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Tarifstreit eskaliert an deutschen Seehäfen: Beschäftigte lehnen 5,1-Prozent-Angebot ab – neue Streiks drohen

wewahn (CC0), Pixabay

Der Tarifkonflikt in den deutschen Seehäfen spitzt sich erneut zu. Die Hafenbeschäftigten haben das jüngste Angebot der Arbeitgeber mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Damit steigt das Risiko neuer Warnstreiks in Hamburg und weiteren wichtigen Nordseehäfen.

Betroffen sind rund 12.000 Beschäftigte in den deutschen Seehafenbetrieben. Nach Angaben der Gewerkschaft ver.di beteiligten sich etwa 6.000 Beschäftigte an einer Befragung über das vorgelegte Arbeitgeberangebot. Eine breite Mehrheit sprach sich gegen eine Annahme aus.

Damit ist eine schnelle Einigung im Tarifstreit zunächst wieder in die Ferne gerückt.

Die Gewerkschaft schließt neue Warnstreiks ausdrücklich nicht aus. Die Arbeitgeber reagieren mit deutlicher Kritik und warnen davor, die Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit der deutschen Seehäfen zu gefährden.

5,1 Prozent mehr reichen den Beschäftigten nicht

Dabei hatten die Arbeitgeber ihr Angebot bereits nachgebessert.

Der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) bietet nach Angaben von ver.di eine Lohnerhöhung um 5,1 Prozent an.

Die Erhöhung soll rückwirkend zum 1. August 2026 gelten.

Zusätzlich ist eine Mindesterhöhung von 1,20 Euro pro Stunde vorgesehen. Der vorgeschlagene Tarifvertrag soll eine Laufzeit von 18 Monaten haben.

Für die Beschäftigten war dieses Paket offenbar nicht ausreichend.

Die Gewerkschaft fordert eine Erhöhung der Stundenlöhne um 8,2 Prozent, mindestens jedoch um 2,50 Euro pro Stunde.

Zudem verlangt ver.di eine deutlich kürzere Laufzeit von lediglich zwölf Monaten.

Zwischen beiden Seiten besteht damit weiterhin eine erhebliche Lücke.

Nicht nur die Prozente trennen beide Seiten

Der Konflikt lässt sich dabei nicht allein auf die Differenz zwischen 5,1 und 8,2 Prozent reduzieren.

Mindestens ebenso wichtig sind die geforderten Mindestbeträge.

Die Arbeitgeber bieten mindestens 1,20 Euro zusätzlich pro Stunde, ver.di verlangt mindestens 2,50 Euro.

Gerade für Beschäftigte in niedrigeren Entgeltgruppen können solche Festbeträge besonders relevant sein. Denn eine prozentuale Erhöhung führt bei einem niedrigeren Ausgangslohn automatisch zu einem geringeren absoluten Plus.

Hinzu kommt der Streit über die Laufzeit.

Die Arbeitgeber wollen mit 18 Monaten länger Planungssicherheit. Die Gewerkschaft fordert zwölf Monate und könnte damit entsprechend früher wieder über neue Lohnerhöhungen verhandeln.

Beschäftigte lehnen Angebot mit breiter Mehrheit ab

Bemerkenswert ist vor allem die deutliche Ablehnung innerhalb der Belegschaften.

Rund 6.000 Hafenbeschäftigte beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben an der Befragung. Eine breite Mehrheit votierte gegen das Angebot.

Damit verfügt die ver.di-Verhandlungsführung über ein klares Signal aus den Betrieben.

Bereits zuvor hatten Arbeitgeber und Gewerkschaft hinter verschlossenen Türen miteinander verhandelt. Zweimal legten die Hafenunternehmen Angebote für Lohnerhöhungen von mehr als fünf Prozent vor.

In beiden Fällen wollte ver.di eine mögliche Einigung jedoch nicht ohne Rückkopplung mit den Beschäftigten abschließen.

Die Arbeitnehmer haben nun deutlich gemacht, dass ihnen das aktuelle Angebot nicht weit genug geht.

Neue Warnstreiks sind nicht ausgeschlossen

Damit wächst die Gefahr neuer Arbeitsniederlegungen.

Die ver.di-Verhandlungsführung erklärte nach dem Abstimmungsergebnis, dass Warnstreiks nicht ausgeschlossen seien.

Wann und an welchen Standorten solche Aktionen stattfinden könnten, geht aus den vorliegenden Angaben zunächst nicht hervor.

Sollte die Gewerkschaft tatsächlich erneut zu Arbeitsniederlegungen aufrufen, könnte der Tarifkonflikt schnell über die unmittelbar betroffenen Betriebe hinaus Bedeutung bekommen.

Denn Deutschlands Seehäfen sind zentrale Umschlagplätze für den internationalen Warenverkehr.

Hamburg und weitere große Nordseehäfen betroffen

Der Tarifkonflikt betrifft Beschäftigte in mehreren bedeutenden Hafenstandorten.

Dazu gehören Hamburg, Bremen, Bremerhaven, Emden, Brake und Wilhelmshaven.

Damit stehen nicht einzelne kleine Hafenbetriebe im Mittelpunkt, sondern wichtige Knotenpunkte des deutschen Außenhandels.

Über die Häfen werden Container, Fahrzeuge, Rohstoffe, Lebensmittel, Maschinen und zahlreiche andere Güter umgeschlagen.

Arbeitsniederlegungen können deshalb Auswirkungen auf Terminalbetrieb und Warenabfertigung haben.

Wie groß mögliche Beeinträchtigungen tatsächlich wären, hängt allerdings von Dauer, Umfang und den konkret betroffenen Betrieben ab. Von der bloßen Streikandrohung kann deshalb noch nicht auf konkrete Lieferengpässe geschlossen werden.

Arbeitgeber halten weitere Forderungen für problematisch

Die Arbeitgeber reagieren auf die Ablehnung mit deutlicher Kritik.

Sie bezeichnen die mögliche Fortsetzung der Warnstreiks als unverhältnismäßig und appellieren an die Gewerkschaft, verantwortungsvoll zu handeln.

Aus ihrer Sicht steht mehr auf dem Spiel als die unmittelbare Lohnfrage.

Die Arbeitgeber warnen davor, durch weitere Arbeitskämpfe die Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit der deutschen Seehäfen zu gefährden.

Gerade im internationalen Wettbewerb ist dieser Punkt für die Hafenunternehmen von großer Bedeutung.

Reedereien und Logistikunternehmen können zumindest teilweise zwischen unterschiedlichen europäischen Hafenstandorten wählen. Dauerhafte oder schwer kalkulierbare Störungen können deshalb aus Sicht der Unternehmen die Wettbewerbsposition deutscher Häfen belasten.

HHLA-Verhandler: „An die Grenzen gegangen“

Besonders deutlich äußert sich Torben Seebold, Vorstand des Hamburger Hafenbetreibers HHLA und Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite.

Nach seiner Darstellung sind die Unternehmen mit ihrem Angebot „an die Grenzen der wirtschaftlichen Möglichkeiten gegangen“.

Ein Tarifabschluss oberhalb dieses Niveaus könnte nach seiner Einschätzung die Betriebe nachhaltig gefährden.

Seebold verbindet damit zugleich eine Warnung vor möglichen Folgen für die Beschäftigten selbst: Eine zu starke Kostenbelastung könne letztlich auch Arbeitsplätze in den deutschen Seehäfen gefährden.

Damit prallen zwei grundsätzlich unterschiedliche Bewertungen aufeinander.

Die Beschäftigten halten das angebotene Lohnplus mehrheitlich für unzureichend. Die Arbeitgeber erklären dagegen, wirtschaftlich kaum noch Spielraum für weitere Zugeständnisse zu haben.

Warum 5,1 Prozent nicht automatisch 5,1 Prozent pro Jahr bedeuten

Bei der Bewertung des Angebots spielt auch die Laufzeit eine Rolle.

Die angebotenen 5,1 Prozent gelten bei einer Laufzeit von 18 Monaten.

Das darf nicht einfach mit einer jährlichen Lohnsteigerung von 5,1 Prozent gleichgesetzt werden.

Ver.di verlangt dagegen 8,2 Prozent beziehungsweise mindestens 2,50 Euro mehr pro Stunde bei einer Laufzeit von nur zwölf Monaten.

Damit unterscheiden sich beide Positionen sowohl bei der Höhe als auch beim Zeitraum erheblich.

Für einen aussagekräftigen Vergleich müssen deshalb immer beide Faktoren gemeinsam betrachtet werden.

Hafenstreiks können weit über die Küste hinaus wirken

Der Tarifkonflikt ist auch deshalb wirtschaftlich relevant, weil Häfen am Anfang beziehungsweise Ende zahlreicher Lieferketten stehen.

Wird ein Container nicht rechtzeitig gelöscht oder verladen, können sich Verzögerungen entlang der weiteren Transportkette fortsetzen.

Industrieunternehmen sind beispielsweise auf die rechtzeitige Lieferung von Vorprodukten und Rohstoffen angewiesen. Exporteure wiederum benötigen funktionierende Hafenverbindungen, damit ihre Waren die internationalen Märkte erreichen.

Allerdings bedeutet ein Warnstreik nicht automatisch, dass ein kompletter Hafen stillsteht.

Die tatsächlichen Auswirkungen hängen davon ab, welche Beschäftigtengruppen teilnehmen, welche Terminals betroffen sind und wie lange die Arbeitsniederlegung dauert.

Ver.di hat durch Abstimmung Rückendeckung

Für die Gewerkschaft dürfte das Abstimmungsergebnis zugleich die Verhandlungsposition verändern.

Wenn eine breite Mehrheit der befragten Beschäftigten ein Angebot ablehnt, kann die Verhandlungsführung gegenüber den Arbeitgebern argumentieren, dass ein Abschluss auf dieser Grundlage innerhalb der Belegschaften kaum Akzeptanz finden würde.

Andererseits erhöht ein solches Votum auch den Druck.

Denn nach einer deutlichen Ablehnung erwarten Beschäftigte möglicherweise, dass die Gewerkschaft weitere Verbesserungen durchsetzt.

Damit wird es für beide Seiten schwieriger, ohne erkennbare Zugeständnisse einen Kompromiss zu präsentieren.

Arbeitgeber warnen vor Wettbewerbsnachteilen

Für die Hafenunternehmen steht wiederum die internationale Wettbewerbsfähigkeit im Mittelpunkt.

Deutsche Häfen konkurrieren unter anderem mit großen europäischen Standorten um Ladungsmengen und Reedereiverbindungen.

Arbeitskosten sind dabei zwar nur ein Faktor unter vielen. Ebenso wichtig sind Infrastruktur, Produktivität, Hinterlandanbindungen, Digitalisierung und Zuverlässigkeit.

Doch gerade die Zuverlässigkeit rückt bei Arbeitskämpfen besonders in den Fokus.

Deshalb argumentieren die Arbeitgeber, dass wiederholte Streiks langfristig das Vertrauen der Kunden in deutsche Hafenstandorte beeinträchtigen könnten.

Jetzt wird die Kompromisszone immer kleiner

Die entscheidende Frage lautet nun, ob Arbeitgeber und Gewerkschaft noch einen Mittelweg finden.

Auf der einen Seite stehen 5,1 Prozent mehr Lohn, mindestens 1,20 Euro zusätzlich pro Stunde und 18 Monate Laufzeit.

Auf der anderen Seite verlangt ver.di 8,2 Prozent, mindestens 2,50 Euro mehr pro Stunde und eine Laufzeit von zwölf Monaten.

Dass eine breite Mehrheit der befragten Beschäftigten das Arbeitgeberangebot abgelehnt hat, zeigt, wie groß die Unzufriedenheit mit dem bisherigen Verhandlungsstand ist.

Gleichzeitig erklären die Unternehmen, sie hätten ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten bereits weitgehend ausgeschöpft.

Die deutschen Häfen stehen vor unruhigen Wochen

Damit droht der Tarifkonflikt in seine nächste Eskalationsstufe zu gehen.

Rund 12.000 Hafenbeschäftigte sind von den Verhandlungen betroffen. Etwa die Hälfte davon beteiligte sich an der Befragung – und eine breite Mehrheit der Teilnehmer lehnte das Angebot ab.

Nun steht die Möglichkeit neuer Warnstreiks im Raum.

Für Deutschlands Nordseehäfen könnte damit eine Phase neuer Arbeitskämpfe beginnen.

Ob es tatsächlich dazu kommt oder beide Seiten kurzfristig wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren und einen Kompromiss finden, ist offen.

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