Prinz Harry hat eindringlich dazu aufgerufen, die Opfer der Nato-Soldaten im Afghanistan-Einsatz „wahrheitsgemäß und mit Respekt“ zu würdigen. Anlass sind umstrittene Äußerungen des ehemaligen und amtierenden US-Präsidenten Donald Trump, der behauptet hatte, Verbündete hätten sich während des Krieges „ein wenig zurückgehalten“ und seien nicht an vorderster Front im Einsatz gewesen. Diese Aussagen haben international für Empörung gesorgt – insbesondere bei Veteranen, Hinterbliebenen und politischen Entscheidungsträgern.
Der Duke of Sussex, der selbst zweimal als Soldat in Afghanistan diente, darunter zehn Wochen in der besonders umkämpften Provinz Helmand, reagierte emotional. „Ich habe dort gedient. Ich habe dort Freunde fürs Leben gefunden. Und ich habe dort Freunde verloren“, erklärte er. Insgesamt verloren 457 britische Soldaten in Afghanistan ihr Leben, viele weitere wurden schwer verletzt oder tragen bis heute psychische und körperliche Folgen davon.
Prinz Harry erinnerte daran, dass die Nato nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 erstmals in ihrer Geschichte Artikel 5 ausrief – die Beistandsklausel des Bündnisses. Damit verpflichteten sich alle Mitgliedsstaaten, den USA beizustehen. „Die Verbündeten haben diesen Ruf beantwortet“, so Harry. Tausende Familien hätten einen hohen Preis gezahlt: Eltern verloren ihre Kinder, Kinder ihre Eltern, und viele Angehörige tragen die Last bis heute.
Auch in der britischen Politik stießen Trumps Aussagen auf scharfe Kritik. Premierminister Sir Keir Starmer bezeichnete sie als „beleidigend und offen gesagt erschreckend“. Er betonte, er werde den Mut, die Tapferkeit und die Opfer der Soldaten niemals vergessen. Sollte er selbst sich derart geäußert haben, würde er sich entschuldigen, so Starmer.
Internationale Reaktionen folgten prompt. Polens Außenminister Radoslaw Sikorski, selbst Afghanistan-Veteran, erklärte, niemand habe das Recht, den Dienst gefallener Soldaten zu verhöhnen. Kanadas Verteidigungsminister David McGuinty erinnerte daran, dass kanadische Truppen von Beginn an im Einsatz waren und 158 von ihnen ihr Leben ließen.
Auch ehemalige Nato-Spitzenvertreter meldeten sich zu Wort. Jaap de Hoop Scheffer, früherer Nato-Generalsekretär, forderte eine klare Entschuldigung Trumps. Kein US-Präsident dürfe das Vermächtnis der Gefallenen schmälern oder trauernde Familien verletzen.
Der Afghanistan-Krieg, der 2001 begann und fast 20 Jahre dauerte, kostete mehr als 3.500 Koalitionssoldaten das Leben, darunter 2.461 US-Amerikaner. Für viele Veteranen und Angehörige ist die Debatte um Worte mehr als Politik – sie ist eine Frage von Anerkennung, Respekt und historischer Wahrheit.