Dark Mode Light Mode
Staatsanwaltschaft Leipzig
Schwarz-Gruppe investiert 5,6 Milliarden Euro: Bei Rostock entsteht ein neuer KI-Standort
EXECUTIV Gesellschaft mit beschränkter Haftung: Insolvenzantrag mangels Masse abgewiesen

Schwarz-Gruppe investiert 5,6 Milliarden Euro: Bei Rostock entsteht ein neuer KI-Standort

Yamu_Jay (CC0), Pixabay

Die Schwarz-Gruppe treibt den Ausbau ihres Technologiegeschäfts mit einem außergewöhnlich großen Infrastrukturprojekt voran. In Dummerstorf südöstlich von Rostock soll in den kommenden sieben Jahren ein neues Rechenzentrum entstehen. Dafür will der Konzern nach eigenen Angaben rund 5,6 Milliarden Euro investieren. Die geplante Anschluss- beziehungsweise Rechenzentrumskapazität von 240 Megawatt verdeutlicht die Dimension des Vorhabens.

Bekannt ist die Schwarz-Gruppe in erster Linie als Muttergesellschaft der Handelsketten Lidl und Kaufland. Inzwischen entwickelt sich der Konzern jedoch zunehmend auch zu einem großen Anbieter digitaler Infrastruktur und IT-Dienstleistungen. Der Aufbau eigener Rechenkapazitäten ist dabei von strategischer Bedeutung: Unternehmen benötigen immer größere Kapazitäten für Cloud-Dienste, Datenverarbeitung und insbesondere Anwendungen auf Basis Künstlicher Intelligenz.

Das geplante Rechenzentrum bei Rostock dürfte deshalb nicht lediglich den internen Bedarf des Handelskonzerns bedienen. Die Schwarz-Gruppe will Speicher- und Rechenleistungen in erheblichem Umfang anbieten und damit ihr Geschäft mit externen Unternehmenskunden weiter ausbauen. Besonders der rasant steigende Bedarf an Infrastruktur für KI könnte dem Projekt zusätzliche Bedeutung verleihen.

Für Mecklenburg-Vorpommern wäre eine Investition von 5,6 Milliarden Euro außergewöhnlich. Schon während der mehrjährigen Bauphase könnten erhebliche Aufträge für Bauunternehmen, technische Ausrüster und regionale Dienstleister entstehen. Nach der Inbetriebnahme kommen hochqualifizierte Arbeitsplätze beispielsweise in den Bereichen IT, Elektrotechnik, Gebäudetechnik, Sicherheit und Rechenzentrumsbetrieb infrage. Wie viele dauerhafte Stellen tatsächlich entstehen sollen, geht aus den vorliegenden Angaben allerdings nicht hervor.

Energiebedarf wird zur Schlüsselfrage

Die Größe des Projekts bringt zugleich Herausforderungen mit sich. Eine Kapazität von 240 Megawatt bedeutet einen erheblichen Strombedarf. Bei einem Rechenzentrum dieser Größenordnung werden deshalb die Verfügbarkeit leistungsfähiger Stromnetze und die langfristige Energieversorgung zu entscheidenden Standortfaktoren.

Besonders interessant wird sein, welchen Anteil erneuerbare Energien an der Versorgung übernehmen können. Mecklenburg-Vorpommern verfügt aufgrund seines starken Ausbaus von Wind- und Solarenergie grundsätzlich über günstige Voraussetzungen für stromintensive Infrastruktur. Daraus folgt allerdings nicht automatisch, dass der Strom des Rechenzentrums vollständig aus regionalen erneuerbaren Quellen stammen wird. Dazu enthält die vorliegende Meldung keine konkreten Angaben.

Neben dem eigentlichen Stromverbrauch spielt auch die Abwärme eine Rolle. Große Rechenzentren produzieren erhebliche Wärmemengen. Wird diese Wärme technisch nutzbar gemacht, könnte sie beispielsweise in Wärmenetze eingespeist oder von Gewerbe- und Industriebetrieben verwendet werden. Ob eine solche Nutzung in Dummerstorf vorgesehen ist, bleibt nach den bislang genannten Informationen offen.

KI verändert den Bedarf an Rechenzentren

Der Zeitpunkt des Projekts ist bemerkenswert. Der Ausbau Künstlicher Intelligenz führt weltweit zu einem stark steigenden Bedarf an leistungsfähigen Rechenzentren. Das Training großer KI-Modelle und insbesondere deren massenhafter Einsatz benötigen spezialisierte Hochleistungsprozessoren und entsprechend dimensionierte Strom- und Kühlsysteme.

Für große Unternehmen gewinnt deshalb die Kontrolle über die eigene digitale Infrastruktur strategisch an Bedeutung. Die Schwarz-Gruppe könnte sich mit dem Projekt unabhängiger von internationalen Cloud-Anbietern machen und gleichzeitig selbst stärker als europäischer Anbieter von Cloud- und Rechenleistungen positionieren.

Damit bekommt das Projekt auch eine industriepolitische Dimension. Ein großer Teil der weltweiten Cloud-Infrastruktur wird bislang von US-amerikanischen Technologiekonzernen betrieben. Zusätzliche Rechenzentrumskapazitäten eines europäischen Konzerns können daher auch unter dem Gesichtspunkt der digitalen Souveränität interessant sein.

Aus Handelskonzern wird zunehmend Technologiekonzern

Das Vorhaben zeigt zugleich, wie stark sich das Geschäftsmodell der Schwarz-Gruppe verändert. Lidl und Kaufland bleiben zwar das sichtbare Kerngeschäft, doch Datenverarbeitung, Cloud-Infrastruktur und IT-Dienstleistungen gewinnen innerhalb des Konzerns an Bedeutung.

Ein eigenes Rechenzentrum dieser Größenordnung kann dabei mehrere Funktionen erfüllen: Es schafft Kapazitäten für die Digitalisierung des eigenen Handelsgeschäfts und kann zugleich Grundlage für ein wachsendes Geschäft mit externen Kunden sein. Gerade Unternehmen, die Wert auf europäische Datenstandorte legen, könnten für entsprechende Angebote eine interessante Zielgruppe darstellen.

Für die Region eine ungewöhnlich große Investition

Für den Raum Rostock könnte sich dadurch ein neuer wirtschaftlicher Schwerpunkt entwickeln. Ein Rechenzentrum mit einem Investitionsvolumen von mehreren Milliarden Euro benötigt neben der eigentlichen Servertechnik umfangreiche Infrastruktur – von Stromanschlüssen und Umspannwerken über Glasfaserleitungen bis zu Kühl-, Sicherheits- und Versorgungssystemen.

Allerdings sollte die Höhe der Investition nicht unmittelbar mit der Zahl neuer Arbeitsplätze gleichgesetzt werden. Moderne Rechenzentren sind extrem kapitalintensiv, benötigen nach ihrer Fertigstellung aber im Verhältnis zum Investitionsvolumen vergleichsweise wenig Personal. Der langfristige wirtschaftliche Effekt hängt deshalb wesentlich davon ab, ob sich rund um den Standort weitere IT-Unternehmen, Dienstleister oder energieintensive Digitalunternehmen ansiedeln.

Aus Anlegersicht ist vor allem die Größenordnung interessant: 5,6 Milliarden Euro zeigen, dass die Schwarz-Gruppe ihr Technologie- und Cloudgeschäft nicht als Nebenaktivität betrachtet. Gleichzeitig bindet ein Projekt dieser Dimension enormes Kapital und ist von Strompreisen, Netzausbau, Genehmigungen sowie der tatsächlichen Nachfrage nach Cloud- und KI-Kapazitäten abhängig. Entscheidend wird deshalb sein, ob aus dem Rechenzentrum langfristig ein profitables externes Infrastrukturgeschäft entsteht – oder ob ein großer Teil der Kapazität vor allem den wachsenden Eigenbedarf des Konzerns deckt.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Staatsanwaltschaft Leipzig

Next Post

EXECUTIV Gesellschaft mit beschränkter Haftung: Insolvenzantrag mangels Masse abgewiesen