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Borussia Dortmund: 5:0 im Pokal – Moment mal, BVB: Seit wann machen wir es uns denn so einfach?

hpgruesen (CC0), Pixabay

Borussia spaziert gegen HEBC in Runde zwei – und wir Fans müssen uns erst einmal an einen völlig entspannten Fußballabend gewöhnen

Es gibt diese Abende als BVB-Fan, an denen man sich nach 90 Minuten fragt, warum man sich dieses Hobby eigentlich ausgesucht hat.

Puls 180.

Drei graue Haare mehr.

Der Nachbar kennt plötzlich sämtliche Dortmunder Spieler mit Vornamen, weil man sie zwei Stunden lang durch die Wohnzimmerwand angeschrien hat.

Und dann gibt es offenbar neuerdings auch solche Abende:

HEBC Hamburg – Borussia Dortmund 0:5.

Null zu fünf!

Auswärts!

Im Pokal!

Ohne Verlängerung!

Ohne Elfmeterschießen!

Ohne Herztabletten!

Liebe Borussia, was soll das denn jetzt?

So hatten wir das nicht vereinbart.

Eine halbe Stunde lang war die Dortmunder Welt noch in Ordnung

Immerhin: Die ersten 30 Minuten fühlten sich noch einigermaßen vertraut an.

Der Oberligist aus Hamburg hielt dagegen, Dortmund fehlte vorne zunächst die Präzision und HEBC kam sogar zu eigenen Abschlüssen.

Da saß man als erfahrener Borusse auf dem Sofa und dachte:

Ah! Da ist es wieder. Dieses vertraute Gefühl.

Dieses leise Kribbeln.

Dieses:

„Wir werden doch jetzt nicht ernsthaft …?“

Man kennt schließlich den DFB-Pokal.

Da steht auf der einen Seite ein Bundesligist mit Nationalspielern, Millionenmarktwerten und internationaler Erfahrung.

Auf der anderen Seite stehen elf Männer, von denen möglicherweise am nächsten Morgen wieder einige ganz normalen Verpflichtungen nachgehen.

Und trotzdem weiß jeder BVB-Fan:

Genau daraus entstehen jene Abende, über die man anschließend möglichst viele Jahre nicht mehr sprechen möchte.

Doch diesmal kam es anders.

Danke, Herr Wrede – wir brauchten nur einen kleinen Schubs

In der 33. Minute erlöste uns ausgerechnet HEBC-Spieler Janek Wrede mit einem Eigentor.

0:1.

Der berühmte Dosenöffner.

Und offenbar war die Dose anschließend nicht nur offen.

Der Deckel flog gleich bis nach Altona.

Drei Minuten später machte Daniel Svensson das 0:2.

Dann kam Samuele Inácio.

  1. Minute: 0:3.

45.+2: 0:4.

Doppelpack.

Halbzeit.

Und irgendwo im Ruhrgebiet dürften Tausende Borussen irritiert auf die Anzeigetafel geschaut haben.

Vier Tore vor der Pause?

Von Dortmund?

In einem Spiel, in dem wir Favorit sind?

Ohne vorherigen Nervenzusammenbruch?

Das Regelwerk sollte dringend überprüft werden.

Samuele Inácio – vom Sünder zum Doppelpacker

Besonders schön ist die Geschichte von Samuele Inácio.

Noch beim Bundesliga-Auftakt gegen den HSV hatte der 18-Jährige mit Blitzrot und anschließendem Flaschenwurf für Schlagzeilen gesorgt.

Nun durfte er wieder Fußball spielen.

Und siehe da:

Das scheint ihm sogar ziemlich gut zu liegen.

Zwei Tore.

Aktivposten.

Eine überzeugende Vorstellung.

Das nennen wir beim BVB vermutlich Entwicklung im Zeitraffer.

Von „Junge, was machst du denn da?!“ zu „Junge, genau so machst du das!“ innerhalb weniger Tage.

Fußball kann so einfach sein.

Manchmal.

Kovac wechselt siebenmal – und trotzdem funktioniert es

Niko Kovac hatte nach dem Bundesliga-Auftakt kräftig durchrotiert.

Sieben Veränderungen in der Startelf.

Alexander Meyer durfte für Gregor Kobel ins Tor.

Serhou Guirassy bekam eine Pause.

Joane Gadou ebenfalls.

Konstantinos Karetsas kam erst spät.

Normalerweise ist das beim BVB genau jene Konstellation, bei der man vorsorglich den Satz vorbereitet:

„Man hat schon gemerkt, dass die Mannschaft so noch nie zusammengespielt hat.“

Diesmal merkte man das tatsächlich zunächst.

Und dann offenbar nicht mehr.

Denn irgendwann war der Widerstand gebrochen und Borussia erledigte die Aufgabe so, wie ein Bundesligist sie gegen einen Fünftligisten eben erledigen sollte.

Souverän.

Konzentriert.

Deutlich.

Ich weiß, liebe BVB-Fans:

Das klingt verdächtig.

Aber offenbar darf man das tatsächlich.

Fabio Silva macht den Deckel auf den Deckel

Nach der Pause durfte dann auch Fabio Silva noch seinen Namen auf die Torschützenliste schreiben.

  1. Minute.

0:5.

Damit war endgültig klar:

Heute gibt es keine Pokal-Sensation.

Kein Zittern.

Keine Verlängerung.

Kein Kommentator, der in der 87. Minute sagt:

„Der Außenseiter glaubt jetzt wieder dran!“

Keinen gegnerischen Torwart, der plötzlich aussieht wie eine Mischung aus Manuel Neuer, Gianluigi Buffon und einer unüberwindbaren Betonwand.

Einfach nur ein souveräner Sieg.

Herrlich langweilig.

Davon bitte mehr.

Und HEBC? Der eigentliche Gewinner dieses Abends

Bei aller schwarz-gelben Freude muss man aber auch über den Gegner sprechen.

Denn HEBC Hamburg hat aus diesem Pokalabend ein echtes Fußballfest gemacht.

45.917 Zuschauer kamen ins Volksparkstadion.

Rekordkulisse für ein DFB-Pokalspiel mit Beteiligung eines Fünftligisten.

Der eigentliche Professor-Reinmüller-Platz mit seinen rund 2.500 Plätzen wäre für diesen Abend viel zu klein gewesen.

Und die Hamburger hielten eine halbe Stunde lang richtig ordentlich dagegen.

Genau dafür gibt es den DFB-Pokal.

Ein kleiner Verein bekommt die große Bühne.

Die Fans bekommen ein Erlebnis, über das vermutlich noch in vielen Jahren gesprochen wird.

Und am Ende posieren die Spieler beider Mannschaften gemeinsam vor den Fans.

So darf Fußball gerne sein.

Und dann kam vor dem Spiel noch Nwaneri

Fast nebenbei gab es aus Dortmunder Sicht auch noch eine ziemlich interessante Transfernachricht.

Nach der schweren Knieverletzung von Giannis Konstantelias reagierte Borussia schnell: Der 19-jährige Ethan Nwaneri kommt für eine Saison auf Leihbasis vom FC Arsenal.

Das ist natürlich zunächst einmal eine gute Nachricht.

Die schlechte Nachricht bleibt selbstverständlich die Verletzung von Konstantelias.

Ein Kreuzbandriss ist brutal, und an dieser Stelle kann man nur wünschen:

Komm stark zurück, Giannis!

Aber sportlich hat Dortmund reagiert.

Und Nwaneri dürfte eine Menge Talent mitbringen.

Also herzlich willkommen im schwarz-gelben Irrenhaus.

Keine Sorge, Ethan.

Man gewöhnt sich dran.

Irgendwann.

Vielleicht.

Zwei Spiele, zwei Siege – dürfen wir schon nervös werden?

Und jetzt wird es langsam unheimlich.

Bundesliga-Auftakt:

BVB – HSV 2:0.

DFB-Pokal:

HEBC – BVB 0:5.

Macht zusammen:

Sieben Tore.

Null Gegentore.

Zwei Siege.

Liebe Leute, ich möchte wirklich keine Panik verbreiten.

Aber wann hatten wir zuletzt einen Saisonstart, bei dem wir Fans nicht spätestens nach dem zweiten Spieltag eine Grundsatzdiskussion über Mentalität, defensive Restverteidigung und die Zukunft des Abendlandes geführt haben?

Man wird ja wohl noch fragen dürfen.

Pflicht erfüllt – und zwar tatsächlich

Marcel Sabitzer brachte es nach dem Spiel ziemlich nüchtern auf den Punkt:

Pflicht erfüllt.

Genau das war es.

Nicht mehr.

Aber eben auch nicht weniger.

Borussia Dortmund muss einen Oberligisten schlagen.

Borussia Dortmund sollte einen Oberligisten deutlich schlagen.

Und Borussia Dortmund hat einen Oberligisten 5:0 geschlagen.

Wir müssen daraus jetzt keine neue schwarz-gelbe Fußballära ausrufen.

Aber wir dürfen uns für einen Abend darüber freuen, dass eine Pflichtaufgabe tatsächlich einmal wie eine Pflichtaufgabe aussah.

Das ist für einen langjährigen BVB-Fan schließlich keineswegs selbstverständlich.

Bitte genau so weitermachen – unser Kardiologe wird es danken

Also nehmen wir diesen Abend einfach mit.

5:0.

Zweite Runde.

Junge Spieler mit Einsatzzeit.

Inácio mit Doppelpack.

Fabio Silva trifft.

Hinten die Null.

Keine Verletzungskatastrophe während des Spiels.

Keine Verlängerung.

Keine Blamage.

Kein Drama.

Fast schon verdächtig professionell.

Und deshalb bleibt eigentlich nur eine Bitte an Niko Kovac und seine Mannschaft:

Macht ruhig weiter so.

Wir BVB-Fans brauchen nicht jedes Wochenende ein 5:0.

Wir verlangen wirklich nicht viel.

Ein Sieg hier.

Ein paar Tore dort.

Gelegentlich eine Führung, die tatsächlich bis zum Schlusspfiff hält.

Vielleicht hin und wieder ein Spiel, bei dem man in der 80. Minute nicht sämtliche denkbaren Katastrophenszenarien durchrechnen muss.

Das würde uns vollkommen reichen.

Denn nach diesem Pokalabend steht fest:

Der BVB kann tatsächlich ein Fußballspiel gewinnen, ohne seine Fans vorher emotional durch den Fleischwolf zu drehen.

Eine vollkommen neue Erfahrung.

Aber eine, an die wir uns sehr gerne gewöhnen würden.

Heja BVB!

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