Die Dreiundzwanzigste Westwind Windpark GmbH & Co. KG befindet sich offensichtlich in einer völlig anderen Unternehmensphase als klassische Betreiber von Windparks. Der Jahresabschluss 2024 zeigt nicht den Ausbau eines Windparks, sondern dessen geordnetes Ende. Für Anleger ist das ein entscheidender Unterschied, denn Wachstumsperspektiven stehen hier nicht mehr im Vordergrund – vielmehr geht es um die ordnungsgemäße Abwicklung der Gesellschaft und die Verteilung des verbliebenen Vermögens.
Positiv fällt zunächst die Eigenkapitalquote auf. Mit 624.000 Euro Eigenkapital bei einer Bilanzsumme von rund 770.000 Euro finanziert sich die Gesellschaft zu mehr als 80 Prozent aus eigenen Mitteln. Gleichzeitig bestehen lediglich rund 26.000 Euro Verbindlichkeiten. Aus Sicht der Bilanz ist die Gesellschaft damit nahezu schuldenfrei und finanziell solide aufgestellt.
Ein genauerer Blick relativiert dieses Bild jedoch. Das Anlagevermögen ist vollständig verschwunden. Während Ende 2023 noch Sachanlagen im Wert von rund 15.600 Euro ausgewiesen wurden, beträgt dieser Wert nun null Euro. Im Anhang wird zudem ausdrücklich erwähnt, dass mit dem Rückbau der Windenergieanlage bereits begonnen wurde. Die Gesellschaft verfügt damit über keinen operativen Anlagenbestand mehr, der künftig Erträge erwirtschaften könnte.
Die Vermögenswerte bestehen heute nahezu ausschließlich aus Umlaufvermögen. Mehr als zwei Drittel davon entfallen auf Forderungen gegenüber Gesellschaftern in Höhe von rund 513.000 Euro. Genau hier liegt aus Anlegersicht der wichtigste Punkt. Forderungen gegen Gesellschafter sind grundsätzlich werthaltig, solange diese auch tatsächlich erfüllt werden. Gleichzeitig stellen sie jedoch keine frei verfügbaren liquiden Mittel dar und sind qualitativ anders zu bewerten als Bankguthaben. Für Außenstehende bleibt offen, wann und unter welchen Bedingungen diese Forderungen zurückgeführt werden.
Positiv ist hingegen, dass das Unternehmen 2024 erneut einen Jahresüberschuss von rund 86.000 Euro erwirtschaftete. Dieser wurde nach Verrechnung bestehender Verlustvorträge den Privatkonten der Kommanditisten gutgeschrieben. Das zeigt, dass trotz der Rückbauphase noch wirtschaftliche Erträge erzielt werden konnten.
Auch die Rückstellungen verdienen Aufmerksamkeit. Sie gingen von rund 166.000 Euro auf etwa 120.000 Euro zurück. Da der Rückbau bereits begonnen hat, ist dieser Rückgang plausibel. Gleichzeitig weist das Unternehmen darauf hin, dass die Rückbauverpflichtungen nicht mehr abgezinst werden, weil die Maßnahmen bereits laufen. Für Anleger ist dies ein Hinweis darauf, dass die Gesellschaft ihre Verpflichtungen aktiv erfüllt und hierfür ausreichend liquide Mittel bereithält.
Positiv hervorzuheben ist außerdem, dass für die Rückbauverpflichtung eine Bankbürgschaft besteht und nach Einschätzung der Geschäftsführung nicht mit einer Inanspruchnahme gerechnet wird. Das spricht für eine solide Planung der Abwicklungsphase.
Aus Anlegersicht stellt sich jedoch die entscheidende Frage nach der Zukunft. Da der Windpark bereits zurückgebaut wird und kein Anlagevermögen mehr vorhanden ist, existiert praktisch kein operatives Geschäftsmodell mehr. Die Gesellschaft entwickelt sich damit von einem Energieerzeuger zu einer Abwicklungsgesellschaft. Künftige Wertsteigerungen aus dem laufenden Betrieb sind daher kaum noch zu erwarten.
Fazit
Der Jahresabschluss vermittelt insgesamt ein solides, aber sehr spezielles Bild. Positiv sind die hohe Eigenkapitalquote, die geringe Verschuldung, der Jahresüberschuss sowie die ausreichende Vorsorge für den Rückbau. Kritisch ist hingegen, dass kein operatives Anlagevermögen mehr vorhanden ist und der größte Vermögenswert aus Forderungen gegenüber Gesellschaftern besteht. Für bestehende Anleger dürfte der Fokus nun weniger auf zukünftigem Wachstum als vielmehr auf einer geordneten Vermögensverwertung und möglichen Ausschüttungen liegen. Wer in die Gesellschaft investiert ist, sollte den weiteren Verlauf der Liquidation beziehungsweise Abwicklung genau beobachten, da hiervon die künftigen Rückflüsse an die Gesellschafter maßgeblich abhängen.