Der geopolitische Konflikt zwischen China und Japan nimmt eine neue, wirtschaftlich brisante Wendung. Peking hat begonnen, die Versorgung Japans mit seltenen Erden und daraus gefertigten Hochleistungsmagneten spürbar einzuschränken – ein Schritt, der Japans Industrie empfindlich treffen könnte und international für große Unruhe sorgt.
Seltene Erden sind für moderne Volkswirtschaften von zentraler Bedeutung. Sie werden unter anderem für die Produktion von Halbleitern, Elektromotoren, Windkraftanlagen, Fahrzeugen, Rüstungsgütern und sogar Jet-Triebwerken benötigt. China kontrolliert große Teile der weltweiten Förderung und Verarbeitung dieser strategisch wichtigen Rohstoffe – und nutzt diese Vormachtstellung zunehmend als politisches Druckmittel.
Auslöser der aktuellen Maßnahme ist offenbar die anhaltende Verärgerung Pekings über Äußerungen der japanischen Premierministerin Sanae Takaichi. Sie hatte Ende vergangenen Jahres angedeutet, dass Japan im Falle einer Eskalation um Taiwan in einen Konflikt hineingezogen werden könnte. China betrachtet Taiwan als Teil seines Staatsgebiets und hat mehrfach erklärt, eine Wiedervereinigung notfalls auch mit militärischer Gewalt durchzusetzen. Tokios Position wird in Peking daher als Provokation gewertet.
Nach übereinstimmenden Berichten aus Industriekreisen hat China seit dieser Woche begonnen, die Ausfuhr sogenannter „schwerer“ seltener Erden sowie leistungsstarker Magnete nach Japan deutlich zu verzögern oder ganz auszusetzen. Mehrere Exporteure bestätigten, dass Anträge auf Exportlizenzen derzeit nicht mehr bearbeitet werden. Die Einschränkungen betreffen dabei nicht nur Rüstungsunternehmen, sondern erstrecken sich über weite Teile der japanischen Industrie – von der Automobilbranche bis zur Elektronikfertigung.
Parallel dazu hatte Peking ein umfassendes Exportverbot für sogenannte Dual-Use-Güter angekündigt, also Produkte, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können. Staatliche Medien wie die „China Daily“ hatten bereits zuvor eine Verschärfung der Genehmigungsverfahren für Ausfuhren nach Japan in Aussicht gestellt. Eine offizielle Stellungnahme des chinesischen Handelsministeriums blieb bislang aus.
Die wirtschaftlichen Folgen könnten gravierend sein. Das Nomura Research Institute schätzt, dass japanischen Unternehmen im Laufe des Jahres Verluste von umgerechnet bis zu 17 Milliarden US-Dollar drohen könnten, sollte die Versorgung mit seltenen Erden dauerhaft eingeschränkt bleiben. Besonders betroffen wären Zulieferer globaler Chiphersteller, Automobilkonzerne und Rüstungsfirmen, die stark auf stabile Lieferketten angewiesen sind.
China hat bereits in der Vergangenheit gezeigt, wie wirkungsvoll diese Strategie sein kann. Erst im vergangenen Jahr stoppte Peking Lieferungen seltener Erden an US-Unternehmen – ein Schritt, der maßgeblich dazu beitrug, den damaligen Handelskonflikt mit den USA zu entschärfen. Die aktuellen Maßnahmen gegen Japan, einen engen Verbündeten Washingtons, unterstreichen nun erneut, dass China bereit ist, seine Rohstoffmacht konsequent zur Durchsetzung geopolitischer Interessen einzusetzen.
Für Japan und andere Industrienationen verstärkt sich damit der Druck, alternative Lieferketten aufzubauen und die Abhängigkeit von China bei strategischen Rohstoffen zu reduzieren. Kurzfristig jedoch bleibt die Lage angespannt – und für viele Unternehmen ein schmerzhafter Rückschlag.