Deutschland überweist derzeit mehr als 1,7 Millionen Rentenzahlungen an Empfänger im Ausland – darunter befinden sich laut Bundesregierung 4306 Personen, die 100 Jahre oder älter sein sollen. Die Zahlen gehen aus einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des Bundestagsabgeordneten Thomas Korell (AfD) hervor.
Der Anteil der Rentenbezieher über 100 Jahre liegt damit im Ausland deutlich höher als im Inland: Während in Deutschland rund 0,086 Prozent der Renten an Personen über 100 ausgezahlt werden, beträgt der Anteil im Ausland 0,25 Prozent.
Die meisten der betroffenen Rentenempfänger leben laut Bundesregierung in den USA (824 Fälle), Israel (656), Kanada (464) und Italien (420). Weitere hohe Zahlen wurden unter anderem in Belgien, Spanien, Österreich, Australien und Frankreich registriert.
Abgeordneter stellt System in Frage
Korell äußerte in seiner Anfrage die Frage, ob es bei Rentenzahlungen ins Ausland zu Zahlungen über den Tod hinaus kommen könne. Er erklärte gegenüber Medien: „Es ist schon sehr bezeichnend, wenn Tausende angeblich über Hundertjährige Renten beziehen.“ Es stelle sich die Frage, ob hier noch reale Leistungsberechtigung bestehe.
Bundesregierung betont Kontrollmechanismen
Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) wies den Verdacht zurück und betonte, dass Rentenzahlungen ins Ausland regelmäßig und systematisch kontrolliert würden. Ein Sprecher des Ministeriums erklärte, dass es seit Jahren mehrere Kontrollverfahren gebe, darunter:
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Automatisierter Abgleich mit Sterbedaten aus derzeit 21 Staaten,
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jährliche Lebensbescheinigungen,
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seit 2024 zusätzlich ein digitaler Lebensnachweis per Videoidentifikation,
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und ab dem 100. Lebensjahr verpflichtende persönliche Rückmeldung, auch in Ländern mit Sterbedatenabgleich.
Falls Rentenempfänger nicht reagieren oder kein gültiger Nachweis eingeht, werden Zahlungen zunächst ab Ende November gestoppt und spätestens im Folgejahr dauerhaft eingestellt.
Tausende Zahlungen ausgesetzt – aber kein Beleg für Betrug
Laut BMAS wurden allein im Jahr 2024 über 6000 Auslandsrenten vorläufig eingestellt, weil Lebensnachweise nicht rechtzeitig erbracht wurden. Im Jahr 2020 betraf dies sogar mehr als 13.000 Fälle. Zwischen 2020 und 2024 seien in Summe 38.682 Rentenzahlungen gestoppt worden.
Das Ministerium sieht darin jedoch keinen Beleg für systematischen Missbrauch, sondern für die Wirksamkeit der Kontrollsysteme. Die hohe Zahl von Zahlungsstopps zeige, dass bestehende Sicherheitsmechanismen greifen, um unberechtigte Zahlungen zu verhindern.
Politische Bewertung und Ausblick
Der Abgeordnete Korell sieht trotz der Maßnahmen ein fortbestehendes Risiko und fordert zusätzliche Maßnahmen, um mögliche Missbrauchsfälle auszuschließen. Eine Reaktion der Bundesregierung auf diese Forderung steht derzeit noch aus.
Ein gesicherter Nachweis für Betrugsfälle oder systematische Fehlüberweisungen liegt nach aktuellem Stand nicht vor. Das BMAS erklärte, man werde die bestehenden Verfahren weiterentwickeln und anpassen, um mögliche Schwachstellen frühzeitig zu erkennen.
Presserechtlicher Hinweis:
Alle genannten Zahlen stammen aus der veröffentlichten Antwort der Bundesregierung. Die Äußerungen des Abgeordneten stellen dessen politische Bewertung dar. Es gilt die Unschuldsvermutung. Ein rechtswidriges Verhalten einzelner Rentenempfänger oder Institutionen wurde in diesem Zusammenhang nicht belegt.