Fledermäuse gelten vielen Menschen noch immer als unheimliche Wesen – flatternd, lautlos, mit spitzen Zähnen und blutdurstigen Mythen behaftet. Doch das Bild vom gruseligen Nachttier hat mit der Realität wenig zu tun. Forschende wollen nun mit diesen Vorurteilen aufräumen – und zeigen, wie bedeutend die Tiere für das ökologische Gleichgewicht sind.
Fledermäuse sind in Wahrheit scheue, hochsensible Tiere, die eine zentrale Rolle im Ökosystem spielen. Sie bestäuben Pflanzen, verbreiten Samen und vertilgen jede Nacht enorme Mengen an Insekten – darunter Schädlinge, die sonst ganze Ernten gefährden könnten. „Eine einzige Fledermaus frisst bis zu 3000 Mücken pro Nacht“, erklärt Fledermaus-Expertin Stanimira Deleva. Das mache sie zu einem unverzichtbaren Bestandteil natürlicher Schädlingskontrolle.
Doch die Tiere stehen zunehmend unter Druck. Lebensraumverlust, Lichtverschmutzung, Pestizide und der Klimawandel gefährden viele der rund 25 in Deutschland heimischen Arten. Immer häufiger finden Fledermäuse keine geeigneten Quartiere mehr, weil alte Gebäude saniert oder alte Bäume gefällt werden. Insektensterben und veränderte Wetterbedingungen erschweren zusätzlich die Nahrungssuche.
„Viele Menschen fürchten Fledermäuse, weil sie sie kaum kennen“, sagt Deleva. Dabei seien die Tiere „weder aggressiv noch gefährlich, sondern ausgesprochen nützlich und faszinierend“. Die Legende vom Blutsauger gehe auf tropische Arten in Südamerika zurück, die tatsächlich Blut trinken – in Mitteleuropa kommen solche Arten aber nicht vor.
Naturschutzorganisationen und Forschungsgruppen versuchen seit Jahren, mit Aufklärungskampagnen und Schutzprojekten das Bewusstsein für die bedrohten Tiere zu stärken. So werden in Städten und Dörfern Fledermauskästen aufgehängt, um ihnen Ersatzquartiere zu bieten. Zudem engagieren sich immer mehr Freiwillige in der sogenannten „Bat Night“, bei der Interessierte mit Ultraschall-Detektoren Fledermäuse in der Dämmerung beobachten können.
Forscherinnen und Forscher betonen, dass der Schutz der Fledermäuse weit über die Tiere hinausgeht – denn er steht für ein gesundes Ökosystem. Wo Fledermäuse leben, gibt es meist viele Insekten, stabile Nahrungsketten und ausgewogene Lebensräume. „Wer Fledermäuse schützt, schützt letztlich auch die Natur, die uns alle trägt“, sagt Deleva.
Ihr Ziel ist klar: Weniger Angst, mehr Faszination. Statt Fledermäuse als dunkle Gestalten der Nacht zu sehen, sollten Menschen sie als Verbündete im Kampf gegen Schädlinge und Umweltzerstörung begreifen – kleine, lautlose Helfer, ohne die das ökologische Gleichgewicht längst ins Wanken geraten wäre.