Liebe Fußballfreunde,
Fußball kann manchmal grausam sein. Man kann angreifen, rennen, schießen, Aluminium treffen, den gegnerischen Torhüter zum Mann des Spiels machen – und am Ende trotzdem mit leeren Händen dastehen. Die Türkei hat heute genau diese schmerzhafte Erfahrung gemacht.
Nach 90 Minuten stand ein Ergebnis auf der Anzeigetafel, das aus paraguayischer Sicht wie Musik in den Ohren klang: 1:0. Aus türkischer Sicht hingegen war es der Schlusspunkt unter einer enttäuschenden Weltmeisterschaft.
Dabei dürfte sich Vincenzo Montella gefragt haben, was seine Mannschaft eigentlich noch hätte tun müssen, um ein Tor zu erzielen.
Die Zahlen lesen sich fast absurd. 31 Abschlüsse für die Türkei, gerade einmal sieben für Paraguay. Die Türken trafen Latte und Pfosten, prüften Torhüter Orlando Gill immer wieder und schnürten den Gegner phasenweise tief in dessen eigener Hälfte ein. Doch der Ball wollte einfach nicht über die Linie.
Und wenn er doch einmal den Weg Richtung Tor fand, stand dort Gill. Der paraguayische Schlussmann entwickelte sich zum Albtraum aller türkischen Angreifer und lieferte eine jener Torwartleistungen ab, die bei Weltmeisterschaften Legendenstatus erreichen können.
Paraguay hingegen machte genau das, was erfolgreiche Außenseiter seit Jahrzehnten bei großen Turnieren tun: leiden, verteidigen, warten – und im richtigen Moment zuschlagen.
Matías Galarza Fonda nutzte eine der wenigen Chancen eiskalt aus und erzielte damit den Treffer, der das gesamte Turniergeschehen in Gruppe D auf den Kopf stellte.
Während die Türken Angriff um Angriff starteten, verteidigte Paraguay mit Leidenschaft, Disziplin und einer Portion Glück. Im Fußball reicht manchmal genau das.
Für die Türkei ist das Ausscheiden nach nur zwei Spielen besonders bitter, weil die Mannschaft keineswegs chancenlos wirkte. Im Gegenteil. Schon im ersten Gruppenspiel fehlte die Effizienz vor dem Tor, und auch diesmal wurde derselbe Fehler zum Verhängnis.
Fußballspiele werden eben nicht nach Ballbesitz, Chancen oder Statistiken entschieden. Sie werden nach Toren entschieden.
Und genau daran scheiterte die Türkei.
Paraguay darf dagegen weiter träumen. Die Albirroja hat sich ein echtes Endspiel gegen Australien um Platz zwei erarbeitet. Die Ausgangslage könnte spannender kaum sein. Wer gewinnt, darf von der K.-o.-Runde träumen. Wer verliert, fährt nach Hause.
Ein weiterer Gewinner des Abends sitzt allerdings ganz entspannt auf dem Sofa: die USA. Durch das paraguayische Wunder steht bereits fest, dass die Amerikaner die Gruppe D gewinnen werden. Das letzte Gruppenspiel gegen die Türkei hat damit vor allem statistischen Charakter.
Für die Türken bleibt dagegen nur die Erkenntnis, dass Fußball manchmal brutal ungerecht wirken kann. Wer 31-mal abschließt und dennoch verliert, hat entweder einen außergewöhnlichen Torwart gegen sich oder einen dieser Abende erwischt, an denen das Tor plötzlich so klein erscheint wie ein Briefkasten.
Paraguay wird das herzlich egal sein.
Die Südamerikaner leben weiter ihren WM-Traum. Die Türkei muss dagegen die Koffer packen – und sich fragen, wie man ein Spiel mit 31 Abschlüssen verlieren konnte.
Ihre
Wanise