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Mord am Grab: Attentat bei Beerdigung erschüttert Korsika

Ein brutaler Mord während einer Beerdigung hat die französische Mittelmeerinsel Korsika tief erschüttert. In dem kleinen Bergdorf Vero, unweit von Ajaccio, wurde der frühere korsisch-nationalistische Anführer Alain Orsoni während der Trauerfeier für seine Mutter aus dem Hinterhalt erschossen. Ein einzelner Schuss aus dem nahegelegenen Buschland reichte aus, um den 71-Jährigen sofort zu töten – mitten auf einem Friedhof, einem Ort, der auf Korsika als heilig gilt.

Orsoni war eigens aus dem Exil in Nicaragua angereist, um seine Mutter zu beerdigen. Dass ausgerechnet dieser Moment der Trauer in ein Gewaltverbrechen umschlug, hat selbst eine Bevölkerung schockiert, die seit Jahrzehnten an Clanfehden und Unterweltkriminalität gewöhnt ist. In den vergangenen drei Jahren wurden auf der Insel mit nur rund 350.000 Einwohnern 35 Menschen erschossen – eine der höchsten Mordraten Frankreichs.

Freunde und Angehörige reagierten fassungslos. Ein enger Vertrauter Orsonis sprach im korsischen Radio von einem Tabubruch: Friedhöfe seien ebenso unantastbar wie Kirchen. Auch ein Cousin des Opfers bezeichnete die Tat als „Wendepunkt des Grauens“. Die Botschaft sei klar: Es gebe keinen Ort mehr, der vor der Gewalt sicher sei.

Alain Orsoni war eine schillernde und zugleich umstrittene Figur. In jungen Jahren engagierte er sich im korsischen Nationalismus und verbrachte 15 Jahre im Gefängnis wegen Bombenanschlägen auf Symbole des französischen Staates. Später zerfiel die Bewegung, viele ehemalige Aktivisten wandten sich organisierter Kriminalität zu – von Geldwäsche über Schutzgelderpressung bis hin zum Drogenhandel. Auch Orsonis Familie war immer wieder in blutige Fehden verwickelt: Sein Bruder wurde bereits 1983 ermordet, sein Sohn sitzt wegen Drogendelikten und versuchten Mordes im Gefängnis.

Trotz seiner Vergangenheit schaffte Orsoni den Sprung in die Öffentlichkeit als Präsident des Fußballclubs AC Ajaccio. Unter seiner Führung spielte der Verein zeitweise sogar in der Ligue 1. Doch selbst in dieser Rolle lebte er in ständiger Angst, trug eine kugelsichere Weste und bewegte sich nur in gepanzerten Fahrzeugen.

Die Ermittlungen zu seinem Tod werden nun von auf organisierte Kriminalität spezialisierten Richtern in Paris geführt. Korsikas Regionalpräsident sprach von wachsendem Mafia-Druck auf die Gesellschaft. Kriminologen warnen zudem vor möglichen Racheakten.

Der Bischof von Ajaccio appellierte unterdessen eindringlich an die Inselbewohner, den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen. Ob dieser Appell Gehör findet, ist ungewiss. Der Mord an Alain Orsoni zeigt jedenfalls auf erschreckende Weise, wie tief die Schatten der Gewalt noch immer über dem idyllischen Korsika liegen.

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