Die 132. WestWind Windpark GmbH & Co. KG aus Kirchdorf hat ihre Finanzverbindlichkeiten im Geschäftsjahr 2024 weiter reduziert und zugleich die Forderungen gegenüber Gesellschaftern deutlich abgebaut. Der Jahresabschluss zeigt damit mehrere positive Entwicklungen. Gleichzeitig sind die liquiden Mittel spürbar gesunken, während die Eigenkapitalbasis unverändert schmal bleibt.
Aus Anlegersicht ergibt sich ein insgesamt geordnetes, aber nicht risikofreies Bild: Die langfristige Finanzierung wird planmäßig zurückgeführt, doch der verfügbare finanzielle Puffer ist kleiner geworden.
Bilanzsumme sinkt um knapp zehn Prozent
Die Bilanzsumme verringerte sich von 4,36 Millionen Euro auf 3,94 Millionen Euro. Der Rückgang beträgt rund 425.500 Euro beziehungsweise knapp zehn Prozent.
Maßgeblich dafür sind die planmäßigen Abschreibungen auf die Windenergieanlage und der weitere Abbau der langfristigen Verbindlichkeiten. Für einen bestehenden Windpark ist eine schrittweise Verkleinerung der Bilanz grundsätzlich typisch.
Anlagevermögen verliert planmäßig an Buchwert
Das Anlagevermögen sank von 3,53 Millionen Euro auf 3,17 Millionen Euro.
Davon entfallen:
- 3,06 Millionen Euro auf Sachanlagen,
- rund 108.800 Euro auf immaterielle Vermögensgegenstände,
- 1.801 Euro auf Finanzanlagen.
Der Rückgang der Sachanlagen um rund 356.600 Euro dürfte im Wesentlichen aus den linearen Abschreibungen resultieren. Größere Ersatz- oder Erweiterungsinvestitionen sind im Abschluss nicht erkennbar.
Das ist nicht automatisch problematisch. Anleger sollten jedoch langfristig darauf achten, ob ausreichende Mittel für Wartung, Modernisierung und mögliche größere Reparaturen vorhanden bleiben.
Verbindlichkeiten werden weiter reduziert
Positiv ist der erneute Schuldenabbau.
Die Verbindlichkeiten gingen von 3,67 Millionen Euro auf 3,34 Millionen Euro zurück. Damit wurden im Geschäftsjahr rund 322.000 Euro an Verpflichtungen abgebaut.
Von den verbleibenden Schulden sind:
- rund 377.200 Euro innerhalb eines Jahres fällig,
- rund 2,97 Millionen Euro langfristig,
- davon etwa 1,64 Millionen Euro mit einer Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren.
Im Vorjahr hatten die besonders langfristigen Verbindlichkeiten noch knapp 1,97 Millionen Euro betragen. Die Gesellschaft reduziert ihre Projektfinanzierung damit erkennbar und kontinuierlich.
Kurzfristige Verpflichtungen steigen leicht
Während die Gesamtverschuldung sinkt, erhöhten sich die kurzfristigen Verbindlichkeiten leicht von rund 364.400 Euro auf 377.200 Euro.
Der Anstieg ist nicht gravierend, verdient angesichts der gesunkenen Liquidität aber Aufmerksamkeit. Entscheidend ist, ob die laufenden Stromerlöse ausreichen, um kurzfristige Zahlungen, Wartungskosten und Tilgungen zuverlässig zu bedienen.
Eigenkapital bleibt bei 450.000 Euro
Das ausgewiesene Eigenkapital beträgt unverändert 450.000 Euro.
Die Kommanditisten haben Kapitalanteile von insgesamt 1,5 Millionen Euro zugesagt. Davon wurden jedoch 1,05 Millionen Euro bislang nicht eingefordert, sodass lediglich 450.000 Euro als eingefordertes Kapital ausgewiesen werden.
Die rechnerische Eigenkapitalquote verbessert sich durch die gesunkene Bilanzsumme leicht von rund 10,3 Prozent auf etwa 11,4 Prozent. Der Anstieg ist allerdings nicht auf einen Kapitalaufbau zurückzuführen, sondern hauptsächlich auf die verkleinerte Bilanz.
Ein Bilanzgewinn oder Bilanzverlust wird nicht ausgewiesen. Daher lässt sich aus dem veröffentlichten Abschluss nicht erkennen, ob die Gesellschaft 2024 operativ einen Gewinn erzielt hat.
Gesellschafterforderungen gehen drastisch zurück
Besonders positiv fällt der Rückgang der Forderungen gegenüber Gesellschaftern auf.
Diese sanken von 354.313 Euro auf nur noch 21.530 Euro. Damit wurden innerhalb eines Jahres mehr als 332.000 Euro zurückgeführt.
Diese Entwicklung unterscheidet die Gesellschaft deutlich von mehreren anderen WestWind-Windparkgesellschaften, bei denen die Forderungen gegenüber Gesellschaftern zuletzt stark angestiegen waren.
Aus Anlegersicht ist der Abbau grundsätzlich erfreulich: Weniger Vermögen ist innerhalb des Gesellschafterkreises gebunden, und die Abhängigkeit von dessen Zahlungsfähigkeit nimmt ab.
Allerdings stiegen die gesamten Forderungen gleichzeitig von 508.525 Euro auf 556.555 Euro. Der Rückgang der Gesellschafterforderungen wurde somit durch höhere Forderungen gegenüber anderen Schuldnern mehr als ausgeglichen.
Bankguthaben sinkt deutlich
Kritischer ist die Entwicklung der liquiden Mittel.
Das Bankguthaben verringerte sich von 311.032 Euro auf 200.115 Euro. Die Gesellschaft verlor damit rund 111.000 Euro beziehungsweise mehr als ein Drittel ihrer unmittelbar verfügbaren Zahlungsmittel.
Der Rückgang kann mit Tilgungen, Ausschüttungen oder laufenden Betriebsausgaben zusammenhängen. Der veröffentlichte Abschluss liefert dazu keine genauere Erklärung.
Mit rund 200.000 Euro erscheint die Liquiditätsreserve weiterhin nicht akut problematisch. Sie ist jedoch deutlich kleiner als im Vorjahr und sollte im Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten von rund 377.000 Euro beobachtet werden.
Rückstellungen gehen stark zurück
Die Rückstellungen reduzierten sich von 120.563 Euro auf 27.774 Euro.
Ein solcher Rückgang kann bedeuten, dass frühere Verpflichtungen erfüllt, Steuern gezahlt oder erwartete Risiken geringer bewertet wurden. Da keine genaue Aufschlüsselung veröffentlicht wurde, lässt sich die Ursache nicht abschließend beurteilen.
Kurzfristig entlastet die geringere Rückstellungsposition die Bilanz.
Passive latente Steuern sinken leicht
Die passiven latenten Steuern gingen von 126.135 Euro auf 115.781 Euro zurück. Gleichzeitig stiegen die aktiven latenten Steuern geringfügig auf 1.814 Euro.
Diese Positionen entstehen aus unterschiedlichen handels- und steuerrechtlichen Wertansätzen. Sie sind zunächst nicht unmittelbar zahlungswirksam, weisen jedoch auf künftige steuerliche Belastungen beziehungsweise Entlastungen hin.
Banken bleiben umfassend abgesichert
Die langfristige Finanzierung ist umfangreich besichert. Der Anhang nennt Verbindlichkeiten von 3,30 Millionen Euro, die durch Pfandrechte oder ähnliche Sicherheiten abgesichert sind.
Zusätzlich hat die Gesellschaft für den späteren Rückbau der Windenergieanlage eine Bankbürgschaft über 149.000 Euro gestellt. Die Bank besitzt dafür ein Rückgriffsrecht, das durch ein Pfandrecht an der Windenergieanlage abgesichert ist.
Solche Sicherheiten sind bei Windparkfinanzierungen üblich. Im Krisenfall haben Kreditgeber dadurch jedoch vorrangigen Zugriff auf wesentliche Vermögenswerte.
Keine eigenen Arbeitnehmer
Die Gesellschaft beschäftigte auch 2024 keine eigenen Arbeitnehmer. Geschäftsführung und Verwaltung erfolgen über die Westwind Verwaltungs GmbH.
Das hält die eigene Kostenstruktur schlank, macht den Betrieb jedoch abhängig von externen beziehungsweise gruppeninternen Dienstleistern.
Eingeschränkte Transparenz bleibt ein Problem
Die Gesellschaft wird als Kleinstkapitalgesellschaft behandelt und nutzt entsprechende Offenlegungserleichterungen.
Dadurch fehlen zentrale Informationen:
- Stromproduktion und Stromerlöse,
- Wartungs- und Pachtkosten,
- Zinsaufwendungen,
- Jahresergebnis,
- mögliche Ausschüttungen,
- Ursache des Liquiditätsrückgangs.
Gerade weil das Eigenkapital unverändert bleibt und kein Jahresergebnis ausgewiesen wird, lässt sich nicht erkennen, wie profitabel der Windpark tatsächlich gearbeitet hat.
Kritische Anlegerbewertung
Positiv sind vor allem:
- der kontinuierliche Abbau der Gesamtverschuldung,
- die Reduzierung der langfristigen Darlehen,
- der fast vollständige Abbau der Gesellschafterforderungen,
- die deutlich geringeren Rückstellungen.
Kritisch bleiben:
- das gesunkene Bankguthaben,
- die weiterhin niedrige Eigenkapitalquote,
- leicht steigende kurzfristige Verbindlichkeiten,
- fehlende Angaben zur tatsächlichen Ertragslage.
Die Bilanz zeigt damit keine akute Krise. Sie macht aber deutlich, dass die Gesellschaft weiterhin stark auf stabile Stromerlöse und eine planmäßige Bedienung der Finanzierung angewiesen ist.
Fazit
Die 132. WestWind Windpark GmbH & Co. KG hat 2024 bei der Entschuldung Fortschritte gemacht. Besonders erfreulich ist, dass die zuvor hohen Forderungen gegenüber Gesellschaftern nahezu vollständig zurückgeführt wurden.
Dem steht ein deutlicher Rückgang der liquiden Mittel gegenüber. Die finanzielle Lage wirkt weiterhin geordnet, doch der Puffer für unvorhergesehene Reparaturen oder schwächere Ertragsjahre ist kleiner geworden.
Aus Anlegersicht überwiegen die stabilisierenden Entwicklungen. Für eine abschließende Beurteilung fehlen jedoch wichtige Informationen zur operativen Profitabilität und zur Verwendung der Liquiditä