Der Jahresbericht des VM Income Plus zum 30. April 2026 zeigt einen noch jungen, inzwischen aber deutlich gewachsenen Mischfonds, der Aktien mit Übernahmethemen und Unternehmensanleihen kombiniert. Angeboten werden die Anteilklassen V, R und I. Aus Anlegersicht fällt die Bilanz insgesamt ordentlich aus: Die etablierte Anteilklasse V erzielte eine positive Wertentwicklung bei vergleichsweise niedriger Schwankungsintensität. Gleichzeitig ist die Aktienseite des Portfolios deutlich konzentrierter, als es die annähernd hälftige Aufteilung zwischen Aktien und Anleihen zunächst vermuten lässt.
Strategie: Mischfonds mit ungewöhnlichem Aktienschwerpunkt
Der Fonds investiert mindestens 25 % in Aktien und kann bis zu 75 % vorwiegend in Unternehmensanleihen anlegen. Innerhalb des Aktiensegments werden insbesondere Titel aus dem deutschsprachigen Raum berücksichtigt, bei denen Übernahmethemen eine Rolle spielen. Der Fonds verfolgt dabei einen Absolute-Return-Ansatz und ist nicht an eine Benchmark gebunden.
Zum 30. April 2026 betrug das Fondsvermögen 89,93 Mio. Euro. Davon entfielen 50,65 % auf Aktien, 47,52 % auf Anleihen und lediglich 1,83 % auf Kasse, Forderungen und Verbindlichkeiten. Damit ist der Fonds faktisch nahezu hälftig zwischen Aktien- und Rentenrisiken aufgeteilt. Das Anleiheportfolio sorgt für einen gewissen Stabilisierungseffekt, während die Aktienkomponente die zusätzlichen Renditechancen liefern soll.
Rendite überzeugt vor allem bei der etablierten V-Tranche
Die wichtigste Aussage zur bisherigen Leistungsfähigkeit liefert die bereits über das gesamte Geschäftsjahr bestehende Anteilklasse V. Sie erzielte eine Performance von 4,79 % bei einer durchschnittlichen Volatilität von lediglich 2,76 %. Die neu aufgelegte R-Tranche erreichte seit dem 15. Oktober 2025 0,72 %, die seit dem 12. Dezember 2025 bestehende I-Tranche 1,11 %. Aufgrund der kurzen Laufzeit sind diese beiden Werte allerdings noch kaum aussagekräftig.
Positiv ist insbesondere das Verhältnis von Rendite zu Schwankung bei der V-Tranche. Eine Jahresrendite von knapp 5 % bei einer Volatilität von unter 3 % entspricht grundsätzlich dem Anspruch eines eher defensiv ausgerichteten Absolute-Return-Konzepts.
Das Ergebnis der V-Tranche belief sich auf 2,48 Mio. Euro. Davon stammten rund 1,47 Mio. Euro aus realisierten Ergebnissen und weitere rund 1,01 Mio. Euro aus nicht realisierten Wertsteigerungen. Ein erheblicher Teil des Jahreserfolgs war damit zum Bilanzstichtag noch nicht durch Verkäufe realisiert. Anleger sollten deshalb nicht davon ausgehen, dass sich das komplette Jahresergebnis bereits in dauerhaft vereinnahmten Gewinnen manifestiert hat.
Starkes Mittelwachstum spricht für zunehmende Akzeptanz
Besonders auffällig ist das Wachstum der etablierten V-Tranche. Ihr Vermögen erhöhte sich von 30,42 Mio. Euro auf 67,22 Mio. Euro. Der Anteilwert stieg gleichzeitig von 52,09 Euro auf 53,29 Euro.
Der starke Vermögensanstieg ist allerdings nicht primär auf Wertsteigerungen zurückzuführen, sondern vor allem auf erhebliche Anlegerzuflüsse. Allein die V-Tranche verzeichnete netto rund 35,76 Mio. Euro Mittelzuflüsse. Zusätzlich flossen erhebliche Beträge in die neu geschaffenen R- und I-Tranchen. Das ist grundsätzlich ein positives Signal für die Marktakzeptanz des Fonds.
Größtes Risiko: hohe Konzentration innerhalb des Aktienportfolios
Der scheinbar ausgewogenen Gesamtallokation steht eine ausgesprochen konzentrierte Aktienauswahl gegenüber. Die fünf größten Positionen waren:
Pfeiffer Vacuum Technology: 7,80 %
Schaltbau Holding: 6,91 %
Adtran Networks: 6,20 %
DMG Mori: 5,01 %
Osram Licht: 4,54 %
Zusammen machen diese fünf Aktien 30,46 % des gesamten Fondsvermögens aus. Rechnerisch entfallen damit rund 60 % des gesamten Aktienportfolios allein auf fünf Unternehmen.
Das ist für Anleger der wesentliche Risikopunkt des Fonds. Die Rentenseite ist breit über zahlreiche Emittenten und Branchen gestreut, die Aktienseite dagegen bewusst fokussiert. Einzelne Unternehmensereignisse, Übernahmeprozesse oder Bewertungsänderungen können deshalb einen überproportionalen Einfluss auf den Fonds haben.
Diese Konzentration ist allerdings nicht zufällig, sondern unmittelbarer Bestandteil der Strategie: Das Fondsmanagement sucht gezielt Unternehmen mit Übernahmethemen. Anleger kaufen damit kein klassisches breit diversifiziertes 50/50-Aktien-Anleihen-Portfolio, sondern ein spezialisiertes Mischfondskonzept.
Ausschüttungen genau betrachten
Der Fonds schüttete bei der V-Tranche 1,30 Euro je Anteil aus. Davon wurden 1,17 Euro durch das realisierte Ergebnis gedeckt, während 0,13 Euro aus dem Sondervermögen zugeführt wurden. Das ist noch vergleichsweise unproblematisch.
Deutlich anders sieht es bei den neu aufgelegten Tranchen aus. Die R-Tranche schüttete 1,23 Euro je Anteil aus, obwohl das realisierte Jahresergebnis lediglich 0,21 Euro je Anteil betrug. 1,02 Euro je Anteil wurden aus dem Sondervermögen zugeführt.
Bei der I-Tranche war dieser Effekt noch ausgeprägter: Von der Ausschüttung von 2.466,80 Euro je Anteil entfielen lediglich 365,13 Euro auf das realisierte Ergebnis, während 2.101,67 Euro aus dem Sondervermögen bereitgestellt wurden.
Für einkommensorientierte Anleger ist dies ein wichtiger Unterschied. Eine hohe Ausschüttung ist nicht mit einer entsprechend hohen erwirtschafteten Rendite gleichzusetzen. Insbesondere bei R und I wurde der überwiegende Teil der Ausschüttung im ersten kurzen Geschäftsjahr aus der Fondssubstanz finanziert.
Kosten: akzeptabel, aber Anteilklasse entscheidend
Die laufenden Gesamtkosten unterscheiden sich deutlich zwischen den Anteilklassen. Die ausgewiesenen Gesamtkostenquoten ohne Performancefee und Transaktionskosten betragen:
VM Income Plus I: 0,78 %
VM Income Plus V: 1,02 %
VM Income Plus R: 1,32 %
Bei der V-Tranche kam zusätzlich eine erfolgsabhängige Vergütung von 0,06 % hinzu. Die gesamten separat ausgewiesenen Transaktionskosten des Fonds beliefen sich auf 24.105,68 Euro.
Die I-Tranche besitzt damit strukturell den Kostenvorteil, dürfte aufgrund ihres sehr hohen Anteilpreises beziehungsweise ihrer Ausgestaltung jedoch vor allem für institutionelle bzw. größere Anleger relevant sein. Für Privatanleger belastet insbesondere die Kostenquote der R-Tranche von 1,32 % die langfristige Nettorendite.
Liquiditätsschutz verbessert – aber mit Konsequenzen für Anleger
Im Berichtsjahr wurden zudem neue Instrumente des Liquiditätsmanagements eingeführt. Vorgesehen sind Gating und partielles Swing Pricing. Beim Gating kann die Gesellschaft bei außergewöhnlich hohen Rückgabeverlangen die Rücknahme von Fondsanteilen zeitweise anteilig beschränken. Beim Swing Pricing können die bei starken Mittelbewegungen entstehenden Transaktionskosten stärker den ein- beziehungsweise aussteigenden Anlegern zugerechnet werden.
Für langfristige Anleger kann Swing Pricing einen Schutz vor Verwässerung bieten. Gating bedeutet gleichzeitig aber, dass in Stressphasen nicht garantiert ist, dass ein Anleger seine gesamte gewünschte Position unmittelbar zurückgeben kann.
Nachhaltigkeit spielt nur eine untergeordnete Rolle
Der VM Income Plus ist kein Fonds mit ausgeprägtem nachhaltigem Anlageziel. Die Investitionen berücksichtigen ausdrücklich nicht die EU-Kriterien für ökologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten; zudem werden Principal Adverse Impacts im Rahmen der fondsspezifischen Anlagestrategie nicht berücksichtigt. Für Anleger mit strengen ESG-Anforderungen ist das Produkt daher nur eingeschränkt geeignet.
Anlegerfazit
Der VM Income Plus liefert für das Geschäftsjahr 2025/26 ein insgesamt überzeugendes Bild, vor allem hinsichtlich der etablierten V-Tranche. Eine Rendite von 4,79 % bei nur 2,76 % Volatilität ist für ein defensiver ausgerichtetes Mischfondskonzept attraktiv. Hinzu kommen erhebliche Nettomittelzuflüsse, ein stark gestiegenes Fondsvolumen und eine nahezu ausgewogene Kombination aus Aktien und Unternehmensanleihen.
Die Kehrseite liegt in der Konstruktion des Aktienportfolios. Rund 30,5 % des gesamten Fondsvermögens beziehungsweise rechnerisch etwa 60 % der Aktienpositionen stecken in nur fünf Unternehmen. Damit hängt der Erfolg stärker von einigen speziellen Übernahme- und Sondersituationen ab, als die Bezeichnung eines klassischen Mischfonds vermuten lassen könnte. Anleger müssen dem aktiven Fondsmanagement deshalb deutlich mehr Vertrauen entgegenbringen als bei einem breit diversifizierten Portfolio.
Auch die Ausschüttungspolitik verdient Aufmerksamkeit: Während die Ausschüttung der V-Tranche weitgehend durch erwirtschaftete Ergebnisse gedeckt war, wurden die Auszahlungen der jungen R- und I-Tranche größtenteils aus dem Sondervermögen finanziert. Anleger sollten deshalb stärker auf die Gesamtrendite und die Entwicklung des Anteilwerts achten als auf die nominale Ausschüttung.
Insgesamt erscheint der VM Income Plus damit als interessanter, aktiv gemanagter Mischfonds für Anleger, die eine relativ schwankungsarme Rendite anstreben und gleichzeitig bereit sind, das Konzentrations- und Managementrisiko der spezialisierten Übernahmestrategie zu akzeptieren. Für Anleger, die maximale Diversifikation, vollständig ertragsgedeckte Ausschüttungen oder einen klaren ESG-Schwerpunkt suchen, ist das Konzept dagegen weniger überzeugend.
Positiv abzurunden ist, dass der unabhängige Abschlussprüfer den Jahresbericht ohne erkennbare Beanstandung bestätigt und feststellt, dass er in allen wesentlichen Belangen den Vorgaben des KAGB entspricht und ein umfassendes Bild der tatsächlichen Verhältnisse und Entwicklungen des Sondervermögens ermöglicht.