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Tagesgeld oder Festgeld? Banken locken mit höheren Festgeldzinsen

ChristophMeinersmann (CC0), Pixabay

Vor der jüngsten Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigt sich ein ungewöhnliches Bild auf dem deutschen Sparmarkt. Während viele Banken bei den Tagesgeldzinsen zurückhaltend bleiben, verbessern sie ihre Konditionen für Festgeldanlagen deutlich. Für Sparer lohnt sich deshalb ein genauer Vergleich der Angebote.

Die EZB belässt den Einlagenzins derzeit bei 2,25 Prozent. Diesen Zinssatz erhalten Banken, wenn sie überschüssige Gelder bei der Notenbank parken. Dennoch liegen die durchschnittlichen Zinsen für Festgeld mit einjähriger Laufzeit inzwischen bei 2,35 Prozent und damit bereits über dem EZB-Einlagenzins. Zweijähriges Festgeld bringt im Durchschnitt 2,44 Prozent, während zehnjährige Anlagen sogar rund 2,90 Prozent erreichen.

Nach Einschätzung von Finanzexperten nutzen viele Kreditinstitute Spareinlagen verstärkt zur Finanzierung ihres Kreditgeschäfts. Da die Refinanzierung über den Kapitalmarkt vergleichsweise teuer bleibt, werben Banken mit attraktiveren Festgeldzinsen gezielt um langfristige Kundeneinlagen.

Auch unter Berücksichtigung der aktuellen Inflationsrate von 2,3 Prozent erzielen viele Festgeldangebote derzeit wieder eine leicht positive Realrendite. Damit wächst die Kaufkraft der Ersparnisse zumindest geringfügig, nachdem dies in den vergangenen Jahren aufgrund der hohen Inflation oft nicht der Fall war.

Deutlich weniger attraktiv präsentiert sich dagegen das Tagesgeld. Obwohl die EZB ihre Leitzinsen zuletzt angehoben hatte, gaben viele Banken diesen Vorteil bislang nicht an ihre Kunden weiter. Nach einer aktuellen Auswertung erhöhten lediglich 17 Prozent der untersuchten Geldhäuser ihre Tagesgeldzinsen. Bundesweit liegt der durchschnittliche Zinssatz inzwischen bei 1,38 Prozent und damit weiterhin deutlich unter dem Niveau vieler Festgeldangebote.

Besonders niedrig fallen die Zinsen bei regionalen Instituten aus. Sparkassen zahlen im Durchschnitt lediglich 0,41 Prozent auf Tagesgeld, während Volks- und Raiffeisenbanken durchschnittlich 0,47 Prozent anbieten.

Wer bereit ist, Angebote zu vergleichen, kann jedoch deutlich bessere Konditionen erhalten. Einige Banken werben derzeit mit bis zu vier Prozent Tagesgeldzinsen. Diese Spitzenangebote gelten allerdings fast ausschließlich für Neukunden und sind zeitlich befristet. Nach Ablauf der Aktionszeiträume sinken die Zinssätze häufig deutlich.

Für Sparer empfiehlt es sich daher, nicht nur auf kurzfristige Werbeangebote zu achten. Wer sein Geld über längere Zeit anlegen möchte und Planungssicherheit bevorzugt, findet derzeit im Festgeld vielfach attraktivere Konditionen. Wer dagegen flexibel bleiben möchte, sollte beim Tagesgeld vor allem auf dauerhaft gute Bestandskundenzinsen achten und verschiedene Anbieter regelmäßig vergleichen.

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