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WEALTHGATE Multi Asset: Solide Jahresrendite – aber mit auffällig hoher Kosten- und Interessenkonflikt-Komponente

geralt (CC0), Pixabay

1) Kurzfazit aus Anlegersicht

Der Fonds hat im Geschäftsjahr 01.11.2024–31.10.2025 eine ordentliche Performance geliefert (+9,23% Anteilklasse P; +9,90% Anteilklasse I). Das Profil wirkt defensiv-ausgerichtet (Ziel: „angemessener Wertzuwachs bei möglichst geringer Volatilität“) – tatsächlich dominiert jedoch ein Zielfonds/ETF-Konstrukt (≈66%) plus spürbare Cash-/Geldmarktquote (≈18%), ergänzt um Gold (≈8%) und nur geringe Direktaktien (≈4%).
Die Kehrseite: die laufenden Kosten sind hoch (TER 2,31% bzw. 1,82%) und es fällt zudem eine performanceabhängige Vergütung an (im Bericht ausgewiesen mit 1,77% bzw. 1,87%). Außerdem sind 100% des Transaktionsvolumens mit verbundenen Unternehmen erfolgt – das ist nicht automatisch „schlecht“, aber ein klarer Punkt für genaues Hinsehen.

2) Rendite & Ergebnisqualität

Wertentwicklung: P +9,23%, I +9,90% (gutes Jahr, zumal mit defensiverer Allokation und hoher Liquidität).

Ertragsstruktur: Der „ordentliche Nettoertrag“ ist in beiden Klassen negativ (P: -21,8 Tsd. EUR; I: -994 Tsd. EUR) – das ist im Kern ein Kosten-/Gebühreneffekt (Verwaltungsvergütung inkl. Performance Fee dominiert die laufenden Erträge).

Treiber der Jahresperformance: Im Wesentlichen kam das Ergebnis aus Veräußerungsgewinnen und Bewertungsgewinnen (nicht realisierte Gewinne), weniger aus laufenden Ausschüttungen/Zinsen/Dividenden.

Einordnung: Anleger bekommen hier eher ein aktiv gemanagtes „Return-über-Allokation“-Produkt als einen Fonds, der aus laufenden Kupons/Dividenden „sich selbst trägt“.

3) Portfolioaufbau: „Multi Asset“ – aber stark fonds-/ETF-basiert

Vermögensübersicht (31.10.2025):

Investmentanteile: 66,18% (Hauptbaustein)

Bankguthaben: 9,99% + Geldmarktfonds: 8,13% + „kurzfristig liquidierbar“: 8,13% → zusammen grob ~18%+ sehr liquide/kurzlaufend

Zertifikate: 8,16% (praktisch vollständig Gold-ETC)

Direktanleihen: 4,92%

Direktaktien: 4,04%

Was das für Anleger bedeutet:

Risikoprofil eher „Allokationsfonds“: Die Managerleistung liegt vor allem in der Zusammenstellung und Gewichtung von Zielfonds/ETFs und in taktischen Anpassungen (Aktienquote leicht reduziert, Liquidität erhöht, Renten leicht aufgestockt – v.a. kurzlaufend).

Diversifikation ist grundsätzlich gegeben (MSCI World, S&P 500, EM, Japan, Themen-ETFs etc.), aber:

Gold-Exposure ist mit ~8% nicht trivial.

Krypto-Exposure (BIT Global Crypto Leaders) ist zwar nur ~1,44%, kann aber die Volatilität in Stressphasen erhöhen.

Ein Teil der Renten-/Credit-Bausteine und Einzeltitel (z.B. Nachranganleihen/High-Yield-Charakter) kann in Krisen liquiditäts- und spread-sensitiv sein.

4) Kosten: der zentrale Prüfpunkt

Anteilklasse P: Verwaltungsvergütung 2,0% p.a., TER 2,31%, performanceabhängige Vergütung ausgewiesen 1,77%

Anteilklasse I: Verwaltungsvergütung 1,57% p.a., TER 1,82%, performanceabhängige Vergütung ausgewiesen 1,87%

Bewertung: Für ein Portfolio, das zu großen Teilen aus ETFs und Fonds besteht (die bereits eigene Kosten tragen), sind das ambitionierte Gesamtkosten.
Die Kernfrage ist: Liefern Allokation, Risikosteuerung und Timing dauerhaft genug Mehrwert, um diese Kosten nach Gebühren zu rechtfertigen – gerade wenn ein beträchtlicher Teil in Geldmarkt/kurzlaufenden Bausteinen geparkt ist.

5) Mittelbewegungen & Skalierung

Anteilklasse I wächst stark: Fondsvermögen von 46,46 Mio. EUR auf 66,88 Mio. EUR (netto deutlicher Mittelzufluss).

Anteilklasse P ist klein und eher stabil (um ~1,05 Mio. EUR, netto Abflüsse, aber durch Performance ausgeglichen).

Implikation: Größere Fondsgröße kann die Handelbarkeit verbessern – zugleich steigt die Bedeutung sauberer Prozesse (Kosten, Interessenkonflikte, Execution-Qualität).

6) Interessenkonflikte & Governance: „100% verbunden“

Besonders auffällig:

Transaktionsvolumen mit verbundenen Unternehmen: 100% (17,62 Mio. EUR).

Das kann z.B. an konzerninternen Abwicklungswegen, Broker-/Plattformstrukturen oder Verwahr-/Handelsketten liegen – muss aber transparent und marktgerecht sein.

Zusätzlich zur Struktur:

KVG: HANSAINVEST; Portfoliomanagement: DONNER & REUSCHEL Luxemburg S.A.; Zugehörigkeit zur Signal Iduna Gruppe; Fondsberater unter Haftungsdach: NFS Netfonds Financial Service GmbH.

Prüfungsvermerk: KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit uneingeschränktem Prüfungsurteil (positiv für die formale Ordnungsmäßigkeit).

Was Anleger damit machen sollten: In die Unterlagen/Website-Infos zu Best Execution, Kostenaufteilung, Konfliktmanagement und ggf. „wer verdient woran“ tiefer reinschauen – weil die 100%-Quote ein klares Signal ist, dass hier Konzernpfade eine große Rolle spielen.

7) Risiko- und Produktpassung

Risikoseitig nennt der Bericht die üblichen Punkte (Marktpreis, Zins, Währung, Liquidität, Adressenausfall; Zielfonds-Liquidität; Zertifikat-Sekundärmarkt). Anlegerrelevant sind vor allem:

Zielfonds-Liquiditätsrisiko (wenn Rücknahmen ausgesetzt würden).

Währungsrisiko (USD/CHF/GBP-Anteile).

Zinsänderungs-/Credit-Risiko (auch über Zielfonds).

Aktive Steuerung ohne Benchmark: Kein fester Vergleichsmaßstab – das macht die Bewertung von „Mehrwert“ schwieriger; man muss stärker auf Konsistenz, Drawdowns und Gebühreneffekt achten.

Nachhaltigkeit: Der Fonds berücksichtigt Nachhaltigkeitsrisiken laut Bericht nicht und ist als Artikel-6-Produkt klassifiziert (SFDR). Für ESG-orientierte Anleger ist das ein Ausschluss-/Abwägungspunkt.

8) Praktische Anleger-Checkliste (konkret)

Kosten vs. Alternative: Was wäre die erwartbare Nettorendite nach TER + Performance Fee im „normalen“ Marktjahr – und wie schlägt sich das gegen ein günstiges 60/40-ETF-Portfolio oder Mischfonds-Peers?

Performance Fee Mechanik: Nach welcher Methode (High-Water-Mark, Hurdle, Crystallization) wird sie berechnet? Das entscheidet, ob Gebühren „fair“ sind.

Interessenkonflikte: Warum sind 100% der Transaktionen „verbunden“ – und wie wird Marktüblichkeit der Preise/Spreads nachgewiesen?

Rolle von Gold/Krypto: Passt ~8% Gold und ~1–2% Krypto zu Ihrer persönlichen Risikotoleranz?

Liquiditäts-/Geldmarktquote: Ist das ein bewusst defensiver Dauerzustand oder taktisch? (Denn hohe Liquidität kann Rendite kosten, senkt aber Schwankungen.)

Gesamturteil

Stärken: gute Jahresrendite, breite Diversifikation über Zielfonds/ETFs, defensivere Steuerung (mehr Liquidität/kurzlaufend), geprüfter Bericht.
Schwächen/Risiken: hohe Gesamtkosten inkl. Performance Fee, schwierige „Mehrwert“-Messung ohne Benchmark, auffällige Konzernverflechtung bei Transaktionen, kein ESG-Fokus.

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