Ein verheerender Brand in einem mehrstöckigen Einkaufszentrum in der pakistanischen Hafenmetropole Karachi hat mindestens sechs Menschen das Leben gekostet, darunter einen Feuerwehrmann. Dutzende weitere Personen gelten weiterhin als vermisst. Die Flammen konnten erst nach fast 24 Stunden unter Kontrolle gebracht werden, teilten Behörden am Sonntag mit.
Das Feuer war am späten Samstagabend im sogenannten Gul Plaza ausgebrochen, einem vierstöckigen Einkaufszentrum mit Keller, in dem sich rund 1.200 Geschäfte befinden. Laut dem Leiter des städtischen Rettungsdienstes, Dr. Abid Jalal Sheikh, breitete sich der Brand rasend schnell aus, da viele Läden leicht entflammbare Waren wie Kosmetikprodukte, Textilien und Plastikartikel lagerten. Dichter Rauch und extreme Hitze erschwerten die Löscharbeiten erheblich.
Feuerwehrleute kämpften die ganze Nacht hindurch gegen die Flammen. Zeitweise waren dutzende Einsatzkräfte mit Schutzkleidung und schwerem Gerät vor Ort, während Teile des Gebäudes einstürzten. Fünf Leichen wurden bislang aus den oberen Stockwerken und dem Keller geborgen. Ein weiterer Todesfall ereignete sich, als ein Feuerwehrmann bei Löscharbeiten in den oberen Etagen ums Leben kam.
Nachdem der Brand schließlich gelöscht war, begann eine intensive Such- und Bergungsaktion. Einsatzkräfte durchkämmen seitdem mit schwerem Gerät die ausgebrannte Ruine auf der Suche nach Vermissten. Zahlreiche Familienangehörige hielten sich vor Ort auf, in der Hoffnung, Informationen über das Schicksal ihrer Angehörigen zu erhalten. Die Behörden gehen davon aus, dass sich zum Zeitpunkt des Feuers noch viele Menschen im Gebäude aufgehalten haben könnten.
Der Ministerpräsident der Provinz Sindh, Murad Ali Shah, erklärte, dass nun alle verfügbaren Ressourcen eingesetzt würden, um Vermisste zu finden und die Ursache des Brandes zu ermitteln. Auch Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif zeigte sich tief betroffen und sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus. Er ordnete zudem an, dass Sicherheitsmaßnahmen überprüft und mögliche Versäumnisse aufgeklärt werden sollen.
Die genaue Brandursache ist bislang unklar. Experten gehen jedoch davon aus, dass mangelhafte Sicherheitsstandards und möglicherweise illegale bauliche Veränderungen eine Rolle gespielt haben könnten. Karachi hat eine lange Geschichte tödlicher Brände in Geschäfts- und Wohngebäuden. Immer wieder werden fehlende Brandschutzvorkehrungen, überfüllte Gebäude und unzureichende Kontrollen kritisiert. Bereits im November 2023 kamen bei einem ähnlichen Brand in einem Einkaufszentrum der Stadt zehn Menschen ums Leben.
Der jüngste Vorfall dürfte die Debatte über Gebäudesicherheit und Brandschutz in Pakistans größter Stadt erneut anheizen.