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Das genetische Rätsel: Warum bekommen manche Menschen Autismus?

Warum entwickeln manche Menschen Autismus? Forscher glauben, dass Gene eine große Rolle spielen. Aber welche Gene genau verantwortlich sind, war lange Zeit unklar. Jetzt gibt es neue Hinweise.

Früher dachte man, Autismus entstehe durch schlechte Erziehung. In den 1940er Jahren behauptete der Arzt Leo Kanner sogar, „kalte Mütter“ seien schuld. Diese Theorie wurde aber später widerlegt.

Ein wichtiger Schritt kam 1977. Eine Studie zeigte: Wenn ein eineiiger Zwilling Autismus hat, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch der andere betroffen ist – über 90 %. Das war ein erster Beweis, dass Gene beteiligt sind.

Heute wissen wir: Es gibt viele genetische Veränderungen, die Autismus beeinflussen können. Manche sind sehr stark. Eine einzelne Veränderung in einem Gen kann schon große Auswirkungen haben – zum Beispiel auf die Gehirnentwicklung, Sprache oder Bewegung.

Aber das ist nur ein Teil der Geschichte. Bei den meisten Autisten entstehen die Unterschiede durch das Zusammenspiel von vielen kleinen Genveränderungen – vielleicht Tausende. Diese Gene beeinflussen, wie das Gehirn arbeitet. Manche dieser Gene können sogar mit besonderen Fähigkeiten wie Mathematik, Musik oder Kunst verbunden sein.

Manche Genveränderungen entstehen zufällig im Embryo – sie kommen nicht von den Eltern. Andere sind vererbt, auch wenn die Eltern selbst kein Autismus haben. Das macht die Forschung sehr komplex.

Es gibt auch Umweltfaktoren, die eine Rolle spielen könnten. Dazu gehören z. B. Luftverschmutzung während der Schwangerschaft, Frühgeburt oder Komplikationen bei der Geburt.

Forscher wie Daniel Geschwind und Thomas Bourgeron suchen weiter nach Antworten. Sie hoffen, Menschen mit starkem Unterstützungsbedarf besser helfen zu können. Einige Studien testen sogar neue Behandlungen für bestimmte Genveränderungen, etwa durch Medikamente oder Gentherapie.

Aber nicht alle sind begeistert. Viele Autisten sehen Autismus nicht als Krankheit, sondern als Teil ihrer Identität. Sie machen sich Sorgen, dass Gentests in Zukunft gegen Autismus eingesetzt werden könnten – zum Beispiel, um ungeborene Kinder auszusortieren.

Darum sagen viele Experten: Wir brauchen Forschung, die nicht nur heilen will, sondern auch die Vielfalt im Denken und Fühlen besser versteht und unterstützt.

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