Bei einem schweren Zugunglück in Spanien sind am Sonntagabend mindestens 39 Menschen ums Leben gekommen, Dutzende weitere wurden verletzt. Der Unfall ereignete sich nahe der Gemeinde Adamuz in der südspanischen Region Andalusien und zählt zu den schlimmsten Eisenbahnunfällen des Landes seit mehr als einem Jahrzehnt.
Nach Angaben der Behörden war ein Hochgeschwindigkeitszug des privaten Betreibers Iryo auf dem Weg von Málaga nach Madrid, als die hinteren drei Waggons entgleisten. In der Folge prallten sie mit hoher Geschwindigkeit frontal in die vorderen beiden Waggons eines entgegenkommenden Hochgeschwindigkeitszuges des Typs Alvia, der von Madrid in Richtung Huelva unterwegs war. Beide Züge kippten um, mehrere Wagen stürzten einen Abhang hinunter.
Zum Zeitpunkt des Unglücks befanden sich 371 Menschen an Bord des Iryo-Zuges. Mindestens 73 Passagiere wurden verletzt, 24 davon schwer, teilten die Rettungsdienste mit. Unter den Todesopfern befindet sich auch der Lokführer des Alvia-Zuges. Die Zahl der Opfer könnte nach Angaben der andalusischen Regionalregierung weiter steigen.
Augenzeugenberichte und verifizierte Videoaufnahmen zeigen, wie Passagiere in Panik durch Fenster und über die Dächer der umgestürzten Waggons flüchteten. Viele Menschen waren stundenlang in den deformierten Zugteilen eingeschlossen, während Rettungskräfte unter schwierigen Bedingungen versuchten, sie zu befreien. „Die Waggons sind stark verdreht, das Metall ist mit den Menschen darin ineinander verkeilt“, erklärte der regionale Feuerwehrchef Francisco Carmona dem staatlichen Sender RTVE.
Das Unglück löste landesweit große Bestürzung aus. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez sprach von einer „Nacht tiefen Schmerzes“ für das Land. Auch zahlreiche europäische Politiker bekundeten ihr Mitgefühl. Der spanische König und die Königin äußerten ihre große Sorge und sprachen den Familien der Opfer ihr Beileid aus.
Die Ursache des Zusammenstoßes ist bislang unklar. Verkehrsminister Óscar Puente bezeichnete den Vorfall als „äußerst ungewöhnlich“, da sich der Unfall auf einem geraden, kürzlich modernisierten Streckenabschnitt ereignete. Die Strecke war Teil eines umfangreichen Investitionsprojekts, und auch die Züge galten als technisch auf dem neuesten Stand.
Nach dem Unglück wurde der Hochgeschwindigkeitsverkehr zwischen Madrid und Andalusien vorübergehend eingestellt. Zahlreiche Feuerwehrleute, Polizisten und eine militärische Notfalleinheit waren im Einsatz. Forensische Teams arbeiten daran, die Opfer zu identifizieren, während Überlebende und Angehörige psychologisch betreut werden. Spanien steht unter dem Eindruck einer Tragödie, deren Folgen das Land noch lange beschäftigen werden.