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König Profilsysteme GmbH & Co. KG in Moringen beantragt Insolvenz in Eigenverwaltung

Mohamed_hassan (CC0), Pixabay

Die König Profilsysteme GmbH & Co. KG aus Moringen ist von einem Insolvenzantragsverfahren betroffen. Das Amtsgericht Göttingen hat am 19. August 2026 Sicherungsmaßnahmen im Rahmen einer vorläufigen Eigenverwaltung angeordnet.

Das Verfahren wird unter dem Aktenzeichen 71 IN 69/26 NOM geführt.

Sitz des Unternehmens ist die Nienhagener Straße 30, 37186 Moringen. Die König Profilsysteme GmbH & Co. KG ist beim Amtsgericht Göttingen unter HRA 202189 eingetragen.

Persönlich haftende Gesellschafterin ist die König Profilsysteme Verwaltungs-GmbH. Im Insolvenzbeschluss werden Carl Fredrik Ljungman und Christian Stoffler als Geschäftsführer der vertretenden Gesellschaft genannt.

Zum vorläufigen Sachwalter bestellte das Amtsgericht Rechtsanwalt Markus Kohlstedt aus Hannover.

Unternehmen darf sich zunächst selbst weiterführen

Bei der König Profilsysteme GmbH & Co. KG wurde keine klassische vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet. Stattdessen darf das Unternehmen sein Vermögen weiterhin selbst verwalten und darüber verfügen.

Die Geschäftsführung bleibt damit grundsätzlich handlungsfähig. Sie steht jedoch unter der Aufsicht des vom Gericht eingesetzten vorläufigen Sachwalters.

Die Eigenverwaltung soll grundsätzlich die Möglichkeit eröffnen, ein Unternehmen unter insolvenzrechtlichem Schutz selbst zu stabilisieren und gegebenenfalls zu sanieren. Ob eine dauerhafte Sanierung bei König Profilsysteme gelingt, ist zum jetzigen Zeitpunkt offen.

Eine endgültige Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist mit der Entscheidung vom 19. August noch nicht verbunden.

Hersteller von Metallprofilen für Trockenbau und Industrie

König Profilsysteme ist ein produzierendes Unternehmen und nicht lediglich eine Vertriebs oder Verwaltungsgesellschaft.

Das Unternehmen entwickelt und produziert am Standort Moringen Metallprofile und Zubehörsysteme. Ein traditioneller Schwerpunkt liegt auf Profilsystemen für den Innen und Trockenbau.

Zum Sortiment gehören unter anderem Profile und Zubehör für Wand und Deckenkonstruktionen, Korrosionsschutzlösungen, Paneeldeckensysteme sowie Spezialprofile.

Die Produkte werden nicht ausschließlich für den deutschen Markt gefertigt. König beliefert nach eigener Darstellung auch Kunden in weiteren europäischen Ländern.

Ein wichtiger Absatzkanal ist der Baustofffachhandel.

Mehr als 50 Jahre industrielle Geschichte

Die Wurzeln des Geschäfts reichen erheblich weiter zurück als die 2023 erfolgte Eintragung der heutigen König Profilsysteme GmbH & Co. KG.

Die Unternehmensgeschichte der König Gruppe begann bereits 1965. Damals lag der Schwerpunkt zunächst auf Montagedienstleistungen, insbesondere in der Klima und Lüftungstechnik.

Ab 1969 wurden auch Lüftungskanäle angeboten. Daraus entwickelte sich langfristig das heutige Geschäft mit Profilsystemen.

Seit 1984 werden in Moringen Produkte für Wand und Deckenkonstruktionen hergestellt.

Damit basiert die heutige Gesellschaft auf einem industriellen Geschäft, das am Standort Moringen seit Jahrzehnten aufgebaut wurde.

Die aktuelle König Profilsysteme GmbH & Co. KG selbst wurde dagegen erst im April 2023 unter HRA 202189 eingetragen. Die lange Unternehmensgeschichte bezieht sich somit auf den Geschäftsbereich und dessen Vorgängergesellschaften und darf nicht mit dem rechtlichen Alter der heutigen Gesellschaft verwechselt werden.

Spezialprofile für zahlreiche Industriezweige

Neben dem klassischen Trockenbau entwickelte sich ein zweiter bedeutender Produktionsbereich.

König fertigt kundenspezifische Spezialprofile aus Metall. Dabei kommt insbesondere die Roll beziehungsweise Kaltverformung von Spaltbändern zum Einsatz. Ergänzt wird diese Fertigung durch Stanztechnik.

Die Profile können entsprechend den Anforderungen des jeweiligen Kunden in unterschiedlichen Geometrien hergestellt werden.

Solche Spezialprofile werden beispielsweise im Bauwesen, Maschinenbau, Möbel und Innenausbau sowie weiteren industriellen Anwendungen eingesetzt.

Das Unternehmen verfügt hierfür über eigene Ingenieure und Techniker, die Kunden von der Entwicklung einer Profilidee über die Planung bis zur Produktion begleiten.

Damit handelt es sich bei König Profilsysteme nicht um einen einfachen Metallhandel, sondern um einen industriellen Entwicklungs und Produktionsbetrieb.

Millioneninvestition in den Standort Moringen

Noch vor wenigen Jahren wurde erheblich in die Erweiterung der Produktion investiert.

2020 kündigte König Investitionen von rund zehn Millionen Euro in einen neuen Fertigungsstandort in Moringen an. Hintergrund war insbesondere der Ausbau des Geschäfts mit kundenspezifischen Spezialprofilen.

Im ersten Bauabschnitt entstand eine rund 3.500 Quadratmeter große Fertigungs und Lagerhalle. Hinzu kamen umfangreiche Außen, Verkehrs und Lagerflächen sowie ein zweigeschossiges Büro und Sozialgebäude.

Auch in moderne Profilieranlagen und die Intralogistik wurde investiert.

Das neue Werk wurde 2021 offiziell eingeweiht. Mit der Erweiterung sollten zusätzliche Produktionskapazitäten geschaffen und neue Arbeitsplätze am Standort Moringen aufgebaut werden.

Photovoltaik entwickelte sich zu einem wichtigen Geschäftsfeld

Besonders interessant ist inzwischen der Bereich Photovoltaik.

König Profilsysteme hat sein Know how aus der Profil und Stanztechnik auf Montagesysteme für große Photovoltaikanlagen übertragen.

Unter der Bezeichnung König Solar bietet das Unternehmen Montagesysteme für Freiflächen Solarparks an.

Dabei produziert König nicht die eigentlichen Photovoltaikmodule. Das Unternehmen stellt vielmehr die metallischen Unterkonstruktionen beziehungsweise Montagesysteme her, auf denen die Solarmodule eines Solarparks befestigt werden.

Das ist ein wesentlicher Bestandteil einer Freiflächen Photovoltaikanlage.

Produktionskapazität für Solarparks von bis zu einem Gigawatt jährlich

Die Dimension dieses Geschäftsbereiches ist beachtlich.

Nach der aktuellen Unternehmensdarstellung verfügt König mit seinen modernen Profilieranlagen über eine Fertigungskapazität für Solar Montagesysteme von bis zu einem Gigawatt pro Jahr.

Das Montagesystem ist für Freiflächen Solarparks auf dem europäischen Markt konzipiert.

Dabei setzt das Unternehmen auf gewichtsoptimierte Konstruktionen. Optional können die Systeme aus CO2 reduziertem Stahl gefertigt werden.

König Profilsysteme gehört damit eindeutig zu den Unternehmen, die unmittelbar an der Lieferkette für Photovoltaik Großanlagen beteiligt sind.

Es handelt sich allerdings nicht um einen klassischen Solarinstallateur für private Hausdächer. Der Schwerpunkt liegt auf industriell gefertigten Metall und Montagesystemen für größere Solarprojekte.

Eigener Lkw Fuhrpark und europaweiter Vertrieb

Zur Geschäftstätigkeit gehört außerdem eine eigene Logistik.

König verfügt über einen eigenen Lkw Fuhrpark und liefert seine Metallprofile und Systeme direkt an Kunden.

Das Unternehmen wirbt mit kurzfristigen Liefermöglichkeiten und einer zentralen Lage des Produktionsstandortes Moringen innerhalb Deutschlands.

Neben Produktion und Vertrieb bietet König technische Beratung für Architekten, Bauingenieure, Verarbeiter und Industriekunden.

Damit deckt das Unternehmen einen erheblichen Teil der Wertschöpfung selbst ab, von der Entwicklung über die industrielle Fertigung bis zur Logistik.

Aktuell weiterhin Stellenangebote veröffentlicht

Die derzeitige Außendarstellung zeigt außerdem, dass König Profilsysteme unmittelbar vor Bekanntwerden des Insolvenzverfahrens weiterhin als aktiver Produktionsbetrieb auftrat.

Für den Standort Moringen wurden zuletzt unter anderem Mitarbeiter für die Produktion, Maschineneinrichter, Logistikmitarbeiter und Berufskraftfahrer gesucht.

Das Unternehmen bezeichnete sich dabei selbst als wachsendes mittelständisches Familienunternehmen.

Wie sich das nun eingeleitete Insolvenzverfahren auf Produktion, Mitarbeiter und offene Stellen auswirkt, ist bislang nicht bekannt.

Mehrere König Gesellschaften gleichzeitig betroffen

Die Insolvenz von König Profilsysteme steht nicht isoliert.

Am selben Standort in der Nienhagener Straße 30 in Moringen sind mehrere Gesellschaften der König Gruppe von Insolvenzantragsverfahren betroffen.

Dazu gehören unter anderem die König SE & Co. KG, die König Fachpersonal GmbH & Co. KG, die König Management SE und die König Profilsysteme Verwaltungs-GmbH.

Damit deutet sich eine wirtschaftliche Krise an, die nicht nur eine einzelne operative Gesellschaft betrifft, sondern mehrere miteinander verbundene Unternehmen der König Gruppe erfasst.

Die Verfahren sind rechtlich dennoch jeweils getrennt zu betrachten und werden unter unterschiedlichen Aktenzeichen geführt.

Photovoltaiksparte unmittelbar von der Insolvenz betroffen

Für die Solarbranche ist der Fall besonders relevant.

Denn das Photovoltaikgeschäft wird nach der aktuellen Außendarstellung unmittelbar von der König Profilsysteme GmbH & Co. KG betrieben. Auch das Impressum von König Solar weist genau diese Gesellschaft als verantwortliches Unternehmen aus.

Damit betrifft das Insolvenzantragsverfahren unter dem Aktenzeichen 71 IN 69/26 NOM unmittelbar die Gesellschaft, die hinter den König Montagesystemen für Freiflächen Solarparks steht.

Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass dieser Geschäftsbereich eingestellt wird.

Gerade die angeordnete Eigenverwaltung kann darauf ausgerichtet sein, wirtschaftlich tragfähige Unternehmensbereiche weiterzuführen und das Unternehmen insgesamt zu restrukturieren.

Zukunft des traditionsreichen Produktionsstandortes zunächst offen

Welche wirtschaftlichen Ursachen zu den Insolvenzanträgen innerhalb der König Gruppe geführt haben, geht aus dem gerichtlichen Beschluss nicht hervor.

Ebenso liegen bislang keine gerichtlichen Angaben zur Höhe der Verbindlichkeiten oder zu möglichen Sanierungsmaßnahmen vor.

Für den Standort Moringen ist das Verfahren dennoch von erheblicher Bedeutung. Hinter der König Profilsysteme GmbH & Co. KG steht ein traditionsreicher Produktionsbereich mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Metallverarbeitung, umfangreichen Produktionsanlagen und einer erst vor wenigen Jahren erheblich erweiterten Fertigungsinfrastruktur.

Heute produziert das Unternehmen Metallprofile und Zubehör für den Innen und Trockenbau, Paneeldeckensysteme, kundenspezifische Spezialprofile für Industrie und Bau sowie Montagesysteme für Photovoltaik Freiflächenanlagen.

Das Amtsgericht Göttingen hat für die König Profilsysteme GmbH & Co. KG mit Sitz in der Nienhagener Straße 30, 37186 Moringen, am 19. August 2026 unter dem Aktenzeichen 71 IN 69/26 NOM die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet.

Rechtsanwalt Markus Kohlstedt überwacht das Verfahren als vorläufiger Sachwalter. Der operative Geschäftsbetrieb kann unter dieser Konstruktion grundsätzlich zunächst weitergeführt werden. Ob es gelingt, den traditionsreichen Metallprofilhersteller einschließlich seines inzwischen bedeutenden Photovoltaikgeschäfts dauerhaft zu sanieren, wird sich im weiteren Verlauf des Insolvenzverfahrens zeigen.

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