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Kindersnacks im Drogeriemarkt: Große Auswahl, aber oft kaum besser als gewöhnliche Snacks

Counselling (CC0), Pixabay

Bunte Verpackungen, Einhörner, Comicfiguren und Versprechen wie „ohne Zuckerzusatz“: In Drogeriemärkten werden Eltern inzwischen mit einer riesigen Auswahl spezieller Snacks für Babys und Kinder konfrontiert. Doch ein Marktcheck der Verbraucherzentrale Hessen zeigt, dass viele dieser Produkte keinen besonderen gesundheitlichen Vorteil bieten. Teilweise enthalten sie sogar erhebliche Mengen Zucker oder Salz.

Untersucht wurden sechs Drogeriemärkte in Gießen und Frankfurt. Dort fanden die Verbraucherschützer insgesamt mehr als 1.430 verschiedene Kindersnacks. Im Durchschnitt standen damit knapp 240 Produkte pro Markt zur Auswahl.

Das Sortiment reicht von Quetschies über Getreide-Puffs und Reiswaffeln bis zu Fruchtriegeln, Kinderkeksen und salzigen Knabbereien. Besonders auffällig ist auch ihre Platzierung: Häufig finden Eltern die Snacks unmittelbar neben Windeln oder Babypflegeprodukten. Dadurch können sie leicht als selbstverständlicher Bestandteil des Alltags mit kleinen Kindern wahrgenommen und spontan mitgekauft werden.

Quetschies dominieren die Regale

Fast 40 Prozent des untersuchten Angebots entfielen auf sogenannte Quetschies. Die pürierten Fruchtprodukte in kleinen Kunststoffbeuteln gehören damit zu den mit Abstand am stärksten vertretenen Kindersnacks.

Für den regelmäßigen Verzehr sind sie nach Einschätzung von Ernährungsexperten allerdings nicht empfehlenswert.

Ein Problem besteht darin, dass Kinder den Fruchtbrei direkt aus dem Beutel saugen. Das Kauen entfällt weitgehend. Gleichzeitig können die Zähne über längere Zeit mit dem enthaltenen Fruchtzucker in Kontakt kommen, wodurch das Kariesrisiko steigen kann.

Auch die enthaltene Zuckermenge darf nicht unterschätzt werden. Obwohl zahlreiche Produkte mit Aussagen wie „ohne Zuckerzusatz“ beworben werden, bedeutet das nicht, dass sie zuckerfrei sind. Obst enthält von Natur aus Zucker, der auch nach dem Pürieren im Produkt vorhanden bleibt.

Ein einzelner Quetschie kann nach Angaben der Verbraucherzentrale bereits ungefähr die Hälfte der empfohlenen maximalen täglichen Zuckermenge eines Kindes enthalten.

Hinzu kommt, dass püriertes Obst meist weniger sättigt als frisches Obst, das gekaut werden muss.

„Ohne Zuckerzusatz“ bedeutet nicht automatisch wenig Zucker

Gerade Werbeaussagen auf Kinderprodukten können Eltern einen besonders gesunden Eindruck vermitteln.

Auf Verpackungen finden sich beispielsweise Hinweise wie „ohne Zuckerzusatz“ oder „Süße nur aus Datteln“. Solche Aussagen sagen jedoch nur begrenzt etwas über den tatsächlichen Zuckergehalt eines Lebensmittels aus.

Auch Datteln, Fruchtpürees oder Fruchtsaftkonzentrate können erhebliche Mengen Zucker liefern.

Entscheidend ist deshalb nicht allein die Werbung auf der Vorderseite der Verpackung. Eltern sollten vielmehr einen Blick auf die Zutatenliste und die Nährwerttabelle werfen.

Reiswaffeln und Getreide-Puffs ebenfalls stark vertreten

Nach den Quetschies bilden gepuffte Getreidesnacks wie Maispuffs oder Reiswaffeln einen weiteren großen Teil des Angebots.

Diese Produkte enthalten teilweise nur geringe Mengen Zucker und Salz. Zudem gibt es beispielsweise für Kinder mit Zöliakie glutenfreie Varianten.

Bei Reisprodukten ist dennoch Zurückhaltung angebracht. Für Lebensmittel für Säuglinge und Kleinkinder gelten zwar besondere gesetzliche Höchstwerte für Arsen. Dennoch wird empfohlen, Reisprodukte nicht ständig anzubieten, sondern sie mit anderen Getreidearten abzuwechseln.

Eine abwechslungsreiche Ernährung bleibt daher auch bei vermeintlich einfachen Snacks wichtig.

Kinder brauchen keine speziellen Kinderlebensmittel

Die große Produktvielfalt vermittelt leicht den Eindruck, Kinder benötigten eigene Lebensmittel und spezielle Zwischenmahlzeiten.

Das ist jedoch grundsätzlich nicht der Fall.

Nach dem ersten Geburtstag können Kinder im Wesentlichen dieselben Lebensmittel wie Erwachsene essen, sofern diese altersgerecht zubereitet werden und Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung sind.

Spezielle Kinderkekse, Kinderriegel oder andere eigens beworbene Snacks sind dafür nicht erforderlich.

Genau darin sehen die Verbraucherschützer ein Problem: Das riesige Angebot schafft einen eigenen Markt, obwohl viele Produkte ernährungsphysiologisch kaum einen Vorteil gegenüber gewöhnlichen Lebensmitteln bieten.

Comicfiguren und Einhörner sollen Kinder ansprechen

Hinzu kommt ein gezieltes Marketing.

Viele Verpackungen sind ausgesprochen bunt gestaltet. Tiere, Fantasiefiguren, Einhörner und andere kindgerechte Motive sollen Aufmerksamkeit erzeugen. Dadurch sprechen die Hersteller nicht nur Eltern, sondern unmittelbar die Kinder an.

Ist ein Produkt mit einer beliebten Figur versehen oder wird es ausdrücklich als „für Kinder“ bezeichnet, entsteht schnell der Eindruck, es sei besonders auf die Bedürfnisse von Kindern abgestimmt.

Doch Kindersnacks unterliegen nicht automatisch besonderen ernährungsphysiologischen Anforderungen.

Die Bezeichnung allein sagt daher nichts darüber aus, ob das Lebensmittel tatsächlich gesünder ist.

Auch Kinderkekse und Riegel können Zuckerbomben sein

Nicht nur Quetschies sollten genauer betrachtet werden.

Auch Frucht- und Getreideriegel, Waffeln und Kinderkekse können erhebliche Mengen Zucker enthalten. Bei salzigen Knabbereien kommt wiederum ein teilweise hoher Salzgehalt hinzu.

Gerade bei kleinen Kindern ist deshalb ein Blick auf die Nährwertangaben sinnvoll.

Bei Fertigprodukten sollten Eltern möglichst Varianten auswählen, die wenig Zucker und Salz enthalten. Bei Getreideprodukten können Vollkornvarianten eine bessere Wahl darstellen.

Einfache Lebensmittel sind häufig die bessere Alternative

Für einen kindgerechten Snack muss es nicht unbedingt ein speziell beworbenes Fertigprodukt sein.

Geschnittenes Obst oder Gemüse, ein belegtes Vollkornbrot oder selbst zubereitete kleine Mahlzeiten erfüllen denselben Zweck und können gleichzeitig deutlich weniger verarbeitet sein.

Auch Gemüsewaffeln oder Haferkekse lassen sich selbst herstellen. Eltern wissen dadurch genauer, welche Zutaten enthalten sind und wie viel Zucker oder Salz verwendet wurde.

Der Marktcheck macht deshalb vor allem eines deutlich: Die enorme Auswahl im Regal bedeutet nicht automatisch einen ernährungsphysiologischen Mehrwert.

Eltern sollten sich beim Einkauf weniger von bunten Verpackungen, Kinderfiguren oder Gesundheitsversprechen leiten lassen. Entscheidend ist, was tatsächlich in dem Produkt steckt.

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