1) Kurzfazit aus Anlegersicht
Der Multi Flex+ hat im Geschäftsjahr 01.11.2024–31.10.2025 eine Wertentwicklung von +8,60% erzielt – bei Volatilität 8,74% und einem Max Drawdown von -13,27%. Das klingt nach einem ordentlich gemanagten, moderat schwankenden „Multi-Asset“-Ansatz. Gleichzeitig zeigt der Bericht sehr klar: Die Rendite kommt primär aus Kursgewinnen/Trading (realisiert), nicht aus laufenden Erträgen, und die laufenden Kosten sind mit TER 2,59% hoch. Dazu kommt eine sehr starke Zielfonds-/ETF-Dominanz (rund 83% Investmentanteile, plus Geldmarktfonds), wodurch Sie als Anleger zusätzliche Kosten- und Stilrisiken „durchreichen“.
Geeignet eher für: Anleger, die einen aktiv gemanagten, globalen Mischansatz akzeptieren, Kosten tolerieren und die Rohstoff-/Value-/Technologie-Akzente bewusst wollen.
Weniger geeignet: Kosten- und Einfachheitsorientierte (z. B. „Core-ETF + Anleihen“-Ansatz), oder Anleger mit klarem Wunsch nach Währungsabsicherung/ESG-Integration.
2) Strategie & Umsetzung: sehr flexibel – de facto „Fonds aus Fonds“
Ziel: mittel- bis langfristiger Wertzuwachs mit flexibler Allokation (Aktien, Renten, Alternatives, Kasse).
Währungsabsicherung: nicht vorgesehen → Fremdwährungsbewegungen können Rendite/Drawdowns stark beeinflussen.
Derivate sind erlaubt (Absicherung und Spekulation). Im Berichtjahr war die Derivate-„Leverage“-Nutzung im Schnitt 1,00 und das Derivative-Exposure am Stichtag 0 – d. h. eher taktisch/zeitweise, nicht permanent.
Die praktische Umsetzung ist stark über Zielfonds/ETFs geprägt. Der Bericht nennt, dass der Investmentfondsanteil über das Jahr dominierte (Quartalsstichtage ca. 86–95%). Stichtagsnah bestehen 83,02% aus Investmentanteilen, 14,00% Bankguthaben und **3,19% Geldmarktfonds.
3) Performanceprofil: gute Jahreszahl, aber Rendite-„Qualität“ beachten
Kennzahlen (lfd. GJ):
Wertentwicklung: +8,60%
Bester Monat: +5,11%, schlechtester Monat: -4,52%
Positive Monate: 8, negative Monate: 4
Drawdown: -1,42% (aktueller Rückgang vom Hoch), Max Drawdown: -13,27%
Ertrags- und Aufwandsrechnung zeigt den Renditetreiber:
Ordentlicher Nettoertrag: -268,6 Tsd. EUR (negativ)
→ laufende Erträge (Zinsen/Erträge aus Investmentanteilen) reichen nicht, um Kosten zu decken.
Netto-Veräußerungsergebnis: +2,706 Mio. EUR
→ Rendite kommt überwiegend aus realisierten Kursgewinnen (u. a. Verkauf von Investmentanteilen), während Futures teils Verluste beitrugen.
Nicht realisiertes Ergebnis: -1,231 Mio. EUR
→ aufgelaufene Buchwertbewegungen waren netto negativ, trotz positivem Jahresergebnis.
Interpretation: Das Jahr war erfolgreich, aber eher „marktabhängig/positionsgetrieben“ als „carry-getrieben“. In Seitwärts-/Stressphasen kann das Ergebnis schneller kippen – insbesondere bei hoher Zielfondsquote und Themenexposure.
4) Portfolio: global, aber mit klaren Stil- und Themenwetten
Stichtagsallokation (vereinfacht):
Investmentanteile: 83,02%
Cash/Bank: 14,00%
Geldmarktfonds: 3,19%
Auffällig ist die Mischung aus:
Aktien-Beta: z. B. S&P 500-ETF, MSCI World ETF, Europa/Asien-Pazifik, China Large Cap.
Faktor-/Stil-Schwerpunkte: Value-orientierte Bausteine (u. a. EM Value, „Modern Value“-Ansatz, globaler Value-Fonds).
Rohstoff-/Minensektor: u. a. Gold Miners und Silver Miners – das erhöht Zyklik und kann in Stressphasen stark schwanken (auch wenn es Diversifikation bringen soll).
Income/Anleihen über Zielfonds: z. B. global high income/kurze Duration (historisch oft kredit-/spread-sensitiv).
Anleger-Punkt: Die Diversifikation ist breit, aber nicht neutral. Rohstoffminen + Value + Technologie ist kein „klassischer“ 60/40-Blend, sondern kann phasenweise stark vom Marktregime abhängen.
5) Risiken: gut benannt, aber im Produktdesign angelegt
Der Bericht nennt die relevanten Risikoquellen, die für Sie als Anleger praktisch wichtig sind:
Währungsrisiko (keine Absicherung)
→ EUR-Anleger tragen USD & andere Währungen indirekt über Zielfonds.
Zins-/Credit-Risiken über Zielfonds
→ Besonders „High Income/High Yield“-Bausteine sind spread- und ausfallanfälliger.
Liquiditätsrisiko über Zielfonds
→ Bei Marktturbulenzen kann die Rücknahme in Zielfonds ausgesetzt werden; dann kann auch der Dachfonds eingeschränkt sein.
Marktpreisrisiko
→ Hohe Abhängigkeit von globalen Märkten; geopolitische Unsicherheit wird explizit betont.
Derivate-Risiko
→ Futures wurden genutzt (im Bericht u. a. DAX-Futures); realisierte Verluste kamen „im Wesentlichen“ aus Indexfutures. Auch wenn börsengehandelt, bleibt Timing-/Hebelrisiko.
6) Kosten & Interessenkonflikte: der kritischste Punkt
TER: 2,59% – für einen Fonds, der überwiegend in andere Fonds/ETFs investiert, ist das aus Investorensicht sehr teuer.
Ordentlicher Nettoertrag ist negativ – das unterstreicht, dass die Kostenlast substanziell ist (Verwaltungsvergütung allein: rund 303 Tsd. EUR).
Transaktionsvolumen gesamt: 69,5 Mio. EUR, davon 100% mit verbundenen Unternehmen (laut Bericht). Das ist ein wichtiger Governance-Hinweis: Es muss nicht „schlecht“ sein, aber es erhöht die Relevanz von Best-Execution/Interessenkonflikt-Management.
Es werden Kickbacks als sonstige Erträge ausgewiesen (8.964,80 EUR). Das ist transparent berichtet, aber für Anleger ein Hinweis, dass Retrozessionen im Konstrukt vorkommen können.
Beteiligte Funktionen:
KVG: HANSAINVEST Hanseatische Investment-GmbH
Portfoliomanager: DFP Deutsche Finanz Portfolioverwaltung GmbH
Verwahrstelle: Donner & Reuschel AG
Abschlussprüfer: KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
7) Ausschüttung & Fondsgröße: stabil, aber mit Mittelabflüssen
Fondsvermögen: 16,99 Mio. EUR (nahezu unverändert vs. Vorjahr 16,94 Mio. EUR)
Netto-Mittelabfluss: ca. -0,98 Mio. EUR (Rücknahmen > Verkäufe)
Ausschüttung: 1,96 EUR je Anteil (gesamt 273.201 EUR)
Das Bild: Performance trägt, aber Anlegergelder sind netto eher abgeflossen – das kann Zufall/vertriebsbedingt sein, ist aber ein Signal, das man in Folgejahren beobachten würde.
8) Nachhaltigkeit/ESG: explizit nicht integriert
Der Bericht sagt klar: Nachhaltigkeitsrisiken wurden im Berichtszeitraum bei Investitionsentscheidungen nicht berücksichtigt, Einstufung Artikel 6 (SFDR). Für ESG-orientierte Anleger ist das ein klares Ausschluss- bzw. „nur mit Bauchweh“-Kriterium.
9) Einordnung & „Investor-Checkliste“
Stärken
Ordentliche Rendite im Berichtsjahr (+8,6%) bei moderater Volatilität.
Hohe Flexibilität, Cash-Quote vorhanden (14% zum Stichtag).
Transparente Darstellung von Risiken/Prozessen, geprüfter Bericht.