Ein Streit um ein aufgewärmtes Mittagessen hat an einer US-Eliteuniversität eine weitreichende Debatte über Alltagsrassismus ausgelöst. Die indischen Studierenden Aditya Prakash und Urmi Bhattacheryya haben nach eigenen Angaben einen Vergleich in Höhe von 200.000 US-Dollar mit der University of Colorado Boulder erzielt. Auslöser war ein Vorfall im Jahr 2023, bei dem Prakash sein Gericht Palak Paneer in einer Mikrowelle auf dem Campus erhitzte – ein klassisches nordindisches Essen aus püriertem Spinat und Paneer-Käse.
Laut der Klage beanstandete ein Universitätsmitarbeiter den „pungenten Geruch“ des Essens und untersagte die Nutzung der Mikrowelle für Speisen mit starkem Aroma. Prakash zufolge existierte eine solche Regel nirgends schriftlich. Auf Nachfrage sei ihm erklärt worden, Sandwiches seien akzeptabel, Currygerichte hingegen nicht. Für das Paar war dies kein Einzelfall, sondern der Beginn einer Kette von sogenannten Mikroaggressionen.
In der Klageschrift werfen Prakash und Bhattacheryya der Universität vor, sie nach dem Vorfall systematisch benachteiligt zu haben. Beide, damals Doktoranden im Fach Anthropologie, verloren Forschungsförderungen, Lehraufträge und schließlich sogar ihre Betreuer. Die Universität bestreitet eine Diskriminierung und erklärte gegenüber der BBC, man habe die Vorwürfe ernst genommen, aber keine Schuld anerkannt. Der Vergleich sei geschlossen worden, um einen langwierigen Rechtsstreit zu vermeiden.
Für Prakash ging es eigenen Aussagen zufolge nie primär um Geld. „Es ging darum zu zeigen, dass Diskriminierung von Indern wegen ihrer ‚Indianness‘ Konsequenzen haben muss“, sagte er. Der Fall erhielt in Indien große mediale Aufmerksamkeit und entfachte eine breite Diskussion über sogenannten „Food Racism“ im Westen. Viele Menschen berichteten in sozialen Netzwerken von ähnlichen Erfahrungen, bei denen ihre Essgewohnheiten verspottet oder als störend empfunden wurden.
Gleichzeitig wiesen Kommentatoren darauf hin, dass Diskriminierung aufgrund von Essen auch in Indien selbst verbreitet sei – etwa gegenüber Menschen aus benachteiligten Kasten oder aus Nordostindien. Auch weltweit meldeten sich Stimmen aus afrikanischen, lateinamerikanischen und asiatischen Communities, die von Beschämung wegen ihrer Küche berichteten.
Im Rahmen des Vergleichs erklärte sich die Universität bereit, den Studierenden ihre Abschlüsse zu verleihen, untersagte ihnen jedoch eine zukünftige Tätigkeit oder ein Studium dort. Eine offizielle Entschuldigung habe es nie gegeben, so das Paar. Prakash und Bhattacheryya leben inzwischen wieder in Indien und schließen eine Rückkehr in die USA nicht nur wegen ihrer persönlichen Erfahrungen aus.
Der Fall zeigt, wie alltägliche Situationen – selbst ein Mittagessen – tief verwurzelte Vorurteile sichtbar machen können. Für viele ist er zu einem Symbol geworden für die Frage, wie inklusiv internationale Bildungsinstitutionen tatsächlich sind.