Eine verheerende Sturzflut in der Grenzregion zwischen Nepal und China beziehungsweise Tibet hat eine schwere Katastrophe ausgelöst. Nach den von dir übermittelten aktuellen Behördenangaben werden inzwischen mehr als 1.300 Menschen vermisst, mindestens 165 Menschen wurden tot geborgen. Allein auf nepalesischer Seite soll nach mehr als 820 Menschen gesucht werden.
Die Lage ist besonders dramatisch, weil sich unter den Vermissten zahlreiche Reisende befinden. Hunderte Touristen hielten sich in der Region auf, darunter nach den von dir übermittelten Angaben mindestens acht Deutsche. Unabhängig davon bestätigen aktuelle Berichte, dass der Kontakt zu Hunderten Touristen und Pilgern abgebrochen ist. Ein Bericht nennt 384 Reisende, darunter mindestens 291 ausländische Staatsangehörige.
Flutwelle trifft schwer zugängliche Bergregion
Besonders betroffen ist das nepalesische Berggebiet Rasuwa an der Grenze zu Tibet. Dort führte der Bhotekoshi-Fluss enorme Wassermengen. Siedlungen und wichtige Infrastruktur entlang des Flusses wurden schwer beschädigt. Auch Märkte und Sicherheitsposten sollen von den Wassermassen getroffen worden sein.
Die geografische Lage erschwert die Rettungsarbeiten erheblich. Viele Orte liegen in tief eingeschnittenen Tälern und sind über wenige Straßen erreichbar. Werden Brücken oder Verkehrswege zerstört, können ganze Gebiete praktisch von der Außenwelt abgeschnitten werden.
Nepalesische Armee und Polizei sind mit umfangreichen Such- und Rettungsmaßnahmen im Einsatz. Nach einem aktuellen Bericht werden dabei 14 Hubschrauber eingesetzt. Mindestens 25 Menschen konnten demnach bereits lebend gerettet werden.
Was löste die gewaltige Flut aus?
Noch ist die genaue Ursache der Katastrophe nicht abschließend geklärt. Deine Meldung nennt eine mögliche Gletscherlawine als Auslöser. Andere aktuelle Berichte sprechen dagegen von der Vermutung, dass ein Erdrutsch auf tibetischer Seite einen Fluss zeitweise aufgestaut haben könnte. Bricht eine solche natürliche Barriere plötzlich, können innerhalb kurzer Zeit enorme Wassermassen talabwärts schießen.
Gerade deshalb sollten Berichte über eine Gletscherlawine derzeit noch als mögliche Erklärung und nicht als bestätigte Ursache behandelt werden.
Hunderte Touristen plötzlich nicht mehr erreichbar
Eine besondere Sorge gilt den vielen Touristen und Pilgern in der Region. Das Grenzgebiet ist eine wichtige Route für Reisende auf dem Weg zum Mount Kailash in Tibet, der für mehrere Religionen eine große Bedeutung besitzt.
Nach Angaben eines nepalesischen Tourismusvertreters war zeitweise zu 384 Touristen der Kontakt abgebrochen. Darunter befanden sich 93 Nepalesen und 291 ausländische Reisende. Genannt wurden unter anderem Staatsangehörige aus Indien, Malaysia, Großbritannien, Südafrika, den USA, Australien und den Niederlanden.
Dabei ist wichtig: „vermisst“ beziehungsweise „nicht erreichbar“ bedeutet in einer solchen Katastrophensituation nicht zwangsläufig, dass die Betroffenen von der Flut erfasst wurden. Zusammengebrochene Mobilfunknetze, Stromausfälle und zerstörte Straßen können dazu führen, dass Menschen über Stunden oder Tage keinen Kontakt zur Außenwelt herstellen können.
Sorge um deutsche Reisende
Besonders aus deutscher Sicht richtet sich der Blick auf die von dir genannten mindestens acht vermissten Deutschen. Diese konkrete Zahl konnte ich in den derzeit verfügbaren aktuellen Quellen allerdings noch nicht unabhängig bestätigen.
Bei einer sich schnell entwickelnden Katastrophe können sich Vermisstenzahlen zudem erheblich verändern: Menschen werden gefunden, Kontaktlisten zusammengeführt und Doppelmeldungen bereinigt. Die derzeit genannten Zahlen sollten deshalb als vorläufig betrachtet werden.
Warnungen für weitere Gebiete
Die Gefahr scheint zudem nicht vollständig vorüber zu sein. Behörden haben Bewohner entlang des Trishuli-Flusses aufgefordert, sich von den Ufern fernzuhalten und gefährdete Bereiche zu verlassen.
Für die Rettungskräfte beginnt damit ein Wettlauf gegen die Zeit. Neben der Suche nach Verschütteten und Vermissten müssen abgeschnittene Menschen versorgt und weitere gefährdete Gebiete evakuiert werden.
Die Dimension der Katastrophe zeichnet sich erst allmählich ab. Sollte sich die Zahl von mehr als 1.300 Vermissten bestätigen, könnte die Sturzflut zu einer der schwersten Naturkatastrophen der Region der vergangenen Jahre werden.