei endfälligen Konstruktionen endgültig, ob angespartes Kapital, Wechselkursentwicklung und Finanzierung zusammenpassen – oder ob eine Deckungslücke verbleibt.
Damit erzählt die aktuelle FMA-Statistik eigentlich zwei Geschichten gleichzeitig: Für Österreichs Finanzsystem verschwindet ein problematisches Erbe der 2000er-Jahre zunehmend aus den Bankbilanzen. Für die noch betroffenen Kreditnehmer ist die Geschichte dagegen längst nicht vorbei.
Die Marke von 4,92 Milliarden Euro ist deshalb ein Erfolg des langjährigen Risikoabbaus. Sie ist aber noch keine vollständige Entwarnung. Gerade wer einen der verbliebenen Schweizer-Franken-Kredite besitzt und in den kommenden Jahren vor der Endfälligkeit steht, sollte wissen, wie hoch die tatsächliche Restschuld ist, wie sich der Tilgungsträger entwickelt hat und welche Folgen unterschiedliche Wechselkurse haben könnten.