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Windpark Struckum II: Mehr als 3,5 Millionen Euro Eigenkapital – doch über 2 Millionen Euro stecken in Gesellschafterforderungen

Mohamed_hassan (CC0), Pixabay

Der Jahresabschluss 2025 der Windpark Struckum II GmbH & Co. KG aus Breklum zeigt auf den ersten Blick eine ausgesprochen solide Kapitalausstattung. Bei einer Bilanzsumme von rund 4,55 Millionen Euro weist die Gesellschaft 3,555 Millionen Euro Eigenkapital aus. Gleichzeitig steigen die Bankguthaben und die Verbindlichkeiten gehen deutlich zurück.

Ein Punkt verdient jedoch besondere Aufmerksamkeit: Mehr als 2,1 Millionen Euro der Forderungen bestehen gegenüber Gesellschaftern. Damit befindet sich ein erheblicher Teil des bilanziellen Vermögens nicht unmittelbar im operativen Windpark.

Bilanzsumme geht leicht zurück

Die Bilanzsumme sank 2025 von 4,750 Millionen Euro auf 4,546 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang um rund 203.000 Euro beziehungsweise 4,3 Prozent.

Hinter dieser vergleichsweise moderaten Veränderung stehen jedoch erhebliche Verschiebungen innerhalb der Bilanz.

Das Anlagevermögen reduzierte sich von 1,588 Millionen Euro auf 1,059 Millionen Euro. Gleichzeitig erhöhte sich das Umlaufvermögen von 3,143 Millionen auf 3,468 Millionen Euro.

Die Gesellschaft wird bilanziell damit zunehmend von kurzfristigeren Vermögenswerten geprägt.

Sachanlagen verlieren mehr als eine halbe Million Euro an Buchwert

Besonders deutlich fällt die Entwicklung der Sachanlagen aus.

Sie gingen von 1.205.386 Euro auf 647.367 Euro zurück – ein Minus von rund 558.000 Euro oder gut 46 Prozent.

Der Anhang nennt planmäßige lineare Abschreibungen, liefert jedoch keine detaillierte Aufschlüsselung der Entwicklung des Anlagevermögens. Deshalb kann aus den veröffentlichten Zahlen allein nicht abschließend beurteilt werden, in welchem Umfang der Rückgang ausschließlich auf Abschreibungen zurückzuführen ist.

Die immateriellen Vermögensgegenstände reduzierten sich ebenfalls, allerdings nur von 245.044 Euro auf 229.044 Euro.

Interessanterweise stiegen dagegen die Finanzanlagen von 137.900 Euro auf 182.811 Euro.

Mehr als 2,1 Millionen Euro Forderungen gegen Gesellschafter

Der auffälligste Bilanzposten findet sich im Umlaufvermögen.

Insgesamt weist die Gesellschaft Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände von 2.406.052 Euro aus. Davon entfallen 2.136.326,91 Euro auf Forderungen gegen Gesellschafter.

Im Vorjahr waren es noch 1.733.992 Euro.

Innerhalb eines Jahres haben sich die Gesellschafterforderungen damit um rund 402.335 Euro beziehungsweise 23 Prozent erhöht.

Das ist eine erhebliche Größenordnung: Die Forderungen gegen Gesellschafter entsprechen rund 47 Prozent der gesamten Bilanzsumme.

Für die wirtschaftliche Beurteilung ist deshalb nicht allein die Höhe des Eigenkapitals entscheidend. Wichtig wäre auch zu wissen, gegenüber welchen Gesellschaftern diese Forderungen bestehen, weshalb sie entstanden sind, wie sie verzinst werden und wann ihre Rückzahlung vorgesehen ist.

Diese Einzelheiten gehen aus den veröffentlichten Angaben nicht hervor.

Bankguthaben steigen deutlich

Auf der anderen Seite verbessert sich die unmittelbar sichtbare Liquiditätsposition.

Die liquiden Mittel stiegen von 759.047 Euro auf 1.062.123 Euro.

Das entspricht einem Zuwachs um rund 303.000 Euro oder 40 Prozent.

Damit verfügt die Gesellschaft zum Bilanzstichtag über mehr als eine Million Euro Bankguthaben.

Das ist insbesondere im Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten bemerkenswert.

Nur rund 66.000 Euro kurzfristige Verbindlichkeiten

Die gesamten Verbindlichkeiten wurden von 789.780 Euro auf 560.589 Euro reduziert. Das entspricht einem Rückgang von rund 229.000 Euro beziehungsweise 29 Prozent.

Davon sind lediglich 66.481 Euro innerhalb eines Jahres fällig.

Weitere 494.108 Euro haben eine Restlaufzeit von mehr als einem Jahr.

Bemerkenswert ist außerdem die Entwicklung der sehr langfristigen Schulden: Ende 2024 bestanden noch Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren in Höhe von 164.701 Euro. Ende 2025 beträgt dieser Posten null Euro.

Hinzu kommt, dass die Verbindlichkeiten laut Anhang – abgesehen von üblichen Eigentumsvorbehalten – unbesichert sind.

Das spricht bilanziell für eine komfortable kurzfristige Liquiditätssituation.

Eigenkapitalquote von rund 78 Prozent

Das Eigenkapital beträgt unverändert 3,555 Millionen Euro.

Gemessen an der Bilanzsumme von 4,546 Millionen Euro ergibt sich eine Eigenkapitalquote von rund 78,2 Prozent.

Das ist für eine Windparkgesellschaft eine ausgesprochen hohe bilanzielle Quote.

Dem Eigenkapital stehen lediglich 560.589 Euro Verbindlichkeiten und 430.661 Euro Rückstellungen gegenüber.

Auch das Verhältnis zwischen liquiden Mitteln und kurzfristigen Schulden fällt komfortabel aus: Mehr als 1,06 Millionen Euro Bankguthaben stehen lediglich rund 66.500 Euro kurzfristigen Verbindlichkeiten gegenüber.

Rein bilanziell besteht damit ein erheblicher Liquiditätspuffer.

Rückstellungen steigen

Nicht alle Passivpositionen entwickeln sich rückläufig.

Die Rückstellungen erhöhten sich von 404.783 Euro auf 430.661 Euro, also um rund 25.900 Euro beziehungsweise 6,4 Prozent.

Der Anhang erläutert lediglich allgemein, dass Steuerrückstellungen für noch nicht veranlagte Steuern und sonstige Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten und erkennbare Risiken gebildet wurden.

Eine detaillierte Zusammensetzung der 430.661 Euro wird nicht genannt.

Bei Windparks können beispielsweise Verpflichtungen im Zusammenhang mit Rückbau, Wartung oder sonstigen langfristigen Risiken relevant sein. Ob solche Positionen hier enthalten sind, lässt sich aus dem vorliegenden Abschluss jedoch nicht feststellen.

Der entscheidende Punkt: Wo befindet sich das Vermögen?

Die Bilanzstruktur ist ungewöhnlich interessant.

Von insgesamt rund 4,55 Millionen Euro Vermögen entfallen:

  • rund 2,14 Millionen Euro auf Forderungen gegen Gesellschafter,
  • rund 1,06 Millionen Euro auf liquide Mittel,
  • rund 647.000 Euro auf Sachanlagen,
  • rund 229.000 Euro auf immaterielle Vermögensgegenstände und
  • rund 183.000 Euro auf Finanzanlagen.

Damit sind die Forderungen gegen Gesellschafter inzwischen mehr als dreimal so hoch wie der Buchwert der Sachanlagen.

Für Anleger verschiebt sich dadurch der Blick: Nicht nur die technische und wirtschaftliche Entwicklung des Windparks ist relevant, sondern zunehmend auch die Werthaltigkeit der Gesellschafterforderungen.

Was der Jahresabschluss offenlässt

Eine umfassende wirtschaftliche Beurteilung ist anhand der veröffentlichten Bilanz nicht möglich. Insbesondere fehlen Angaben zu Umsatzerlösen, Stromproduktion, Jahresüberschuss, operativem Cashflow und Ausschüttungen.

Der Bilanzgewinn wird mit null Euro ausgewiesen. Daraus lässt sich jedoch nicht schließen, dass kein Gewinn erwirtschaftet wurde. Bei Personengesellschaften können Ergebnisse bereits den Kapitalkonten zugerechnet beziehungsweise entsprechend verwendet worden sein.

Auch über Konditionen und Hintergründe der mehr als zwei Millionen Euro umfassenden Gesellschafterforderungen erfährt man nichts.

Gerade dieser Punkt wäre für Anleger von erheblichem Interesse.

Fazit: Solide Bilanz – aber Gesellschafterforderungen genau beobachten

Die Windpark Struckum II GmbH & Co. KG präsentiert zum 31. Dezember 2025 eine auf den ersten Blick sehr robuste Bilanz.

Eine Eigenkapitalquote von rund 78 Prozent, mehr als eine Million Euro liquide Mittel, deutlich sinkende Verbindlichkeiten und nur rund 66.000 Euro kurzfristige Schulden sprechen für eine starke bilanzielle Ausgangslage.

Gleichzeitig verändert sich die Struktur des Unternehmensvermögens deutlich. Der Buchwert der Sachanlagen sinkt kräftig, während die Forderungen gegenüber Gesellschaftern auf 2,136 Millionen Euro angewachsen sind.

Genau hier liegt die zentrale Frage für Anleger: Warum fließen immer größere Beträge in Forderungen gegenüber Gesellschaftern, während der bilanzielle Wert des eigentlichen Windparkvermögens kontinuierlich zurückgeht?

Die Bilanz liefert darauf keine Antwort. Für eine abschließende Beurteilung wären insbesondere Informationen zur Verzinsung, Laufzeit und Bonität der Gesellschafterforderungen sowie zur aktuellen Ertrags- und Ausschüttungssituation des Windparks erforderlich.

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