Der Jahresabschluss 2024 der EOS Windpark Fuchsberg GmbH & Co. KG zeigt einen Windpark in einer auffälligen finanziellen Umbruchphase. Die Bilanzsumme sinkt innerhalb eines Jahres um mehr als ein Drittel, das Sachanlagevermögen bricht um über 600.000 Euro ein und das Bankguthaben reduziert sich um mehr als 715.000 Euro. Gleichzeitig geht aber auch die Verschuldung massiv zurück: Die ausgewiesenen Verbindlichkeiten fallen von knapp 785.000 Euro auf nur noch rund 184.000 Euro.
Besonders bemerkenswert ist eine zweite Entwicklung: Das Eigenkapital sinkt um 819.002,33 Euro. Anders als bei einem Unternehmen mit laufenden Verlustvorträgen ist dieser Rückgang in der veröffentlichten Bilanz nicht über einen Bilanzverlust sichtbar. Der Bilanzgewinn beziehungsweise Bilanzverlust steht sowohl 2023 als auch 2024 bei null Euro. Stattdessen schrumpfen die Kapitalanteile der Kommanditisten.
Damit liefert die Bilanz zahlreiche deutliche Veränderungen – beantwortet aber eine entscheidende Frage nicht: Was genau ist mit den rund 819.000 Euro Kommanditistenkapital passiert?
Bilanzsumme fällt um fast 1,4 Millionen Euro
Die Bilanzsumme sank von 3.945.628,92 Euro auf 2.572.957,07 Euro.
Das entspricht einem Rückgang um 1.372.671,85 Euro beziehungsweise rund 34,8 Prozent.
Damit ist die Gesellschaft innerhalb nur eines Geschäftsjahres bilanziell um mehr als ein Drittel geschrumpft.
Die Ursachen dafür finden sich vor allem auf zwei Positionen der Aktivseite: beim Sachanlagevermögen und beim Bankguthaben.
Das Anlagevermögen sank insgesamt von 736.409,86 Euro auf 124.265,55 Euro – ein Rückgang um 612.144,31 Euro beziehungsweise 83,1 Prozent.
Das Finanzanlagevermögen blieb dabei unverändert bei 25.000 Euro. Der gesamte Rückgang entfällt somit auf die Sachanlagen.
Sachanlagen verlieren 86 Prozent ihres Buchwerts
Besonders drastisch ist die Entwicklung des Sachanlagevermögens.
Ende 2023 standen noch 711.409,86 Euro in der Bilanz. Ende 2024 waren es nur noch 99.265,55 Euro.
Der Rückgang beträgt exakt 612.144,31 Euro beziehungsweise rund 86,0 Prozent.
Damit befindet sich der bilanzielle Buchwert der Sachanlagen Ende 2024 nur noch bei knapp 14 Prozent des Vorjahreswertes.
Das ist eine außergewöhnlich starke Veränderung.
Der Anhang erklärt, dass das Sachanlagevermögen grundsätzlich über eine Nutzungsdauer von 16 Jahren abgeschrieben wird. Teilweise erfolgte zuvor eine geometrisch-degressive Abschreibung mit anschließendem Übergang zur linearen Abschreibung.
Allein daraus lässt sich allerdings nicht zweifelsfrei ableiten, dass die gesamten 612.144 Euro ausschließlich auf planmäßige Abschreibungen zurückzuführen sind.
Dafür wäre insbesondere ein Anlagenspiegel hilfreich, aus dem Anschaffungskosten, Zugänge, Abgänge und Abschreibungen hervorgehen.
Deshalb sollte der Rückgang nicht vorschnell als wirtschaftlicher Wertverlust des Windparks interpretiert werden.
Fest steht lediglich: Der handelsrechtliche Buchwert der Sachanlagen ist innerhalb eines Jahres um 86 Prozent gesunken.
Bankguthaben sinkt um 715.353 Euro
Parallel dazu ist erheblich weniger Geld auf den Konten vorhanden.
Die liquiden Mittel gingen von
1.862.973,04 Euro auf 1.147.620,01 Euro
zurück.
Das sind 715.353,03 Euro beziehungsweise 38,4 Prozent weniger.
Trotz dieses deutlichen Rückgangs verfügt die Gesellschaft zum Jahresende weiterhin über mehr als 1,147 Millionen Euro liquide Mittel.
Und genau hier unterscheidet sich die Situation deutlich von einer angespannten Liquiditätslage: Den mehr als 1,1 Millionen Euro Bankguthaben stehen lediglich 184.337,82 Euro ausgewiesene Verbindlichkeiten gegenüber.
Rein auf dieser Ebene ist die Gesellschaft damit ausgesprochen liquide.
Mehr als sechsmal so viel Cash wie Verbindlichkeiten
Sämtliche Verbindlichkeiten haben laut Anhang eine Restlaufzeit von höchstens einem Jahr.
Das könnte auf den ersten Blick problematisch wirken. Entscheidend ist jedoch die Größenordnung.
Den kurzfristigen Verbindlichkeiten von
184.337,82 Euro
stehen liquide Mittel von
1.147.620,01 Euro
gegenüber.
Das Bankguthaben allein ist damit etwa 6,2-mal so hoch wie sämtliche ausgewiesenen Verbindlichkeiten.
Selbst wenn alle Verbindlichkeiten kurzfristig beglichen werden müssten, verblieben rechnerisch noch rund 963.282 Euro an liquiden Mitteln.
Das ist ein ausgesprochen komfortabler bilanzieller Liquiditätspuffer – wobei natürlich Rückstellungen und künftige laufende Verpflichtungen separat berücksichtigt werden müssen.
Und dann gibt es noch 1,18 Millionen Euro Forderungen
Zusätzlich weist die Gesellschaft Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände von 1.183.993,70 Euro aus.
Im Vorjahr waren es 1.095.733,22 Euro.
Damit erhöht sich dieser Posten um 88.260,48 Euro beziehungsweise rund 8,1 Prozent.
Cash und Forderungen zusammen erreichen somit rund 2,332 Millionen Euro.
Das entspricht exakt dem ausgewiesenen Umlaufvermögen.
Das Umlaufvermögen ist zwar gegenüber dem Vorjahr von 2.958.706,26 Euro auf 2.331.613,71 Euro gesunken – also um 627.092,55 Euro beziehungsweise 21,2 Prozent.
Im Verhältnis zu den Verbindlichkeiten bleibt es dennoch sehr hoch.
Das Umlaufvermögen entspricht etwa dem 12,65-Fachen der ausgewiesenen kurzfristigen Verbindlichkeiten.
Allein anhand dieser Bilanzpositionen lässt sich deshalb keine kurzfristige Liquiditätskrise erkennen.
Verbindlichkeiten brechen um 76,5 Prozent ein
Noch deutlicher wird die Entwicklung beim Blick auf die Passivseite.
Die Verbindlichkeiten gingen von 784.719,17 Euro auf 184.337,82 Euro zurück.
Das entspricht einem Rückgang um 600.381,35 Euro beziehungsweise rund 76,5 Prozent.
Damit hat die Gesellschaft innerhalb eines Jahres mehr als drei Viertel ihrer bilanzierten Verbindlichkeiten abgebaut.
Da sämtliche Verbindlichkeiten sowohl 2023 als auch 2024 eine Restlaufzeit von höchstens einem Jahr hatten, gibt es zum Bilanzstichtag keine ausgewiesenen mittel- oder langfristigen Verbindlichkeiten.
Das ist eine wichtige Stärke der Bilanz.
Allerdings sollte man daraus nicht formulieren, der Windpark sei praktisch schuldenfrei. Zum einen bestehen weiterhin 184.338 Euro Verbindlichkeiten. Zum anderen stehen fast 3,8 Millionen Euro sonstige finanzielle Verpflichtungen außerhalb dieser Bilanzposition.
Und genau diese Zahl verändert das Bild erheblich.
3,78 Millionen Euro Verpflichtungen außerhalb der Verbindlichkeiten
Der vielleicht wichtigste Punkt im Anhang steht nicht direkt in der Bilanz.
Zum 31. Dezember 2024 bestehen sonstige finanzielle Verpflichtungen von 3.779.834 Euro.
Im Vorjahr waren es sogar 4.767.345 Euro.
Der Betrag ist damit um 987.511 Euro beziehungsweise rund 20,7 Prozent gesunken.
Trotzdem sind 3,78 Millionen Euro erheblich – insbesondere bei einer Bilanzsumme von nur 2,573 Millionen Euro.
Die sonstigen finanziellen Verpflichtungen entsprechen damit rund 147 Prozent der gesamten Bilanzsumme.
Das bedeutet nicht, dass die Gesellschaft 3,78 Millionen Euro sofort bezahlen muss. Es handelt sich ausdrücklich nicht um zusätzliche bilanzierte Verbindlichkeiten, die einfach zu den 184.338 Euro addiert werden dürfen.
Vielmehr handelt es sich um zukünftige Verpflichtungen aus laufenden Verträgen.
Mehr als drei Millionen Euro für Wartung und Betriebsführung
Die 3,78 Millionen Euro teilen sich auf zwei wesentliche Bereiche auf.
Aus Miet- und Pachtverträgen bestehen Verpflichtungen von insgesamt 720.000 Euro.
Davon werden 144.000 Euro im Jahr 2025 fällig.
Noch größer sind die Verpflichtungen aus langfristigen Wartungs- und Betriebsführungsverträgen. Sie belaufen sich auf 3.059.834 Euro.
Davon entfallen 742.388 Euro auf das Jahr 2025.
Zusammengenommen sind damit allein 2025 aus diesen beiden Kategorien Zahlungen beziehungsweise vertragliche Verpflichtungen von
886.388 Euro
vorgesehen.
Das ist für die Beurteilung der Liquidität wesentlich.
Der komfortable Cash-Puffer bekommt dadurch eine andere Perspektive
Auf dem Bankkonto liegen zum Jahresende 1.147.620 Euro.
Für 2025 werden aus den genannten Miet-, Pacht-, Wartungs- und Betriebsführungsverträgen Verpflichtungen von 886.388 Euro angegeben.
Rein rechnerisch entspricht das bereits rund 77 Prozent des Bankguthabens zum Jahresende 2024.
Natürlich wäre es methodisch falsch, daraus zu folgern, dass das Bankkonto deshalb 2025 automatisch auf rund 261.000 Euro zusammenschrumpft.
Ein laufender Windpark erzielt schließlich auch Einnahmen. Diese fehlen jedoch in den vorgelegten Angaben, weil keine vollständige Gewinn- und Verlustrechnung veröffentlicht beziehungsweise hier vorgelegt wurde.
Gerade deshalb zeigt dieser Vergleich, warum der hohe Kassenbestand allein nicht genügt, um die künftige Liquidität abschließend einzuschätzen.
Rückstellungen erreichen inzwischen 915.000 Euro
Eine weitere gewichtige Position sind die Rückstellungen.
Sie steigen von 868.385,84 Euro auf 915.097,67 Euro.
Das ist ein Zuwachs um 46.711,83 Euro beziehungsweise rund 5,4 Prozent.
Damit sind die Rückstellungen inzwischen fast fünfmal so hoch wie die ausgewiesenen Verbindlichkeiten.
Welche einzelnen Risiken oder Verpflichtungen hinter den 915.098 Euro stehen, wird im vorgelegten Anhang nicht näher aufgeschlüsselt.
Der Anhang erläutert lediglich, dass alle erkennbaren Risiken und ungewissen Verpflichtungen berücksichtigt werden und zukünftige Preis- und Kostensteigerungen in die Bewertung einfließen.
Rückstellungen mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr werden entsprechend den handelsrechtlichen Vorgaben abgezinst.
Gerade bei Windparkgesellschaften können langfristige Verpflichtungen eine erhebliche Rolle spielen. Aus diesem Abschluss allein lässt sich jedoch nicht belastbar bestimmen, welche konkreten Sachverhalte den Rückstellungsbetrag dominieren.
Eigenkapital sinkt um 819.002 Euro
Noch interessanter wird es beim Eigenkapital.
Dieses sank von
2.292.523,91 Euro auf 1.473.521,58 Euro.
Der Rückgang beträgt 819.002,33 Euro beziehungsweise rund 35,7 Prozent.
Das klingt zunächst dramatisch.
Die Eigenkapitalquote erzählt jedoch eine überraschend andere Geschichte.
Ende 2023 lag sie bei rund 58,1 Prozent.
Ende 2024 beträgt sie rund 57,3 Prozent.
Obwohl also mehr als 819.000 Euro Eigenkapital aus der Bilanz verschwunden sind, bleibt die Eigenkapitalquote nahezu stabil.
Der Grund ist einfach: Die gesamte Bilanz ist fast ebenso stark geschrumpft.
Das Unternehmen besitzt weniger Eigenkapital – aber gleichzeitig auch eine erheblich kleinere Bilanz und wesentlich weniger Verbindlichkeiten.
Deshalb wäre die Überschrift „Eigenkapitalquote bricht ein“ hier falsch.
Sie tut es gerade nicht.
Das eigentliche Rätsel steckt in den Kommanditistenkonten
Der Eigenkapitalrückgang lässt sich vollständig auf die Kapitalanteile zurückführen.
Die Kapitalanteile der Kommanditisten sinken von
2.261.070,44 Euro auf 1.442.068,11 Euro.
Differenz:
819.002,33 Euro.
Die Rücklagen bleiben dagegen exakt bei 31.453,47 Euro.
Und sowohl 2023 als auch 2024 beträgt der Bilanzgewinn beziehungsweise Bilanzverlust 0 Euro.
Das bedeutet: Die gesamte Veränderung des ausgewiesenen Eigenkapitals steckt in den Kapitalanteilen.
Was daraus nicht folgt, ist ebenso wichtig.
Die 819.002 Euro dürfen nicht ohne weitere Informationen als Jahresverlust bezeichnet werden. Ebenso wenig kann man aus den veröffentlichten Angaben sicher sagen, dass exakt dieser Betrag an die Kommanditisten ausgeschüttet oder entnommen wurde.
Dafür fehlen Informationen über die Entwicklung der Gesellschafterkonten und das Jahresergebnis.
Null Euro Bilanzgewinn bedeutet nicht null Euro Gewinn
Gerade bei einer GmbH & Co. KG kann die Darstellung des Eigenkapitals leicht fehlinterpretiert werden.
Dass in der Bilanz ein Bilanzgewinn/Bilanzverlust von null Euro steht, bedeutet nicht automatisch, dass die Gesellschaft im Jahr 2024 exakt ein Ergebnis von null Euro erzielt hat.
Gewinne und Verluste können bei Personengesellschaften über die Kapitalkonten der Gesellschafter abgebildet werden.
Deshalb kann aus der vorliegenden Bilanz nicht seriös bestimmt werden, wie profitabel der Windpark 2024 tatsächlich gearbeitet hat.
Dafür wäre die Gewinn- und Verlustrechnung entscheidend.
1,47 Millionen Euro Eigenkapital bleiben übrig
Anders als beim ebenfalls für 2024 veröffentlichten EOS Windpark Dornbock ist die Eigenkapitalsituation bei Fuchsberg trotz des Rückgangs keineswegs dünn.
Zum Jahresende stehen noch 1.473.521,58 Euro Eigenkapital in der Bilanz.
Bei einer Bilanzsumme von 2.572.957,07 Euro entspricht das rund 57,3 Prozent.
Rückstellungen und Verbindlichkeiten zusammen betragen
1.099.435,49 Euro.
Damit liegt das Eigenkapital sogar noch rund 374.086 Euro über der Summe aus Rückstellungen und bilanzierten Verbindlichkeiten.
Auf reiner Bilanzebene ist das eine robuste Kapitalstruktur.
Die langfristigen außerbilanziellen Vertragsverpflichtungen müssen allerdings zusätzlich im Blick behalten werden.
Auffälliger Rechnungsabgrenzungsposten halbiert sich
Auch der aktive Rechnungsabgrenzungsposten verändert sich deutlich.
Er sinkt von 250.512,80 Euro auf 117.077,81 Euro.
Das entspricht einem Rückgang um 133.434,99 Euro beziehungsweise rund 53,3 Prozent.
Der Anhang liefert hierzu einen interessanten Hinweis: In diesem Posten befindet sich unter anderem ein aktiviertes Disagio, das planmäßig über die Laufzeit von Darlehen abgeschrieben wird.
Das ist bemerkenswert, weil zum Bilanzstichtag gleichzeitig nur noch relativ geringe Verbindlichkeiten ausgewiesen werden.
Aus den vorliegenden Angaben lässt sich allerdings nicht erkennen, wie hoch das Disagio innerhalb des gesamten Rechnungsabgrenzungspostens konkret ist und auf welche Darlehen es sich bezieht.
Deshalb sollte daraus kein vermeintlicher Widerspruch konstruiert werden.
Finanzanlage bleibt unverändert bei 25.000 Euro
Die Finanzanlagen stehen sowohl 2023 als auch 2024 mit exakt 25.000 Euro in der Bilanz.
Der Anhang erklärt dazu eine Besonderheit: Die EOS Windpark Fuchsberg GmbH & Co. KG ist selbst alleinige Gesellschafterin ihrer persönlich haftenden Gesellschafterin, der EOS Windpark Fuchsberg Verwaltungsgesellschaft mbH.
Diese verfügt über ein gezeichnetes Kapital von ebenfalls 25.000 Euro.
Da die Komplementärgesellschaft weder eine Einlage in die KG geleistet hat noch an deren Ergebnis beteiligt ist, wurde nach Angaben des Anhangs auf einen Ausgleichsposten nach § 264c Abs. 4 HGB verzichtet.
Keine Arbeitnehmer
Die Windparkgesellschaft beschäftigte 2024 keine Arbeitnehmer.
Die Geschäftsführung erfolgt über die Komplementärgesellschaft und deren Geschäftsführer Patrick Béguin, Thierry Lainé und Bertrand Hubert Frederic Chaillot.
Eigentümerin der Windparkgesellschaft ist die EOS Wind Deutschland GmbH. Der übergeordnete Konzernabschluss wird nach den vorliegenden Angaben von der EOS Holding SA in Lausanne erstellt.
Das zeigt die Einbindung des Windparks in eine größere Unternehmensgruppe.
Vier Zahlen erzählen die Geschichte des Jahres
Besonders interessant ist die Gegenüberstellung der großen Bewegungen.
Das Eigenkapital sinkt um 819.002 Euro.
Das Bankguthaben sinkt um 715.353 Euro.
Die Verbindlichkeiten sinken um 600.381 Euro.
Das Sachanlagevermögen sinkt um 612.144 Euro.
Alle vier Veränderungen sind erheblich.
Sie dürfen jedoch nicht einfach miteinander verrechnet und zu einer vermeintlichen Zahlungsbewegung zusammengesetzt werden.
Ein Bilanzvergleich zeigt Bestandsveränderungen zwischen zwei Stichtagen. Er ist keine Kapitalflussrechnung.
Beispielsweise kann das Sachanlagevermögen durch Abschreibungen sinken, ohne dass dadurch im Jahr 2024 Geld abgeflossen ist. Ebenso kann sich ein Kapitalkonto durch Ergebniszuweisungen oder Entnahmen verändern. Und ein Rückgang der Verbindlichkeiten kann durch Zahlungen, Verrechnungen oder andere Vorgänge entstehen.
Genau deshalb wäre eine Aussage wie „819.000 Euro wurden ausgeschüttet“ auf Basis dieses Abschlusses nicht belastbar.
Was positiv auffällt
Trotz der starken Bilanzverkürzung gibt es mehrere robuste Kennzahlen.
Die Gesellschaft besitzt weiterhin 1,148 Millionen Euro Cash und weitere 1,184 Millionen Euro Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände.
Dem stehen nur 184.338 Euro bilanzierte Verbindlichkeiten gegenüber.
Die Verbindlichkeiten wurden um mehr als drei Viertel reduziert.
Die Eigenkapitalquote bleibt mit rund 57 Prozent hoch.
Es gibt keine ausgewiesenen langfristigen Verbindlichkeiten.
Und das gesamte Umlaufvermögen übersteigt die bilanzierten Verbindlichkeiten um mehr als 2,147 Millionen Euro.
Von einer bilanziellen Überschuldung oder akuten Liquiditätskrise kann anhand dieser Zahlen deshalb keine Rede sein.
Was kritisch auffällt
Auf der anderen Seite stehen ebenfalls gewichtige Punkte.
Das Eigenkapital ist absolut um 819.002 Euro gefallen.
Der Kassenbestand ist um 715.353 Euro gesunken.
Das Sachanlagevermögen besitzt Ende 2024 nur noch einen Buchwert von knapp 100.000 Euro.
Die Rückstellungen liegen mit 915.098 Euro auf einem hohen Niveau und sind nochmals gestiegen.
Und vor allem bestehen 3,78 Millionen Euro langfristige beziehungsweise zukünftige finanzielle Verpflichtungen aus Miet-, Pacht-, Wartungs- und Betriebsführungsverträgen.
Davon werden allein 886.388 Euro im Jahr 2025 fällig.
Die wirtschaftliche Tragfähigkeit dieser Verpflichtungen hängt letztlich davon ab, welche laufenden Erlöse und Cashflows der Windpark erwirtschaftet.
Und genau diese Informationen fehlen.
Die entscheidende Kennzahl fehlt: der Gewinn 2024
Das ist die größte Schwäche einer Analyse auf Basis der vorgelegten Veröffentlichung.
Es gibt keine vollständige Gewinn- und Verlustrechnung.
Damit fehlen unter anderem Umsatz, sonstige betriebliche Erträge, Abschreibungsaufwand, Wartungskosten, Pachtaufwand, Zinsaufwand, Steuern und insbesondere der Jahresüberschuss beziehungsweise Jahresfehlbetrag 2024.
Gerade der extreme Rückgang des Sachanlagevermögens um 612.144 Euro macht die fehlende GuV besonders relevant.
Sollte ein erheblicher Teil dieses Rückgangs aus Abschreibungen stammen, könnten diese das handelsrechtliche Jahresergebnis stark beeinflusst haben, ohne gleichzeitig einen entsprechenden Zahlungsmittelabfluss auszulösen.
Ohne GuV lässt sich das nicht auflösen.