Die jüngsten Äußerungen von US-Finanzminister Scott Bessent haben die ohnehin angespannte politische Debatte in Kanada weiter angeheizt. In einem Interview mit dem konservativen US-Kommentator Jack Posobiec bezeichnete Bessent die kanadische Provinz Alberta als einen „natürlichen Partner für die USA“ und äußerte Verständnis für separatistische Tendenzen in der rohstoffreichen Region. Seine Aussagen fallen in eine Phase diplomatischer Spannungen zwischen Washington und Ottawa sowie wachsender innenpolitischer Diskussionen über die Zukunft Albertas innerhalb Kanadas.
Bessent hob vor allem die enormen natürlichen Ressourcen der Provinz hervor, insbesondere im Energiesektor. Alberta verfüge über große Öl- und Gasvorkommen, stoße jedoch seit Jahren auf politische und regulatorische Hürden beim Bau neuer Pipelines – vor allem in Richtung Pazifik. Aus US-amerikanischer Sicht sei es daher naheliegend, die Energieinfrastruktur stärker nach Süden auszurichten. Die Albertaner beschrieb Bessent als „sehr unabhängige Menschen“, was seine Aussagen zusätzlich politisch auflud.
Brisant ist der Zeitpunkt: In Alberta sammelt eine separatistische Gruppe derzeit Unterschriften für ein mögliches Unabhängigkeitsreferendum. Bis Mai müssen mindestens 178.000 wahlberechtigte Bürger unterzeichnen, um eine Volksabstimmung zu erzwingen. Zwar gibt es in der Provinz eine laute Minderheit, die sich vom föderalen Kanada entfremdet fühlt, doch Umfragen zeigen weiterhin eine klare Mehrheit für den Verbleib in der Konföderation.
Die kanadische Bundesregierung reagierte kühl auf die Kommentare aus Washington. Finanzminister François-Philippe Champagne erklärte, Kanada werde seine Angelegenheiten selbst regeln. Er verwies zudem auf eine jüngst erzielte Vereinbarung zwischen Premierminister Mark Carney und der Regierung Albertas, die neue Möglichkeiten für einen Pipelinebau an die Pazifikküste eröffnen soll – ein zentrales Anliegen der Provinz seit Jahren.
Auch die Regierung von Alberta bemühte sich um Schadensbegrenzung. Ein Sprecher von Premierministerin Danielle Smith betonte, dass die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung kein Interesse daran habe, Teil der USA zu werden. Zwar unterstütze Alberta neue Pipelines in alle Richtungen, doch gehe es dabei um wirtschaftliche Entwicklung, nicht um einen Staatswechsel.
Parallel dazu verschärft sich der Ton zwischen den beiden Nachbarländern. Die Handelsgespräche liegen derzeit auf Eis, und US-Präsident Donald Trump reagierte verärgert auf eine Rede Carneys beim Weltwirtschaftsforum in Davos, in der dieser „große Mächte“ für den Missbrauch wirtschaftlicher Stärke kritisierte. Trumps Antwort fiel scharf aus und verdeutlicht, wie fragil das Verhältnis aktuell ist.
Insgesamt zeigen die Ereignisse, wie eng wirtschaftliche Interessen, innenpolitische Bewegungen und internationale Diplomatie miteinander verflochten sind. Alberta bleibt dabei ein geopolitischer und wirtschaftlicher Schlüsselpunkt – für Kanada ebenso wie für die USA.