Die STP-GmbH Berlin Schlüssel, Tresore, Sicherheitstechnik, Vertrieb ist von einem Insolvenzantragsverfahren betroffen. Das Berliner Traditionsunternehmen hat selbst die Eröffnung des Insolvenzverfahrens über sein Vermögen beantragt.
Das Verfahren wird beim Amtsgericht Charlottenburg unter dem Aktenzeichen 3604 IN 4359/26 geführt. Am 19. August 2026 ordnete das Insolvenzgericht umfangreiche Sicherungsmaßnahmen an und bestellte Rechtsanwalt Dr. Robert Schiebe aus Berlin zum vorläufigen Insolvenzverwalter.
Firmensitz ist die Liebenwalder Straße 31, 13055 Berlin. Die Gesellschaft ist beim Amtsgericht Charlottenburg unter HRB 47539 eingetragen. Geschäftsführer ist Marco Rosenberg.
Die STP GmbH ist keine junge Gesellschaft. Das Unternehmen wurde bereits 1992 in Berlin gegründet und ist damit seit mehr als drei Jahrzehnten im Bereich Sicherheits und Schließtechnik tätig.
Vom Berliner Schlüsseldienst zum Sicherheitstechnik Spezialisten
Gegründet wurde das Unternehmen 1992 von den Ingenieuren Georg Kassler und Peter Sturm sowie dem Industriemeister Peter Geyer.
Die Geschäftstätigkeit entwickelte sich über die Jahre erheblich weiter. Aus einem zunächst regional ausgerichteten Anbieter entstand ein Unternehmen für mechanische, mechatronische und elektronische Sicherheitstechnik.
Der Tätigkeitsbereich beschränkt sich inzwischen nicht mehr auf einen Berliner Kiez. Das Unternehmen gibt als Einsatzgebiet ganz Berlin und Brandenburg sowie Teile von Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt an.
Im Jahr 2001 wurde der Betrieb personell und technisch um den Geschäftsbereich Elektronik erweitert. Damit reagierte das Unternehmen auf die zunehmende Verbindung klassischer mechanischer Schließtechnik mit elektronischen Sicherheitssystemen.
Schließanlagen gehören zum Kerngeschäft
Einer der traditionellen Schwerpunkte ist die Planung, Lieferung und Montage von Schließanlagen.
Das Unternehmen beschäftigt sich mit unterschiedlichen Schließsystemen und Lösungen zur Absicherung von Gebäuden. Dazu gehören klassische mechanische Schließsysteme ebenso wie moderne elektronische beziehungsweise mechatronische Lösungen.
Zum Angebot zählen unter anderem Hauptschlüsselanlagen, elektronische Türöffner, Schließzylinder und Systeme zur Schlüsselverwaltung.
Die Leistungen richten sich sowohl an private als auch gewerbliche Kunden und können insbesondere bei größeren Gebäuden oder Unternehmen zum Einsatz kommen, bei denen unterschiedliche Zutrittsberechtigungen organisiert werden müssen.
Alarmanlagen und Videoüberwachung
Mit der Erweiterung um elektronische Sicherheitstechnik entwickelte sich STP zu einem umfassenderen Sicherheitsunternehmen.
Zum aktuellen Leistungsspektrum gehören Alarmanlagen, Einbruchmeldeanlagen, Funknotrufsysteme und Videoüberwachungsanlagen.
Damit kann das Unternehmen Gebäude nicht nur durch Schlösser und mechanische Sicherungen schützen, sondern auch elektronische Überwachungs und Meldesysteme installieren.
Hinzu kommen Zutrittskontrollsysteme und vernetzte Sicherheitslösungen.
Gerade die Kombination mechanischer und elektronischer Systeme bildet nach der eigenen Unternehmensdarstellung einen Schwerpunkt des Geschäfts.
Einbruchschutz für Türen und Gebäude
Ein weiterer Bereich ist die mechanische Sicherheitstechnik.
STP vertreibt und montiert unter anderem Panzerquerriegel, Gitter und Jalousiesicherungen sowie weitere Systeme zur Sicherung von Türen und Gebäuden.
Auch Reparaturen an Türen und mechanischen Sicherheitseinrichtungen gehören zum Geschäft.
Der offizielle Unternehmensgegenstand umfasst ausdrücklich die Montage und Reparatur von Türen sowie die Ausführung von Schlosserarbeiten und die Fertigung von Kleinteilen.
Damit handelt es sich nicht ausschließlich um ein Handelsunternehmen. STP erbringt auch handwerkliche Leistungen und entwickelt nach eigener Darstellung Sonderlösungen für Kunden.
Eigene Werkstatt für Sonderanfertigungen
Die Tätigkeit geht teilweise über die Montage fertiger Sicherheitssysteme hinaus.
Nach der aktuellen Arbeitgeberdarstellung werden für Kunden regelmäßig individuelle Sonderlösungen entwickelt. Diese können zunächst in der eigenen Werkstatt vorbereitet und vormontiert werden, bevor die Installation beim Kunden erfolgt.
Das Unternehmen beschäftigt beziehungsweise beschäftigte dafür unter anderem Servicetechniker, Monteure, Schlosser und Mechatroniker.
Die Bundesagentur für Arbeit führt STP zuletzt als Betrieb mit einer Größe von zehn Beschäftigten. Damit handelt es sich um ein vergleichsweise kleines, technisch spezialisiertes Unternehmen.
Tresore gehören seit Jahrzehnten zum Geschäft
Bereits der vollständige Firmenname verweist auf einen weiteren traditionellen Geschäftsbereich: Tresore.
STP handelt mit Tresoren und bietet Dienstleistungen rund um deren Sicherung und Öffnung an.
Der Handelsregistergegenstand umfasst neben Tresoren auch Türen, Werkzeuge, Kleineisenwaren sowie elektronische und mechanische Sicherheitstechnik.
Damit verbindet das Unternehmen Handel, Projektierung, Installation, Wartung und Reparatur.
Schlüssel und Notöffnungen
Zum Geschäft gehört außerdem der Schlüsseldienst.
Nach der aktuellen Unternehmensdarstellung wird ein Notdienst für Berlin und Umgebung angeboten. Das Unternehmen übernimmt Türöffnungen, wenn Kunden beispielsweise ihren Schlüssel verloren oder sich ausgesperrt haben.
Der eingetragene Gesellschaftszweck geht noch weiter. Er umfasst einen 24 Stunden Notdienst für die Öffnung von Türen beziehungsweise Tresoren und Fahrzeugen.
Damit deckt STP sowohl klassische Schlüsseldienstleistungen als auch technisch anspruchsvollere Öffnungen von Sicherheitseinrichtungen ab.
Smart Home und vernetzte Sicherheitssysteme
Inzwischen gehört auch Smart Home Technik zum angebotenen Leistungsspektrum.
Das zeigt, wie stark sich das Geschäftsmodell seit der Gründung verändert hat. Während klassische Schlüssel, Schlösser und Tresore weiterhin zum Kerngeschäft gehören, sind elektronische und miteinander vernetzte Systeme hinzugekommen.
Moderne Sicherheitstechnik verbindet beispielsweise elektronische Zutrittskontrolle, Alarmtechnik und Videoüberwachung miteinander.
STP positionierte sich damit zuletzt als Systemanbieter, der mechanische und elektronische Sicherheitskomponenten kombinieren kann.
Mehr als 30 Jahre am Markt
Die heutige Gesellschaft ist bereits seit Jahrzehnten registriert. Die Eintragung in das Handelsregister erfolgte 1993.
Damit blickt das Unternehmen inzwischen auf mehr als drei Jahrzehnte Geschäftstätigkeit zurück.
Auch aktuelle Geschäftsdaten zeigen, dass der Betrieb bis unmittelbar vor dem Insolvenzantrag aktiv war. Für die Gesellschaft wurden noch Jahresabschlussunterlagen für 2023 und 2024 veröffentlicht.
Die Unternehmenswebseite ist ebenfalls weiterhin erreichbar und präsentiert das vollständige Angebot rund um Schließanlagen, Alarmtechnik, Videoüberwachung, Zutrittskontrolle, Tresore, Reparaturen und Schlüsseldienst.
Unternehmen stellte Insolvenzantrag selbst
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten haben nun allerdings ein Ausmaß erreicht, bei dem die Gesellschaft selbst das Insolvenzgericht eingeschaltet hat.
Es handelt sich ausdrücklich um einen Eigenantrag der STP-GmbH Berlin.
Das Amtsgericht Charlottenburg ordnete daraufhin am 19. August 2026 um 9 Uhr Sicherungsmaßnahmen nach §§ 21 und 22 Insolvenzordnung an.
Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Dr. Robert Schiebe bestellt.
Über die konkreten wirtschaftlichen Ursachen des Insolvenzantrags enthält der gerichtliche Beschluss keine Angaben. Deshalb lässt sich derzeit nicht feststellen, ob beispielsweise Auftragsrückgänge, gestiegene Kosten, Forderungsausfälle, Personalprobleme oder andere Faktoren ausschlaggebend waren.
Geschäftsführung kann nicht mehr frei über Vermögen verfügen
Die vom Amtsgericht angeordneten Maßnahmen sind weitreichend.
Verfügungen der STP GmbH über Gegenstände ihres Vermögens sind nur noch mit Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters wirksam.
Noch stärker sind die Beschränkungen bei Bankkonten und offenen Forderungen.
Der Gesellschaft wurde ausdrücklich untersagt, selbst über ihre Bankkonten und Außenstände zu verfügen. In diesem Bereich ging die Verwaltungs und Verfügungsbefugnis auf den vorläufigen Insolvenzverwalter über.
Dr. Robert Schiebe darf Bankguthaben und sonstige Forderungen des Unternehmens einziehen sowie eingehende Gelder entgegennehmen.
Auch die Banken der Gesellschaft wurden verpflichtet, dem vorläufigen Insolvenzverwalter Auskunft zu erteilen.
Kunden dürfen offene Rechnungen nicht mehr einfach an STP bezahlen
Für Geschäftspartner und Kunden ist eine weitere Anordnung besonders wichtig.
Schuldner der STP GmbH dürfen Zahlungen nicht mehr unmittelbar an die Gesellschaft leisten. Sie müssen die gerichtliche Anordnung beachten und Zahlungen entsprechend den Vorgaben des vorläufigen Insolvenzverwalters vornehmen.
Damit soll verhindert werden, dass Geld außerhalb der Kontrolle des vorläufigen Insolvenzverwalters abfließt.
Zwangsvollstreckungen werden gestoppt
Das Gericht hat außerdem Maßnahmen der Zwangsvollstreckung gegen die Gesellschaft weitgehend untersagt. Bereits begonnene Vollstreckungsmaßnahmen werden vorläufig eingestellt, soweit die gesetzlichen Voraussetzungen der Anordnung greifen.
Damit erhält das Unternehmen während der Prüfung des Insolvenzantrags zunächst einen gewissen Schutz vor dem unmittelbaren Zugriff einzelner Gläubiger.
Ziel ist es, das vorhandene Vermögen zusammenzuhalten, bis feststeht, ob ein reguläres Insolvenzverfahren eröffnet werden kann.
Insolvenzverwalter darf Geschäftsräume und Unterlagen prüfen
Der vorläufige Insolvenzverwalter erhielt umfassende Kontrollrechte.
Er darf die Geschäftsräume und betrieblichen Einrichtungen betreten und dort Nachforschungen durchführen. Die Geschäftsführung muss ihm Einsicht in Bücher und Geschäftsunterlagen ermöglichen und auf Verlangen Unterlagen herausgeben.
Außerdem muss sie sämtliche Informationen bereitstellen, die zur Aufklärung der Vermögensverhältnisse und zur Sicherung einer möglichen späteren Insolvenzmasse erforderlich sind.
Eine zentrale Aufgabe des vorläufigen Insolvenzverwalters besteht nun darin festzustellen, ob das Vermögen der Gesellschaft ausreicht, um die Kosten eines regulären Insolvenzverfahrens zu finanzieren.
Zukunft des laufenden Geschäftsbetriebs noch offen
Die Anordnung der vorläufigen Insolvenzverwaltung bedeutet nicht automatisch die sofortige Einstellung des Geschäftsbetriebs.
Ob Schlüsseldienst, Montage, Wartung, Reparaturen und Sicherheitstechnik unverändert weitergeführt werden, hängt von den Entscheidungen während des vorläufigen Verfahrens ab.
Gerade bei einem seit Jahrzehnten bestehenden Fachbetrieb können der Kundenstamm, bestehende Wartungsverträge, technische Fachkenntnisse der Beschäftigten und laufende Aufträge einen wirtschaftlichen Wert darstellen.
Der vorläufige Insolvenzverwalter muss nun prüfen, welche Perspektiven für das Unternehmen bestehen.
Berliner Traditionsunternehmen nach mehr als drei Jahrzehnten in wirtschaftlichen Schwierigkeiten
Mit der STP-GmbH Berlin ist ein seit 1992 bestehender Berliner Fachbetrieb für Sicherheits und Schließtechnik in eine erhebliche wirtschaftliche Krise geraten.
Das Unternehmen entwickelte sich vom klassischen Anbieter für Schlüssel, Schlösser und Tresore zu einem Systemhaus für mechanische und elektronische Sicherheitstechnik. Heute gehören unter anderem Schließanlagen, Alarmanlagen, Videoüberwachung, Zutrittskontrollsysteme, mechanischer Einbruchschutz, Tresore, Türtechnik, Reparaturen, Sonderanfertigungen und Schlüsseldienstleistungen zum Geschäft.
Die STP-GmbH Berlin Schlüssel, Tresore, Sicherheitstechnik, Vertrieb mit Sitz in der Liebenwalder Straße 31, 13055 Berlin hat selbst Insolvenzantrag gestellt.
Das Verfahren wird beim Amtsgericht Charlottenburg unter dem Aktenzeichen 3604 IN 4359/26 geführt. Seit dem 19. August 2026 steht das Vermögen der Gesellschaft unter weitreichender Kontrolle des vorläufigen Insolvenzverwalters Dr. Robert Schiebe.
Ob der mehr als 30 Jahre bestehende Fachbetrieb fortgeführt und wirtschaftlich saniert werden kann, wird sich im weiteren Verlauf des Insolvenzeröffnungsverfahrens zeigen.