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EOS Windpark Kleinpaschleben: Eigenkapital bricht um 87 Prozent ein – gleichzeitig verschwindet mehr als eine Million Euro Bankguthaben
Warnungen der englischen Finanzmarktaufsicht FCA

EOS Windpark Kleinpaschleben: Eigenkapital bricht um 87 Prozent ein – gleichzeitig verschwindet mehr als eine Million Euro Bankguthaben

Mohamed_hassan (CC0), Pixabay

Der Jahresabschluss 2024 der EOS Windpark Kleinpaschleben GmbH & Co. KG zeigt eine Gesellschaft mit einer erheblich veränderten Finanzierungs- und Vermögensstruktur. Innerhalb nur eines Jahres sinkt das ausgewiesene Eigenkapital von knapp 796.000 Euro auf rund 103.000 Euro, während das Bankguthaben um mehr als 1,08 Millionen Euro zurückgeht. Gleichzeitig steigen die Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen stark an.

Auf der anderen Seite gibt es wichtige Entlastungssignale: Die Verbindlichkeiten bleiben nahezu stabil, die Gesellschafterverbindlichkeiten gehen sogar zurück, und die Ende 2023 noch ausgewiesenen 879.289 Euro sonstigen finanziellen Verpflichtungen sind Ende 2024 vollständig verschwunden.

Die Bilanzsumme fällt von 2.601.137,69 Euro auf 1.946.592,68 Euro. Das entspricht einem Rückgang um 654.545,01 Euro beziehungsweise 25,2 Prozent. Die veröffentlichten 2024er Eckdaten und die Veröffentlichung des Abschlusses am 19. Februar 2026 werden auch von aktuellen Unternehmensdaten bestätigt.

Das größte Fragezeichen steckt jedoch im Eigenkapital.

Eigenkapital fällt um fast 693.000 Euro

Ende 2023 verfügte die Gesellschaft noch über 795.808,25 Euro Eigenkapital.

Ende 2024 sind es lediglich 102.947,50 Euro.

Der Rückgang beträgt damit exakt 692.860,75 Euro beziehungsweise rund 87,1 Prozent.

Damit bleibt nur noch knapp ein Achtel des Vorjahres-Eigenkapitals übrig.

Noch deutlicher wird die Veränderung bei den Kapitalanteilen. Sie fallen von 692.861,75 Euro auf gerade einmal 1 Euro.

Die Rücklage von 102.946,50 Euro bleibt dagegen vollständig erhalten. Auch Bilanzgewinn beziehungsweise Bilanzverlust werden in beiden Jahren mit null Euro ausgewiesen.

Damit ist klar: Der gesamte Eigenkapitalrückgang steckt in der Veränderung der Kommanditisten-Kapitalanteile.

Kommanditistenkapital fällt von 693.862 auf 1.001 Euro

Die eigentlichen Kapitalanteile der Kommanditisten sinken von 693.861,75 Euro auf 1.001 Euro.

Davon werden weiterhin 1.000 Euro als nicht eingeforderte ausstehende Einlage abgezogen.

Übrig bleibt bilanziell ein eingefordertes Kapital von 1 Euro.

Das ist eine außergewöhnliche Veränderung.

Sie darf allerdings nicht mit einem Jahresverlust von 692.861 Euro gleichgesetzt werden.

Der vorgelegte Abschluss enthält keine vollständige Gewinn- und Verlustrechnung und nennt für 2024 auch keinen Jahresüberschuss beziehungsweise Jahresfehlbetrag. Deshalb lässt sich anhand der 2024er Veröffentlichung nicht bestimmen, ob die Veränderung aus Ergebniszuweisungen, Entnahmen, Verrechnungen oder anderen Veränderungen der Gesellschafterkonten entstanden ist.

Gerade bei dieser Gesellschaft lohnt der Blick auf 2023.

2023 hatte Kleinpaschleben noch 899.443 Euro Gewinn erzielt

Der Vorjahresabschluss enthält eine wichtige Information, die hilft, die Eigenkapitaldarstellung der KG zu verstehen.

2023 erwirtschaftete die Gesellschaft einen Jahresüberschuss von 899.442,92 Euro. Davon wurden nach dem damaligen Anhang 441.383,78 Euro auf das Verlustvortragskonto und 458.059,14 Euro auf das Gesellschafterverrechnungskonto gebucht.

Das zeigt, warum der Bilanzgewinn von null Euro bei dieser Gesellschaft nicht mit einem Jahresergebnis von null gleichgesetzt werden darf.

Die Gesellschafterkonten spielen bei der Ergebnisverwendung eine wesentliche Rolle.

Für 2024 fehlt jedoch die entsprechende Erläuterung.

Deshalb wäre die Behauptung, Kleinpaschleben habe 2024 rund 693.000 Euro Verlust gemacht, nicht durch die vorgelegten Daten gedeckt.

Eigenkapitalquote fällt von 30,6 auf nur noch 5,3 Prozent

Unabhängig von der Ursache hat der Vorgang erhebliche Auswirkungen auf die Bilanzstruktur.

2023 betrug die Eigenkapitalquote noch rund 30,6 Prozent.

2024 sind es nur noch rund 5,29 Prozent.

Damit verliert die Gesellschaft innerhalb eines Jahres mehr als 25 Prozentpunkte Eigenkapitalquote.

Das ist bilanziell eine deutliche Schwächung des Eigenkapitalpuffers.

Ende 2024 stehen 102.947,50 Euro Eigenkapital einer Summe aus Rückstellungen und Verbindlichkeiten von rund 1,844 Millionen Euro gegenüber.

Auf jeden Euro Eigenkapital kommen damit fast 17,9 Euro Rückstellungen und Verbindlichkeiten.

Das klingt zunächst angespannt. Für die tatsächliche finanzielle Lage muss jedoch zusätzlich die Aktivseite betrachtet werden.

Mehr als eine Million Euro Bankguthaben verschwinden

Hier findet sich die zweite spektakuläre Veränderung.

Das Bank- und Kassenguthaben sinkt von

1.936.558,48 Euro auf 852.752,91 Euro.

Damit gehen die liquiden Mittel innerhalb eines Jahres um

1.083.805,57 Euro beziehungsweise rund 56,0 Prozent

zurück.

Mehr als die Hälfte des zum Jahresende 2023 vorhandenen Geldbestands ist Ende 2024 nicht mehr als Liquidität ausgewiesen.

Das ist erheblich.

Aber auch hier gilt: Der Bilanzvergleich zeigt nur, dass das Geld nicht mehr auf den Konten liegt. Er erklärt nicht vollständig, wofür es verwendet wurde.

Eine Kapitalflussrechnung liegt nicht vor.

Deshalb darf beispielsweise nicht behauptet werden, die 1,084 Millionen Euro seien an die Gesellschafter ausgeschüttet worden.

Gleichzeitig verdoppeln sich die Forderungen

Ein Teil der Bilanz bewegt sich allerdings in die entgegengesetzte Richtung.

Die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände steigen von 384.206,21 Euro auf 823.508,77 Euro.

Das entspricht einem Plus von 439.302,56 Euro beziehungsweise rund 114,3 Prozent.

Die Forderungen haben sich damit innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt.

Noch interessanter ist ihre Zusammensetzung.

754.511 Euro Forderungen bestehen gegen verbundene Unternehmen

Von den insgesamt 823.508,77 Euro Forderungen und sonstigen Vermögensgegenständen entfallen laut Anhang 754.510,54 Euro auf Forderungen aus Lieferungen und Leistungen gegenüber verbundenen Unternehmen.

Im Vorjahr waren es lediglich 330.205,25 Euro.

Der Anstieg beträgt damit 424.305,29 Euro beziehungsweise rund 128,5 Prozent.

Die konzerninternen Forderungen haben sich also mehr als verdoppelt.

Gemessen am gesamten Posten Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände machen allein diese Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen rund 91,6 Prozent aus.

Der Anhang erklärt, dass sie aus laufenden Verrechnungen resultieren.

Das ist für die Liquiditätsanalyse wichtig: Ein zunehmender Teil des Umlaufvermögens liegt nicht mehr als Bankguthaben vor, sondern als Forderung – überwiegend innerhalb des Konzernverbunds.

Umlaufvermögen fällt trotzdem um 644.503 Euro

Insgesamt sinkt das Umlaufvermögen von

2.320.764,69 Euro auf 1.676.261,68 Euro.

Das entspricht einem Rückgang um 644.503,01 Euro beziehungsweise rund 27,8 Prozent.

Der massive Rückgang des Bankguthabens wird durch den Forderungsanstieg also nur teilweise kompensiert.

Die Zusammensetzung des Umlaufvermögens hat sich dadurch erheblich verändert.

2023 machten die liquiden Mittel noch rund 83,4 Prozent des Umlaufvermögens aus.

2024 sind es nur noch rund 50,9 Prozent.

Fast die Hälfte des Umlaufvermögens steckt inzwischen in Forderungen und sonstigen Vermögensgegenständen.

Verbindlichkeiten bleiben überraschend stabil

Trotz der starken Veränderungen bei Eigenkapital und Liquidität steigen die Verbindlichkeiten insgesamt nur geringfügig.

2023:

1.179.745,08 Euro

2024:

1.186.735,19 Euro

Das entspricht einem Zuwachs von lediglich 6.990,11 Euro beziehungsweise rund 0,6 Prozent.

Die Gesamtverbindlichkeiten sind also praktisch stabil geblieben.

Das unterscheidet Kleinpaschleben deutlich von einer Situation, in der sinkende Liquidität gleichzeitig mit massiv steigenden externen Schulden einhergeht.

Allerdings besitzen sämtliche Verbindlichkeiten laut Anhang eine Restlaufzeit von höchstens einem Jahr.

Damit ist die gesamte ausgewiesene Verbindlichkeitensumme kurzfristig.

Bankguthaben reicht allein nicht zur Begleichung der Verbindlichkeiten

Vergleicht man ausschließlich die liquiden Mittel mit den Verbindlichkeiten, ergibt sich:

852.752,91 Euro Cash

gegenüber

1.186.735,19 Euro Verbindlichkeiten.

Die Verbindlichkeiten liegen damit rund 333.982 Euro über dem Bankguthaben.

Allein aus den zum Bilanzstichtag vorhandenen liquiden Mitteln könnten sämtliche bilanzierten Verbindlichkeiten rechnerisch also nicht vollständig beglichen werden.

Das ist jedoch ausdrücklich kein Nachweis einer Zahlungsunfähigkeit.

Denn zusätzlich existieren 823.508,77 Euro Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände.

Das gesamte Umlaufvermögen beträgt 1.676.261,68 Euro und liegt damit rund 489.526 Euro über den gesamten Verbindlichkeiten.

Das Verhältnis von Umlaufvermögen zu kurzfristigen Verbindlichkeiten beträgt rund 1,41.

Stichtagsbezogen besteht auf dieser Ebene also weiterhin Deckung.

Allerdings sind 45 Prozent der Verbindlichkeiten nicht durch das Umlaufvermögen „frei“

Für eine vorsichtige Analyse müssen außerdem die Rückstellungen berücksichtigt werden.

Diese steigen von 625.584,36 Euro auf 656.909,99 Euro.

Das entspricht einem Zuwachs von 31.325,63 Euro beziehungsweise rund 5,0 Prozent.

Verbindlichkeiten und Rückstellungen zusammen ergeben damit Ende 2024 rund 1.843.645 Euro.

Das liegt über dem Umlaufvermögen von 1.676.262 Euro.

Allerdings ist auch dieser Vergleich nur eingeschränkt aussagekräftig, weil Rückstellungen keine pauschal sofort fälligen Schulden darstellen. Zeitpunkt und tatsächliche Höhe ihrer Inanspruchnahme können unterschiedlich sein.

Gesellschafterverbindlichkeiten gehen zurück

Interessant ist die Entwicklung innerhalb der Verbindlichkeiten.

Die Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern sinken von

463.860,62 Euro auf 386.492,14 Euro.

Das entspricht einem Rückgang um 77.368,48 Euro beziehungsweise rund 16,7 Prozent.

Sie machen Ende 2024 noch rund 32,6 Prozent der gesamten Verbindlichkeiten aus.

Damit ergibt sich ein bemerkenswertes Bild: Obwohl das ausgewiesene Eigenkapital massiv zurückgeht, steigen die Gesellschafterverbindlichkeiten nicht – sie fallen sogar.

Eine einfache These, wonach das verschwundene Eigenkapital lediglich in Gesellschafterforderungen gegen die KG umgebucht worden sei, lässt sich aus diesen Zahlen deshalb nicht herleiten.

Steuerschulden verdoppeln sich beinahe

Deutlich nach oben gehen dagegen die Steuerverbindlichkeiten.

Sie steigen von 37.235,89 Euro auf 80.803,08 Euro.

Das entspricht einem Zuwachs um 43.567,19 Euro beziehungsweise rund 117 Prozent.

Damit haben sich die ausgewiesenen Steuerverbindlichkeiten innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt.

Allein daraus lässt sich jedoch nicht auf ein Steuerproblem schließen. Dafür fehlen insbesondere Angaben zu Steuerarten, Fälligkeiten und zum steuerlichen Ergebnis.

Der Anstieg ist dennoch eine der auffälligeren Veränderungen innerhalb der kurzfristigen Verpflichtungen.

Sachanlagen verändern sich kaum

Ganz anders sieht es beim eigentlichen Sachanlagevermögen aus.

Der Buchwert sinkt lediglich von 280.373 Euro auf 270.331 Euro.

Das sind exakt 10.042 Euro beziehungsweise rund 3,6 Prozent weniger.

Nach dem Anhang werden die Anlagen planmäßig linear beziehungsweise geometrisch-degressiv abgeschrieben. Die angesetzten Nutzungsdauern reichen von 12 bis 43 Jahren.

Der relativ geringe Rückgang ist grundsätzlich mit planmäßigen Abschreibungen vereinbar. Die exakte Abschreibung lässt sich aus der Bilanz allein allerdings nicht bestimmen, weil ein detaillierter Anlagenspiegel in den vorgelegten Angaben fehlt.

Im Gegensatz zu manchen anderen Windparkbilanzen ist der Rückgang des Anlagevermögens hier jedenfalls nicht der wesentliche Treiber der Bilanzverkürzung.

Der entscheidende Faktor ist das Umlaufvermögen – und dort vor allem das Bankguthaben.

Besonders auffällig: 879.289 Euro Verpflichtungen stehen plötzlich bei null

Eine der wichtigsten positiven Veränderungen findet sich im Anhang.

Ende 2023 bestanden noch 879.289 Euro sonstige finanzielle Verpflichtungen.

Ende 2024 lautet der entsprechende Betrag:

0 Euro.

Der Vorjahresabschluss liefert dafür eine plausible Erklärung. Damals entfielen die Verpflichtungen auf Miet- und Pachtverträge sowie langfristige Wartungs- und Betriebsführungsverträge und waren nach den veröffentlichten Angaben im Wesentlichen für 2024 vorgesehen.

Dass Ende 2024 keine entsprechenden Verpflichtungen mehr ausgewiesen werden, passt deshalb grundsätzlich zum Auslaufen beziehungsweise zur Fälligkeit dieser Vertragsverpflichtungen.

Aber auch hier ist eine wichtige Grenze zu beachten: Daraus lässt sich nicht automatisch ableiten, dass 2024 exakt 879.289 Euro bar bezahlt wurden.

Die Bilanz liefert keine Kapitalflussrechnung.

Das könnte einen Teil des Cash-Rückgangs erklären – beweist ihn aber nicht

Die Größenordnung ist dennoch auffällig.

Das Bankguthaben sinkt um rund 1,084 Millionen Euro.

Gleichzeitig fallen die sonstigen finanziellen Verpflichtungen von 879.289 Euro auf null.

Es wäre daher wirtschaftlich durchaus denkbar, dass die Erfüllung dieser Verträge einen wesentlichen Teil der Zahlungsmittel beansprucht hat.

Aber „denkbar“ ist hier das entscheidende Wort.

Ohne Gewinn- und Verlustrechnung, Kontennachweise und Kapitalflussrechnung kann nicht bestimmt werden, welcher Teil des Cash-Rückgangs tatsächlich auf Pacht, Wartung und Betriebsführung entfiel.

Ebenso wenig ist bekannt, welche laufenden Einnahmen der Windpark während des Jahres erzielt hat.

Blick auf 2023 zeigt eine außergewöhnliche Vorgeschichte

Der Vorjahresabschluss macht die Entwicklung noch interessanter.

2022 hatte Kleinpaschleben eine Bilanzsumme von rund 2,013 Millionen Euro. 2023 sprang sie auf 2,601 Millionen Euro, bevor sie 2024 wieder auf 1,947 Millionen Euro zurückfiel. Die veröffentlichten Langzeitdaten zeigen zugleich, dass die Bilanzsumme 2016 noch rund 5,58 Millionen Euro betragen hatte.

2023 war zudem ein außergewöhnlich ertragsstarkes Jahr: Der bereits erwähnte Jahresüberschuss betrug 899.442,92 Euro.

Gleichzeitig waren die Verbindlichkeiten damals von lediglich 137.374,73 Euro Ende 2022 auf 1.179.745,08 Euro Ende 2023 explodiert.

2024 bleiben sie nun ungefähr auf diesem hohen Niveau.

Das zeigt, dass eine isolierte Betrachtung von nur zwei Bilanzstichtagen die Entwicklung nur teilweise erklärt.

2024 ist deshalb kein einfaches „schlechtes Jahr“

Auf den ersten Blick könnten die Zahlen zu einer vorschnellen Schlussfolgerung verleiten:

Eigenkapital minus 87 Prozent, Bankguthaben minus 56 Prozent, Bilanzsumme minus 25 Prozent – also ein schlechtes Geschäftsjahr.

So einfach ist es jedoch nicht.

Denn gleichzeitig verdoppeln sich die Forderungen, die Gesellschafterverbindlichkeiten gehen zurück und fast 880.000 Euro zuvor bestehender sonstiger finanzieller Verpflichtungen stehen Ende 2024 nicht mehr in den Büchern.

Vor allem aber fehlt das tatsächliche Jahresergebnis.

Ohne GuV kann niemand anhand dieser Bilanz seriös sagen, ob Kleinpaschleben 2024 hochprofitabel, ungefähr ausgeglichen oder verlustreich gearbeitet hat.

Das zentrale Risiko ist die geringe Eigenkapitalquote

Aus Gläubigerperspektive fällt dennoch die niedrige Eigenkapitalausstattung auf.

Nur noch 5,29 Prozent der Bilanzsumme werden durch ausgewiesenes Eigenkapital getragen.

Das bedeutet, dass unerwartete Verluste bilanziell auf einen wesentlich kleineren Eigenkapitalpuffer treffen als noch 2023.

Allerdings sollte auch diese Kennzahl nicht isoliert betrachtet werden.

Die Gesellschaft ist Teil des EOS-Konzernverbunds. Eigentümerin ist die EOS Wind Deutschland GmbH; den Konzernabschluss erstellt nach dem Anhang die EOS Holding SA in Lausanne.

Eine Konzernzugehörigkeit stellt allerdings für sich genommen keine Garantie für die Verpflichtungen der einzelnen KG dar. Ohne entsprechende Patronatserklärung, Garantie oder andere rechtliche Verpflichtung sollte eine solche Unterstützung nicht unterstellt werden.

Keine Mitarbeiter – schlanke Projektgesellschaft

Kleinpaschleben beschäftigte 2024 keine Arbeitnehmer.

Die Geschäftsführung übernimmt die persönlich haftende Gesellschafterin EOS DPK Verwaltung GmbH, vertreten durch Patrick Béguin, Thierry Lainé und Bertrand Hubert Frederic Chaillot.

Die Struktur entspricht damit einer klassischen Projektgesellschaft, bei der wesentliche Leistungen extern beziehungsweise innerhalb eines Unternehmensverbunds erbracht werden.

Der entscheidende blinde Fleck bleibt die GuV

Für eine vollständige wirtschaftliche Bewertung fehlen mehrere entscheidende Größen.

Insbesondere sind aus dem vorgelegten 2024er Zahlenwerk Umsatz, Stromerlöse, Jahresüberschuss beziehungsweise Jahresfehlbetrag, Abschreibungen, Wartungs- und Pachtaufwendungen, Zinsaufwendungen und operativer Cashflow nicht ersichtlich.

Deshalb können zwei der auffälligsten Entwicklungen nicht abschließend erklärt werden:

der Rückgang der Kapitalanteile um 692.860,75 Euro und der Rückgang des Bankguthabens um 1.083.805,57 Euro.

Gerade eine Kapitalflussrechnung beziehungsweise die Entwicklung der Gesellschafterkonten wäre hier besonders aufschlussreich.

Fazit: Dünnes Eigenkapital und deutlich weniger Cash – aber keine Grundlage für eine Krisendiagnose

Der Jahresabschluss 2024 der EOS Windpark Kleinpaschleben GmbH & Co. KG zeigt eine massive Bilanzverschiebung.

Das Eigenkapital fällt von 795.808 Euro auf 102.948 Euro und damit um 87,1 Prozent. Die Eigenkapitalquote sinkt von rund 30,6 auf 5,3 Prozent. Gleichzeitig reduziert sich das Bankguthaben um 1,084 Millionen Euro auf 852.753 Euro.

Auf der anderen Seite steigen die Forderungen auf 823.509 Euro, darunter allein 754.511 Euro gegenüber verbundenen Unternehmen. Die Gesamtverbindlichkeiten bleiben mit 1,187 Millionen Euro nahezu unverändert, während die darin enthaltenen Gesellschafterverbindlichkeiten sogar um rund 77.000 Euro zurückgehen.

Besonders bemerkenswert ist außerdem, dass die Ende 2023 noch vorhandenen 879.289 Euro sonstigen finanziellen Verpflichtungen Ende 2024 vollständig entfallen.

Damit ergibt sich kein eindeutiges Krisenbild. Die niedrige Eigenkapitalquote und der starke Liquiditätsrückgang sind klar kritische Punkte. Gleichzeitig übersteigt das Umlaufvermögen die gesamten kurzfristigen Verbindlichkeiten weiterhin deutlich, und erhebliche künftige Vertragsverpflichtungen sind aus dem Anhang verschwunden.

Die spannendste Frage bleibt deshalb unbeantwortet: Warum wurden die Kapitalanteile der Kommanditisten praktisch auf null reduziert, obwohl die Gesellschaft noch 2023 einen Jahresüberschuss von fast 900.000 Euro erzielt hatte?

Ausgerechnet das Jahresergebnis 2024 und die Entwicklung der Gesellschafterkonten fehlen in den vorliegenden Angaben. Ohne diese Informationen wäre jede Behauptung, die 692.861 Euro seien „verloren“, „ausgeschüttet“ oder anderweitig abgeflossen, Spekulation. Der Abschluss zeigt eine tiefgreifende Veränderung der Bilanz – aber nicht vollständig deren wirtschaftliche Ursache.

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