Romantische Nachrichten, große Gefühle und schon nach kurzer Zeit Pläne für eine gemeinsame Zukunft: Was wie der Beginn einer neuen Beziehung wirkt, kann Teil einer gezielt aufgebauten Betrugsmasche sein. Auf Facebook versuchen sogenannte Romance-Scammer, über gefälschte Profile Kontakt zu potenziellen Opfern aufzunehmen. Nach dem von COMPUTER BILD am 17. August 2026 veröffentlichten Bericht werden dabei teilweise dieselben gestohlenen Fotos für eine Vielzahl unterschiedlicher Identitäten verwendet.
Besonders perfide ist, dass die Täter nicht mit einer unmittelbaren Geldforderung beginnen. Zunächst geht es darum, Vertrauen aufzubauen. Die angeblichen Partner präsentieren sich beispielsweise als verwitwete Geschäftsleute, Ärzte oder Soldaten. Auch weibliche Fake-Identitäten werden eingesetzt. Auffällig professionelle Fotos sollen Seriosität und Attraktivität vermitteln.
Erst kommen die Gefühle, dann die Forderungen
Die eigentliche Gefahr beginnt häufig erst nach Tagen oder Wochen intensiver Kommunikation. Die vermeintliche Bekanntschaft zeigt großes persönliches Interesse, meldet sich regelmäßig und spricht möglicherweise schon früh von Liebe oder einer gemeinsamen Zukunft. Ein reales Treffen kommt dagegen nicht zustande.
Sobald eine emotionale Bindung entstanden ist, folgt eine angebliche Notlage. Mal fehlt Geld für ein Flugticket, mal soll eine medizinische Behandlung bezahlt werden. In anderen Fällen geht es um ein Paket, das angeblich beim Zoll festhängt, oder um einen plötzlich eingetretenen finanziellen Engpass.
Die erste Forderung kann vergleichsweise gering sein. Hat das Opfer jedoch einmal bezahlt, können weitere Forderungen folgen und die Beträge steigen. Damit unterscheidet sich Romance-Scamming von vielen klassischen Betrugsversuchen: Nicht allein technische Täuschung steht im Mittelpunkt, sondern die systematische Manipulation menschlicher Gefühle.
Ein Foto – zahlreiche erfundene Identitäten
Ein wichtiges Warnsignal sind nach dem Bericht mehrfach verwendete Profilbilder. Kriminelle greifen demnach auf Fotos von Models, Schauspielern oder anderen Personen zurück und eröffnen damit unterschiedliche Accounts. Name, Alter und Lebensgeschichte ändern sich, das Gesicht bleibt gleich.
Eine Bilder-Rückwärtssuche kann deshalb hilfreich sein. Taucht dasselbe Foto unter zahlreichen Namen oder in einer Vielzahl ähnlicher Profile auf, ist erhebliche Vorsicht angebracht.
Auch neu angelegte Accounts mit wenigen eigenen Beiträgen können verdächtig sein. Hinzu kommen typische Verhaltensmuster: Die Bekanntschaft entwickelt sich ungewöhnlich schnell, der Gesprächspartner möchte die Kommunikation bald von Facebook auf WhatsApp, Telegram oder Signal verlagern und persönliche Treffen werden immer wieder verhindert.
Spätestens wenn eine ausschließlich online bekannte Person um Geld, Überweisungen oder Gutscheinkarten bittet, sollten Betroffene äußerst skeptisch werden.
Warum die Masche so gefährlich ist
Die besondere Wirkung des Romance-Scammings liegt darin, dass Täter nicht nur Informationen, sondern Beziehungen manipulieren. Ein Opfer soll glauben, dass hinter dem Profil ein Mensch steht, der sich tatsächlich für sein Leben interessiert.
Je länger der Kontakt dauert, desto schwieriger kann es werden, Widersprüche zu akzeptieren. Wer bereits Geld überwiesen hat, kann außerdem versucht sein, noch einmal zu zahlen – in der Hoffnung, dass die Geschichte doch stimmt oder bereits gezahltes Geld zurückkommt.
Dadurch können aus zunächst überschaubaren Forderungen erhebliche finanzielle Schäden entstehen.
Scham kann den Betrügern zusätzlich helfen
Für Betroffene kommt häufig eine zweite Belastung hinzu. Neben dem finanziellen Verlust steht die Erkenntnis, dass möglicherweise auch die vermeintliche Beziehung vollständig erfunden war. Genau deshalb sollten Opfer nicht aus Scham schweigen.
Wer bereits Geld überwiesen hat, sollte nach den im Bericht genannten Empfehlungen den Kontakt abbrechen, vorhandene Beweise sichern und Anzeige bei der Polizei erstatten. Nachrichtenverläufe, Profilinformationen und Zahlungsinformationen können dabei von Bedeutung sein.
Entscheidend ist außerdem, kein weiteres Geld zu überweisen. Neue Geschichten über angebliche Gebühren, Notfälle oder die Rückzahlung bereits verlorener Beträge sollten nicht dazu führen, den finanziellen Schaden weiter zu vergrößern.
Misstrauen ist bei Geldforderungen kein Zeichen mangelnden Vertrauens
Online-Beziehungen sind selbstverständlich nicht grundsätzlich unseriös. Doch eine einfache Grenze kann Verbraucher vor erheblichen Schäden schützen: Eine Person, die man ausschließlich aus dem Internet kennt und nie persönlich getroffen hat, sollte kein Geld erhalten.
Besonders ernst sollte man die Kombination mehrerer Warnsignale nehmen: ein auffallend perfektes Profil, sehr schnelle Liebesbekundungen, ständig verhinderte Treffen und schließlich eine dramatische finanzielle Notlage.
Romance-Scamming zeigt damit, wie weit moderner Online-Betrug über gefälschte Rechnungen oder Phishing-Mails hinausgeht. Die Täter versuchen nicht nur, Zugangsdaten zu stehlen. Sie investieren Zeit in die emotionale Bindung ihrer Opfer – und machen aus Vertrauen schließlich ein Geschäftsmodell.