Liebe Fußballfreunde,
manchmal erzählen Ergebnisse nicht die ganze Geschichte. Wer nur auf das knappe 1:0 für Marokko schaut, könnte denken, die Atlaslöwen hätten einen eher unspektakulären Pflichtsieg eingefahren. Tatsächlich war es ein Spiel mit zwei völlig unterschiedlichen Gesichtern – und am Ende einem verdienten Sieger.
Dabei begann der Abend für Marokko nahezu perfekt. Kaum hatte sich Schottland sortiert, schlug der Favorit bereits zu. Saibari sorgte früh für das 1:0 und legte damit den Grundstein für einen Erfolg, der zunächst deutlich ungefährdeter wirkte, als er später werden sollte.
In der ersten Halbzeit zeigten die Nordafrikaner genau das, was ihre Fans sehen wollten: mutigen Fußball, technische Klasse und jede Menge Spielfreude. Marokko kontrollierte Ball und Gegner, kombinierte gefällig und ließ die Schotten meist hinterherlaufen. Es sah zeitweise tatsächlich nach einem entspannten Abendspaziergang Richtung Tabellenführung aus.
Doch wer die Schotten kennt, weiß: Aufgeben gehört nicht zur nationalen DNA.
Nach dem Seitenwechsel kam plötzlich deutlich mehr Gegenwehr. Schottland spielte mutiger, lief höher an und versuchte, Marokko aus seiner Komfortzone zu holen. Die Partie wurde intensiver, körperlicher und vor allem offener. Die Atlaslöwen mussten nun deutlich mehr arbeiten als ihnen lieb gewesen sein dürfte.
Der große Ausgleich blieb allerdings aus. So engagiert die Schotten auch auftraten, vor dem Tor fehlte letztlich die letzte Idee, die entscheidende Präzision oder einfach die individuelle Klasse, um die marokkanische Defensive ernsthaft ins Wanken zu bringen. Die wenigen gefährlichen Situationen wurden souverän entschärft.
Und so blieb es bei diesem einen frühen Treffer, der am Ende Gold wert war.
Für Marokko zählen vor allem die drei Punkte. Nicht jedes Spiel muss ein fußballerisches Feuerwerk sein. Turniere gewinnt man oft genau mit solchen Partien, in denen man nach starker erster Halbzeit auch die weniger glamourösen Momente übersteht und einen knappen Vorsprung ins Ziel bringt.
Schottland wiederum kann trotz der Niederlage einiges Positives mitnehmen. Die Mannschaft hat Charakter gezeigt, sich nach schwierigen ersten 45 Minuten zurückgekämpft und bewiesen, dass sie in dieser Gruppe keineswegs nur zum Mitspielen angereist ist.
Die Zuschauer auf den Rängen kamen jedenfalls auf ihre Kosten. Sie sahen Tempo, Leidenschaft, Zweikämpfe und bis zur letzten Minute Spannung. Was will man bei einer Weltmeisterschaft mehr?
Marokko sichert sich damit zumindest vorläufig die Tabellenführung und darf von einer erfolgreichen Turnierreise träumen. Die Schotten müssen sich zwar geschlagen geben, haben aber gezeigt, dass sie noch lange nicht abgeschrieben werden dürfen.
Und damit verabschiede ich mich für diesen Abend.
Ihre
Wanise